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Hierbei handelt es sich um einen echten Goldring. Die Ringe, die älteren Menschen von Betrügern angedreht worden sind, bestehen hingegen aus einem anderen Material, eventuell aus dem Metall Wolfram. Allzu sauber verarbeitet sind die wertlosen Teile auch nicht, sagt Experte Ralf Albert.

Polizei fahndet

Penetrante Ring-Betrüger belästigen Friedberger – Juwelier warnt vor Billig-Produkt

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Stellen Sie sich vor, Sie laufen die Friedberger Kaiserstraße entlang und bekommen auf der Straße einen Ring aufgedrängt. Dann will der Täter Geld haben, macht Druck. So erging es vielen Senioren.

Friedberg – »Das finde ich absolut das Allerletzte.« Ralf Albert ärgert sich gewaltig darüber, dass in den vergangenen Wochen viele ältere und gehbehinderte Menschen auf der Friedberger Kaiserstraße übers Ohr gehauen worden sind. Nicht etwa von Ladenbesitzern, sondern von Menschen, die Senioren auf der Straße einen Ring verkaufen wollten. Wobei »verkaufen« nicht das richtige Wort ist. Vielmehr bedrängen sie die älteren Leute, stecken ihnen den vermeintlich wertvollen Ring in die Tasche, nerven die Menschen, verlangen Geld. Wenn der Senior dann fünf, zehn oder vielleicht 20 Euro gezahlt hat, ist hoffentlich Ruhe.

Albert weiß von diesen Geschichten, weil, wie er sagt, in den vergangenen 14 Tagen bestimmt 20 bis 30 Opfer dieser Masche bei ihm im Schmuck-Shop in der Haagstraße aufgeschlagen sind und Ringe an ihn weiterverkaufen wollten. Eigentlich ist Alberts Geschäft die richtige Adresse, schließlich macht er Goldan- und -verkauf. Das Problem dabei ist: Die Ringe sind nicht aus Gold.

Ring-Betrug in Friedberg: Gestohlen oder extra angefertigt?

Doch zunächst zurück zu der Masche, mit der ältere Menschen in Friedberg unter Druck gesetzt und übers Ohr gehauen worden sind: Eine Frau wandte sich an die WZ-Redaktion, berichtete, wie es ihrer 91-jährigen Mutter ergangen sei: »Sie hat mir erzählt, dass ein Mann vorgab, den Ring in ihrer Nähe gefunden zu haben und sie gefragt hat, ob das ihrer ist. Als sie das verneinte, gab er ihr den Ring in die Hand und fragte, was sie dafür geben würde. Am Ende waren es 10 Euro. Als meine Mutter wieder in ihre Handtasche griff, hat er die Flucht ergriffen.« Einer Nachbarin der Mutter sei das Gleiche passiert.

Damit sind die beiden Damen bei Weitem nicht die Einzigen, zumal womöglich andere Opfer hinterher bei anderen Juwelieren den Ring weiterverkaufen und auch dort die enttäuschede Nachricht bekommen haben, dass der Ring nichts wert ist. Mal abgesehen davon, dass vielleicht der eine oder die andere nach wie vor davon ausgeht, ein Schnäppchen gemacht zu haben - und den Ring über den Finger gezogen hat.

Kann man auf die Masche reinfallen? Oder anders gefragt: Kann einem als Laie auffallen, dass man da gerade Müll angedreht bekommen hat? Kenne man sich mit Schmuck nicht aus, könne man solchen Betrügern schnell auf den Leim gehen, sagt Ralf Albert. Und der kennt sich aus, sieht sofort, dass es sich um eine Fälschung handelt. Juweliere platzierten in ihren Schaufenstern gerne Ring-Dummies, also Attrappen, und bewahrten die wertvollen Ringe nicht gerade so offen auf, erläutert Albert, Um solche Attrappen könnte es sich bei den besagten Ringen handeln - und zwar um gestohlene. Oder aber sie seien extra angefertigt worden. Bei allen Exemplaren, die man ihm gezeigt habe, handele es sich um goldfarbene Ringe ohne Stein darauf.

Das Gewicht komme nicht ganz hin, aber unterscheide sich auch nicht so sehr vom Goldgewicht wie etwa Alu. Albert hält es für gut möglich, dass die Ringe aus dem Metall Wolfram gefertigt worden sind. Richtig fein verarbeitet wurde das Material nicht, denoch: »Auf alle Fälle sind die Dinger gut gemacht, egal was da drin ist.«

Nichtsdestototz handele es sich nun mal nicht um Goldringe, sagt der Experte, der das mit seinem Kennerblick schnell merkt. Außerdem kann er die Echtheit auch widerlegen, indem er den Ring an einem Schieferstein abreibt und mit einer Prüfsäure testet. »Er könnte sogar ein wenig vergoldet sein, aber das bezweifle ich stark«, sagt Albert. Vielmehr geht er davon aus, dass der Wert des Ringes gegen null tendiert: »Wenn Sie so ein Ding auf dem Flohmarkt kaufen würden, dann würden Sie wahrscheinlich einen Euro bezahlen. Die Herstellung kostet, wenn es hoch kommt, zehn Cent.«

Das Fälschen von Schmuck komme in letzter Zeit oft vor, sagt Albert. Das liege auch am Internet, wo man ganz leicht Gold-Dummies bekomme. Gold also, das keines ist, Man kennt das aus anderen Bereichen: »Nicht jeder, der eine Rolex anhat, hat eine Rolex an.«

Betrug in Friederg: Informationen zu Ringen und Tätern

»Es ist jedes Mal dieselbe Ringform«, sagt Ralf Albert über den Schmuck, den ihm betrogene Senioren in den vergangenen rund zwei Wochen vorgelegt haben. Der Durchmesser liege bei eineinhalb bis zwei Zentimetern, ein Exemplar wiege 15 Gramm und sei innen mit »585« ge-stempelt, was offensichtlich suggerieren soll, der Ring bestehe aus 585er-Gold. Die Ringe seien goldfarben, sagt Albert. Eine Dame habe ihm einen solchen Billigring dagelassen, den habe er an die Polizei weitergegeben - mit dem Hinweis auf die Masche, die in Friedberg angewandt wird.

Eine Anzeige liegt laut Tobias Kremp, Pressesprecher der Wetterauer Polizei, bisher von niemandem vor. Von daher gibt es auch keine offizielle Täterbeschreibung. Auf Grundlage dessen, was Opfer gegenüber Albert berichtet haben, muss aber mehr als eine Person ihr Unwesen treiben. Immer eine einzelne Frau oder ein einzelner Mann wende die Masche an. Eine Frau habe ihm gesagt, erläutert Albert, dass der Täter zwischendrin Polnisch geredet habe, als er mit der Reaktion der Dame nicht zufrieden gewesen sei. Die Polizei bittet unterdessen all jene, die Angaben zu solchen Ring-Vorfällen machen können, sich unter der Telefonnummer 0 60 31/60 10 zu melden.

Immer wieder versuchen dreiste Betrüger unbescholtenen Wetterauern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Angebliche Dachdecker hinterließen etwa bei einer spontanen Sanierung in Altenstadt erst im März einen beträchtlichen Schaden.

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