Mit einer Online-Petition an die Bundesregierung wird gefordert, alle Bürger mit Wohnsitz in Deutschland schnell aus Pakistan zurückzuholen.	FOTOS: PV
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Mit einer Online-Petition an die Bundesregierung wird gefordert, alle Bürger mit Wohnsitz in Deutschland schnell aus Pakistan zurückzuholen. FOTOS: PV

Corona-Krise

In Pakistan: »Lotterie« um begehrte Flugtickets

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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In Pakistan wird eine »Ticket-Lotterie« veranstaltet. Das große Los ist einer der begehrten Flugscheine für eine Maschine Richtung Frankfurt. Doch für viele Deutsche, auch Wetterauer, gab es Nieten.

Aufgrund der Corona-Krise sitzen nach wie vor viele Deutsche in Pakistan fest, teilweise seit Februar. Es handelt sich um deutsche Staatsbürger pakistanischer Herkunft oder Menschen mit langfristigem Aufenthaltstitel in Deutschland (WZ vom 17. April). Najeeb Ahmed aus Friedberg schätzt deren Zahl auf 300. Der 30-Jährige und sein Vater, die wegen einer Hochzeit nach Pakistan gereist waren, hatten Glück und bekamen Tickets für einen der Rückholflüge, mit denen am 31. März und 4. April 625 Betroffene nach Deutschland geflogen wurden.

Seitdem setzt sich der Friedberger für die Interessen der Menschen ein, die immer noch in dem asiatischen Land ausharren müssen. Ahmed, der in ständigem Kontakt mit den zuständigen Behörden steht, wirft der Botschaft in Islamabad Untätigkeit vor. Deshalb komme kein dritter Rückholflug für die restlichen Gestrandeten zustande. Die diplomatische Vertretung verweigere dringend notwendige Hilfe, unterstütze deutsche Staatsbürger nicht mal bei der Beschaffung dringend notwendiger Medikamente.

Große Hoffnung haben die Betroffenen auf einen Sonderflug der staatlichen pakistanischen Fluglinie PIA gesetzt, der am Sonntag von der Hauptstadt Islamabad nach Frankfurt fliegen soll. »Dabei handelt es sich um einen kommerziellen Flug mit Sondergenehmigung. Normalerweise fliegt PIA Deutschland nicht an, mit dieser Maschine sollen pakistanische Bürger zurückgeholt werden«, erklärt Ahmed. Den Hinflug nutzten Leute aus verschiedenen europäischen Ländern, um endlich heimzukehren. Deshalb kämen nicht alle Deutschen zum Zug. Der Friedberger berichtet beispielsweise von einer älteren Dame aus Bad Nauheim, die erkrankt ist und Medikamente benötigt. »Sie hat Pech gehabt und kein Ticket bekommen«, sagt der 30-Jährige.

Online-Verkauf funktioniert nicht

Viele Betroffene seien bei Verwandten irgendwo in der pakistanischen Provinz untergekommen, müssten in eine Großstadt fahren, um Flugscheine in einem PIA-Büro erwerben zu können. Ahmed: »Meinen Informationen zufolge hat der Online-Verkauf nicht funktioniert.« Bei einer längeren Autofahrt in eine Großstadt könne es aber Probleme mit der Polizei geben. In Pakistan gelte wegen Corona eine strikte Ausgangssperre, nur der Gang zum Arzt, zum Einkaufen oder zur Arbeit sei erlaubt.

Die Flughäfen seien für den normalen Flugverkehr weiterhin gesperrt. Neben der PIA-Maschine - das One-Way-Ticket koste 800 Euro - gebe es ab und an kommerzielle Sonderflüge von Qatar Airlines. Dieses Unternehmen verlange allerdings »Wucherpreise« von bis zu 5000 Euro. Trotzdem denke die verzweifelte Familie der Dame aus Bad Nauheim darüber nach, ein solches Ticket zu erwerben.

Mehr Glück als die Bad Nauheimerin hatten die 23-jährige Studentin Husana Qamar aus Gießen und ihre Mutter. Beide gehören nach Informationen der »Frankfurter Rundschau« zu dem Personenkreis, der am Sonntag nach Frankfurt fliegen kann. Zuletzt habe sie die Hoffnung, bald nach Deutschland zurückkehren zu können, fast schon aufgegeben. Auch Qamar, die sich seit Ende Februar in Pakistan aufhält, fühlt sich von der deutschen Botschaft »völlig im Stich gelassen«. Obwohl ihre Mutter chronisch krank sei und die Medikamente zur Neige gingen, habe sie keinen Platz in einem der Rückholflüge erhalten. Um Tickets für den PIA-Flug am Sonntag kaufen zu können, habe sie sich Geld leihen und trotz der Ausgangssperre zu einem Büro der Fluglinie fahren müssen.

Petition läuft: »#HoltUnsHeim«

Auch nach dem Flug am Sonntag bleibt das Problem der in Pakistan gestrandeten Deutschen nach Ansicht von Najeeb Ahmed bestehen. Er appelliert weiter ans Auswärtige Amt, für einen dritten Rückholflug zu sorgen. Gegenüber der WZ hatte das Außenministerium Mitte April erklärt, sich intensiv um eine Lösung für die verbliebenen Fälle zu bemühen und für eine »zeitnahe Rückkehr« sorgen zu wollen. Da das bislang offenbar nicht gelungen ist, bittet der Friedberger darum, die Online-Petition »#HoltUnsHeim« zu unterzeichnen. »Der Auswärtige Ausschuss des Bundestags hat sich bereits mit dem Thema befasst«, sagt Ahmed, der sich weiter für die Rückkehr seiner Landsleute aus Pakistan stark machen will.

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