Die Pilzsaison beginnt wieder, und immer mehr Menschen gehen im heimischen Wald selbst auf Pilzsuche. Der Parasol ist ein Speisepilz. Besonders gut schmeckt er parniert und in der Pfanne gebraten.
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Die Pilzsaison beginnt wieder, und immer mehr Menschen gehen im heimischen Wald selbst auf Pilzsuche. Der Parasol ist ein Speisepilz. Besonders gut schmeckt er parniert und in der Pfanne gebraten.

Pilzexpertin

Pilze sammeln in der Wetterau: Das sollten Laien wissen

  • vonMarion Müller
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Pilze selbst im Wald zu sammeln ist in den vergangenen Jahren zum Trend geworden. Das stellt auch Heidelinde Obermann fest. Doch gerade Laien sollten einiges beachten, rät die Pilzexpertin.

Sonne und Schatten wechseln sich ab. Es ist noch einmal richtig warm geworden. Auch im Stadtwald in Bad Nauheim ist die Wärme der Sonne deutlich zu spüren. Nur vereinzelt zwitschern ein paar Vögel. Zu hören sind überwiegend die Schritte auf dem Waldweg.

»Sehen Sie nur hier. Ist das nicht ein Prachtexemplar?«, fragt Heidelinde Obermann begeistert und zeigt auf einen großen Baumpilz direkt am Wegesrand. Diesen Baumpilz, ein Tropfender Schillerporling, habe die Pilzexpertin bereits bei ihren vergangenen Walking-Runden entdeckt. Doch er sei noch einmal deutlich gewachsen und habe bereits Sporen ausgeworfen, stellt Obermann fest.

Pilze sammeln in der Wetterau: Pilze gehen Partnerschaften ein

Sofort holt sie ihre Kamera heraus und fotografiert ihr »Prachtexemplar«. Dieser Pilz wachse nur an alten Eichen. »Jeder Pilz braucht einen Partner«, erklärt die Pilzexpertin. Es gebe Pilze, wie den Tropfenden Schillerporling, die eine feste Vorliebe haben, welche Symbiose sie eingehen. Hallimasche haben dagegen keine besondere Vorlieben.

Der Tropfende Schillerporling ist ein Baumpilz und nicht essbar. Dieser hat bereits seine Sporen ausgeworfen.

»Aber nicht jeder Pilz, der einen Baum befällt, ist tödlich für diesen«, sagt Obermann. »Wie in einer Partnerschaft ist es ein Geben und ein Nehmen.« Der Baum erhalte Nährstoffe durch das Myzel, das Wurzelgeflecht der Pilze, an die er anders nicht kommen würde. Der Pilz werde wiederum vom Baum versorgt. Selbst wenn der Pilz tödlich für den Baum sei, dauere es viele Jahre, bis der Baum sterbe.

Obermann ist als vier- bis fünfjähriges Kind bereits mit ihren Eltern »in die Pilze gegangen«. So habe man das Sammeln der Pilze im Wald früher in Böhmen genannt. »Dort war das schon immer üblich«, sagt Obermann. Nach dem Krieg kam ihre Familie nach Ockstadt: »Hier war es nicht üblich. Aber jetzt ist das wieder in.«

Pilze sammeln in der Wetterau: Finger weg von Lamellenpilzen

Obermann warnt Laien davor, Bilder aus dem Internet zum Identifizieren von Pilzen zu nehmen. Diese zeigten meist nur eine Momentaufnahme und nicht die verschiedenen Wachstumsstadien. Auch von einer Pilz-App rät sie ab. Sie empfiehlt Bücher, in denen Pilze gezeichnet sind und die verschiedenen Wachstumsstadien abbilden. Denn auch in der Wetterau wachsen giftige Pilze. Etwa der Fliegenpilz oder der Knollenblätterpilz. Beide zählen zu den Lamellenpilzen. Diese sollten Laien meiden und lieber auf Röhrenpilze zurückgreifen, rät die Expertin.

Heidelinde Obermann warnt Laien davor, Pilze ohne Kenntnisse zu sammeln.

