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Lisa Gnadl (l.) und Natalie Pawlik (2. v. l.) werden von (v. l.) Michael Erlenbach, Ulrike Rudolf-Velde und Maike Henningsen über das Karl-Wagner-Haus und die Arbeit, die dort geleistet wird, informiert.

Pandemie macht auch das Helfen schwieriger

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Friedberg (pm). Für Menschen, die aus einer Notlage heraus ihre Wohnung verloren haben und obdachlos werden, ist das Karl-Wagner-Haus in Friedberg eine wichtige Anlaufstelle für Beratung und für ganz praktische Hilfe. Seit 135 Jahren befindet sich dieses Hilfezentrum, das inzwischen von der diakonischen und gemeinnützigen »Mission Leben« betrieben wird, in der Alten Bahnhofstraße.

Doch die Corona-Pandemie hat die Einrichtung einmal mehr vor neue Herausforderungen gestellt.

»Kontaktbeschränkungen und Abstandsgebote haben insgesamt die Hilfen für Menschen in sozialen Notlagen erschwert. Deshalb ist es uns wichtig, aus diesen Erfahrungen zu lernen und auch zu sehen, wo Angebote der Sozialen Arbeit in diesen Zeiten selbst besondere Unterstützung brauchen«, machte die Wetterauer Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl deutlich, die sich zusammen mit der Kreistagsabgeordneten und Bundestagskandidatin Natalie Pawlik (beide SPD) im Karl-Wagner-Haus über die Arbeit in den zurückliegenden Monaten informierte.

Empfangen wurden sie von Michael Erlenbach, Geschäftsbereichsleiter der »Mission Leben« in Hessen und Rheinland-Pfalz für die Hilfen für Menschen in sozialen Notlagen, Maike Henningsen, Geschäftsführerin »Mission Leben« und Leiterin des Geschäftsfelds Soziale Arbeit, sowie Ulrike Rudolf-Velde, Leiterin des stationären Bereichs des Karl-Wagner-Hauses.

Einzelzimmer wegen Pandemie

Die Hilfesuchenden, die dort Unterstützung erhalten, sind vielfältig. »Das fängt mit 18-Jährigen an, die aus der Jugendhilfe entlassen werden, und reicht bis zu Menschen jenseits der achtzig. Wir haben genauso Klientinnen und Klienten, die einmal hoch qualifizierten Berufen nachgegangen sind und gut verdient haben, wie Menschen ohne Schul- und Berufsabschlüsse. Es sind ganz unterschiedliche persönliche, finanzielle und soziale Notlagen, die Menschen in die Obdachlosigkeit bringen«, erklärte Erlenbach, der bis vor wenigen Jahren Einrichtungsleiter des Karl-Wagner-Hauses gewesen war.

Das Haus umfasst nicht nur ein Wohnheim mit regulär 35 Plätzen und acht Plätzen für die Notübernachtung. Vielmehr bieten die angegliederte Fachberatungsstelle Wohnraumsicherung und die Streetwork-Angebote auch ambulante Hilfe an, etwa für Menschen, denen der Verlust ihrer Wohnung droht, oder auch für Obdachlose, die auf der Straße leben. Außerdem bietet »Mission Leben« Betreutes Wohnen für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten und mit Abhängigkeitserkrankungen an. Auch der Tagesaufenthalt »Fürstenpavillion« in Bad Nauheim gehört zu dem breit gefächerten Angebot.

»Das Karl-Wagner-Haus ist eine wichtige Institution für hilfebedürftige Menschen in der Wetterau. Obdachlosigkeit ist ein existenzielles Problem für die Betroffenen. Unser Sozialstaat bemisst sich auch daran, wie er diejenigen unterstützt, die am Ende sogar ihre Wohnung verloren haben. Das gilt in Krisenzeiten umso mehr«, sagte Pawlik.

Wie sich die Pandemie konkret auf die Hilfsangebote ausgewirkt hat, schilderte Ulrike Rudolf-Velde: »Wir mussten etwa die Zahl der Plätze im Wohnheim und in der Notübernachtung reduzieren, damit alle Bewohnerinnen und Bewohner in Einzelzimmern untergebracht werden konnten. Wir mussten die Besuchsmöglichkeiten für externe Gäste einschränken, und unsere ambulanten Hilfen wurden ergänzt durch telefonische Beratung dort, wo persönlicher Kontakt trotz umfangreicher Schutzmaßnahmen nicht möglich war.« Die Maßnahmen hätten aber auch dazu beigetragen, große Corona-Ausbrüche zu verhindern.

Gnadl, die auch sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag ist. sagte: »Allen, die in den letzten Monaten in der Sozialen Arbeit weiter ihren Dienst an unserer Gesellschaft versehen und Hilfsbedürftigen trotz eines möglichen Infektionsrisikos zur Seite gestanden haben, gebührt unser Respekt. Wir müssen aber auch politisch dafür Verantwortung übernehmen, die Angebote der Sozialen Arbeit abzusichern.«

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