Ovag: Strompreis steigt aufgrund staatlicher Umlagen

Friedberg (jw). Rund 220 000 Ovag-Kunden bekommen in diesen Tagen einen Brief, über den sie sich ärgern werden. Die Stromrechnung wird teurer. Die Ovag Energie AG erhöht die Preise zum 1. Januar 2013 um 13,2 Prozent. Die Kilowattstunde (kWh) steigt von rund 25 auf etwa 28 Cent.

"Ein durchschnittlicher Haushalt mit 3500 kWh Jahresverbrauch muss jährliche Mehrkosten um etwa 119 Euro verkraften", rechnet Ovag-Vorstandsvorsitzender Rainer Schwarz vor. "Das ist ein Preissprung, den wir überhaupt nicht beeinflussen können." Auch beim heimischen Energieversorger sitzt der Ärger tief. Denn die Verantwortlichen sitzen nicht in Friedberg, sondern in Berlin. Wie gemeldet, steigen die Ökostrom-Umlage und die Netznutzungs-Gebühren deutlich. "Man fühlt sich derzeit eher wie eine staatliche gelenkte Inkassobehörde", sagt Schwarz. Die Politik müsse endlich für Klarheit auf dem Energiemarkt sorgen.

Rainer Schwarz ist ein höflicher Mensch und er ist CDU-Mitglied. Vielleicht denkt er, bei der schwarz-gelben Bundesregierung seien alle Sicherungen durchgebrannt, vielleicht hält er die "Energieexperten" in Berlin für "Stromer". Schwarz ist wütend, aber mit solchen Äußerungen hält er sich öffentlich zurück. Trotzdem wird er, als er am Freitag vor der Presse die Strompreiserhöhung erläutert, deutlich: Die staatlich veranlassten Umlagen seien in "schwindelerregende Höhen" gestiegen. Bundesweit, sagt Schwarz, dürfte damit die bisher größte Strompreiserhöhungswelle ausgelöst werden, die zum Teil sogar in sehr hohe zweistellige Prozentbereiche führe.

"Ohne die von der Politik beschlossenen Mehrbelastungen hätte überhaupt keine Preiserhöhung stattfinden müssen. Denn auf dem Beschaffungsmarkt konnten wir für kommendes Jahr praktisch stabile Preise sichern", sagt der Ovag-Chef.

Mit Wettbewerb habe das nicht mehr viel zu tun. Die EEG-Umlage (auch Ökostrom-Umlage genannt) steigt um fast 47 Prozent, die Netznutzungs-Gebühren und Netzumlagen um mehr als 22 Prozent (siehe Grafik). Eingerechnet sind die Sonderkundenumlage, die Kraft-Wärme-Kopplungs-Umlage und die neue Offshore-Haftungsumlage. Schwarz: "Das sind die Preistreiber."

Rund 25 Prozent des derzeitigen Strombedarfs in Deutschland werde derzeit aus regenerativen Energien gewonnen, das meiste davon gesetzlich gefördert. "Dieser Aufpreis für ein Viertel der Stromerzeugung ist fast genauso hoch wie der heutige Marktpreis für konventionell erzeugten Strom, so dass sich der im Haushaltsstrompreis enthaltene Energiepreisanteil fast verdoppelt."

Eigentlich, meint Schwarz, habe die von der Bundesregierung ausgerufene Energiewende noch gar nicht begonnen. Denn bislang seien nur jene Anlagen ans Netz gegangen und würden gefördert, die schon lange vor der Energiewende geplant waren. Und es bleibe ein Geheimnis der Politik, warum sie auf die EEG-Umlage, die zum Teil ohnehin schon zu sozialen Verwerfungen führe, noch die Mehrwertsteuer mit 19 Prozent erhebe. "Es ist nicht zwangsläufig, staatliche Lenkungsabgaben der Umsatzsteuer zu unterwerfen", sagt der Ovag-Vorstand. Eine Befreiung von der Umsatzsteuer sei möglich, die aktuelle Strompreiserhöhung könnte dann einen halben Cent günstiger sein.

"Keine Energiewende zum Nulltarif"

Auch Aussagen von Politikern, der Strompreis an der Börse sei derzeit günstig, die Energieversorger könnten dies an die Kunden weitergeben, wischt Schwarz vom Tisch: "Da reden wir von Kleinigkeiten." Für Schwarz ist klar: "Die Politik muss sich endlich dazu bekennen, dass die Energiewende nicht zum Nulltarif zu haben ist." Konventionelle Kraftwerke abschalten oder die Laufzeiten reduzieren, gleichzeitig nicht planbarem "Grünstrom" Einspeise-Vorrang gewähren und den Netzausbau vorantreiben – das gehe nicht ohne Mehrkosten. Das müsse die Politik erkennen und den Dialog mit den Energieunternehmen suchen.

Zumindest für 2013 gibt die Ovag eine Preisgarantie für alle Vertragsprodukte, verspricht Vertriebsleiter Holger Ruppel. Ausgenommen seien lediglich die Strom- und Mehrwertsteuern.

Bis zum 15. November müssen die Energieversorger ihre Kunden über die Preiserhöhungen informieren. Die Ovag ist eines der ersten Unternehmen, die dem nachkommt. "Wir wollen Transparenz schaffen", sagt Britta Adolph, Leiterin des Marketings. Der Callcenter wurde personell aufgestockt, bis zu 60 Mitarbeiter stehen den Kunden für Rückfragen zur Verfügung. Dass die Kunden abspringen könnten, befürchtet die Ovag nicht. Wer auch das Kleingedruckte bei der Konkurrenz lese, werde erkennen, "dass wir marktfähig sind". Schwarz nennt als abschreckendes Beispiel die Insolvenz von Teldafax im Juni 2011: Das Unternehmen musste die Lieferung von Strom und Gas einstellen, die Kunden hatten den finanziellen Schaden.

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