Der Fliegenpilz sei zwar nicht tödlich, versetze einen aber in einen Rauschzustand. »Der fällt bei jedem aber anders aus. Daher sollte man es nicht ausprobieren«, mahnt Obermann. Der Knollenblätterpilz ist »der giftigste Pilz schlechthin und tückisch«. Die ersten Vergiftungserscheinungen träten erst nach Stunden auf, und da seien meist Leber und Niere bereits angegriffen. »Es gibt kein Gegenmittel. Vielleicht hilft noch ein Auspumpen des Magens.«

In den Wäldern der Wetterau wachsen etwa Steinpilze, Maronen, Parasol und Pfifferlinge. Champignons wachsen auf Wiesen. »Pilze findet man das ganze Jahr«, sagt Obermann. Das Myzel, also das Wurzelgeflecht und der eigentliche Pilz, wachsen in der Erde. Einmal im Jahr, vorzugsweise im Herbst, wenn es schön warm und feucht ist, »kommt das zum Vorschein, was wir als Pilze kennen«, erklärt die Pilzexpertin.

Pilze sammeln in der Wetterau: Wenige Pilze wegen Trockenheit

»Hier müssen Sie nicht nach Pilzen schauen«, sagt Obermann und zeigt in das dicht bewachsene Unterholz am Wegesrand. »Pilze mögen es lieber lichter.« Aber im Moment habe man noch kein Glück. »Es ist zu trocken«, erklärt die Pilzexpertin. »Es müsste mindestens eine Woche mal gut regnen.«

Pilze sorgen dafür, dass Holz, Äste und kleine Tiere zersetzt werden. »Ohne Pilze gäbe es keinen Wald«, sagt Obermann. Pilze führten mit dem Zersetzen Holz zum Beispiel einer anderen Nutzung zu. Ein Specht kann in dem weicheren Holz beispielsweise leichter seine Höhle bauen. Verrottende Baumstümpfe bieten einen Unterschlupf für Insekten und kleine Tiere. Daher mahnt Obermann, Pilze nicht einfach platt zu treten. Denn: »Jeder Pilz erfüllt seinen Zweck.«

Auf dem Weg durch den Wald entdeckt Obermann dann doch noch einen Speisepilz: einen Parasol. In Restaurants finde man diesen nicht. Aber der Hut schmecke prima, weiß die Expertin. Einfach parnieren und wie ein Schnitzel in der Pfanne braten.

Pilze sammeln in der Wetterau: Nur für den Privatgebrauch

Frische Pilze erkenne man an einem festen Hut. Ist der Hut eher schwammig und weich, sollte man den Pilz lieber stehen lassen. Zum Ernten den Pilz bündig am Boden abschneiden oder herausdrehen. Obermann mahnt, dass Pilzsammler nur für den privaten Zweck in einem Körbchen oder einer Papiertüte sammeln dürfen. Mehr ist verboten. »Und nicht unnötig im Wald herumlaufen und alles kaputttreten.«

Menschen, die im Wald Pilze sammeln möchten, empfiehlt Obermann einen Experten mitzunehmen. »Aber man sollte trotzdem die wichtigsten Pilze kennen, wo sie wachsen und wofür sie gut sind.«

Pilze sammeln in der Wetterau: Pilzexperten finden

Anlässlich des Europäischen Pilztages am heutigen Samstag startet in der Wetterauer Zeitung eine dreiteilige Serie. Gemeinsam mit der Pilzexpertin Heidelinde Obermann geht es im ersten Teil auf Pilzsuche. Wer selbst einmal Pilze sammeln möchte, kann in der Pilzschule Hessen z.B. Pilzkundliche Wanderungen buchen. Mehr Infos unter www.derpilzberater.de. Auch der NABU Wetterau bietet Pilz-Wanderungen an, aufgrund der Corona-Pandemie muss diese in diesem Jahr ausfallen. Alternativ kann eine Pilz-Wanderung beim NABU Langgöns unter www.wetterau-nabu.de gebucht werden.

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