Auch im pakistanischen Punjab-Gebiet, wo sich noch viele Deutsche aufhalten, ist das Coronavirus längst angekommen. In der Großstadt Multan stehen Frauen trotz der Ausgangsbeschränkungen vor einer Behörde Schlange, um staatliche Hilfsmittel zu erhalten.
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Auch im pakistanischen Punjab-Gebiet, wo sich noch viele Deutsche aufhalten, ist das Coronavirus längst angekommen. In der Großstadt Multan stehen Frauen trotz der Ausgangsbeschränkungen vor einer Behörde Schlange, um staatliche Hilfsmittel zu erhalten.

Auch Wetterauer betroffen

In Pakistan Gestrandete Wetterauer warten auf Rückholflug

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Deutsche, die wegen Corona im Ausland festsitzen, stehen unter Stress. Tausende Urlauber wurden zurückgeholt, doch in Pakistan warten rund 300 verzweifelte Menschen auf ihre Rückkehr, auch aus der Wetterau.

Aus Sicht von Najeeb Ahmed aus Friedberg ist die Sache klar: Wegen des »systematischen Fehlverhaltens« der deutschen Botschaft in der Hauptstadt Islamabad sind rund 300 Bürger mit Wohnsitz in Deutschland in Pakistan gestrandet. Der 30-Jährige hatte sich mit seinem Vater drei Wochen lang dort aufgehalten und war mit einem Sonderflug am 4. April zurückgekehrt. Es gab zwei solcher Flüge, an Bord waren insgesamt 625 Personen. Trotzdem sitzen laut Najeeb Ahmed etliche deutsche Staatsbürger oder Personen mit langfristigem Aufenthaltstitel in Pakistan fest, vor allem in der Region Punjab.

»Auch vier oder fünf Leute aus der Wetterau sind betroffen. Für manche könnte das dramatische Folgen haben«, spricht der Friedberger die Situation eines Ehepaars aus der Kreisstadt an. Der Mann ist schwer herzkrank, seine Ehefrau hat chronische Leiden. »Ihnen gehen lebensnotwendige Medikamente aus, die in Pakistan nicht erhältlich sind«, berichtet Najeeb Ahmed. Verwandte wollen Arzneimittel hinschicken, was nach Auskunft von DHL derzeit aber drei Wochen dauern kann.

Wetterauer in Pakistan gestrandet: Deutliche Kritik an Botschaft

So wie diesem Ehepaar geht es einigen Deutschen, die in dem asiatischen Land verzweifelt auf eine Rückkehrmöglichkeit warten. Falsch sei die Aussage der Botschaft, Tickets für die Rückholflüge hätten in erster Linie kranke und alte Leute erhalten. »Ich bin jung und gesund, durfte aber mitfliegen, während viele chronisch Kranke weiter festsitzen«, sagt der 30-Jährige.

Als sich die Corona-Krise zuzuspitzen begann, hatten sich Betroffene in einer WhatsApp-Gruppe organisiert. »Es gibt eine Liste der in Pakistan gestrandeten Deutschen. Demnach warten in Pakistan noch 200 Leute. Da nicht alle Betroffenen mit uns Kontakt aufgenommen haben, schätze ich die Gesamtzahl auf 300«, erklärt der 30-Jährige, der sich für deren Interessen einsetzt und in regelmäßigem Kontakt mit Auswärtigem Amt und Botschaft steht.

Nach Ansicht von Najeeb Ahmed arbeitet die Botschaft in Islamabad unprofessionell. So habe sie lange behauptet, der in Pakistan am 21. März eingestellte Flugverkehr werde am 11. April wieder aufgenommen. Dann könnten die im Land verbliebenen Deutschen mit Linienflügen zurückkehren. »Der 11. April ist vorbei, der 21. April wurde als neuer Termin genannt. Aber auch dann werden keine Flüge gehen«, sagt der Friedberger.

Todesfall: Mann erleidet Herzinfarkt

Zudem habe die Botschaft viele Landsleute auf Sonderflüge von Airlines aus Qatar und Pakistan verwiesen. Betroffene hätten überteuerte Tickets erworben, die Flüge seien aber gecancelt worden. Etliche Menschen aus Deutschland säßen mittellos in Pakistan, denn die Fluggesellschaften zahlten vorerst nicht zurück.

Viel schlimmer: Laut Najeeb Ahmed gibt es einen ersten Todesfall. »Ein 61-jähriger herzkranker Mann aus Offenbach ist in Pakistan verstorben. Er stand unter enormem Stress, machte sich Sorgen um seinen Arbeitsplatz am Flughafen und hat einen Infarkt erlitten.« Viele Betroffene, die teilweise seit Februar in Pakistan seien, fürchteten um ihre Jobs. Es gebe Unternehmer, deren Firmen in Deutschland voll von der Krise erwischt worden seien. Doch wie soll der Chef von Pakistan aus Kurzarbeitergeld beantragen?

Die Botschaft in Islamabad versagt nach Ansicht von Najeeb Ahmed, helfe nicht mal bei der Medikamenten-Beschaffung. Sie antworte auf seine Fragen stets mit den gleichen Floskeln. Andere Botschafter, etwa in Indien, Neuseeland oder Südafrika, hätten Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um Deutsche zum Teil mit mehr als zehn Maschinen ausfliegen zu lassen. Im Fall Pakistan sei nur noch ein Sonderflug notwendig, der komme aber nicht zustande. Ahmed: »Ich fürchte, die Leute müssen auf die Wiederaufnahme des Linienflugverkehrs warten.«

Der 30-jährige Friedberger überlegt, juristische Schritte gegen die Botschaft in Islamabad einzuleiten. Das Personal komme seinen Dienstpflichten nicht nach und verweigere dringend notwendige Hilfe.

Dem Auswärtigen Amt ist laut Pressesprecher Ruben Schwarz der »weitere Bedarf an Ausreisemöglichkeiten« trotz der zwei Rückholflüge am 31. März und 4. April bekannt. Einige Betroffene hätten Plätze in Flugzeugen aus anderen europäischen Ländern erhalten. Schwarz: »Das Auswärtige Amt und die Botschaft bemühen sich intensiv, dass auch für die verbliebenen Fälle Lösungen für eine zeitnahe Rückkehr nach Deutschland gefunden werden.«

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