"Ulrichstein-Platte" im Vogelberg ist einer von 16 Windparks der Ovag. 	ARCHIVFOTO: TB
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»Ulrichstein-Platte« im Vogelberg ist einer von 16 Windparks der Ovag. ARCHIVFOTO: TB

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Ovag: 30 Prozent eigenerzeugter Ökostrom

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Wetteraukreis (hed/pm). Die Ovag hat 2019 rechnerisch fast 30 Prozent des jährlichen Stromkundenbedarfs mit eigenerzeugtem Ökostrom bereitstellen können. Das teilte das Unternehmen nun mit. In erster Linie trugen die 16 Windparks des Energieversorgers zum Ergebnis bei, die dabei von einem Wind-Rekordjahr in Deutschland profitierten. Die Ovag will weitere Anlagen errichten.

Der Konzern habe im vergangenen so viel »Grünstrom« produziert wie nie zuvor in seiner Geschichte, heißt es in der Pressemitteilung. Insgesamt speisten die Erneuerbaren Energien-Anlagen des Unternehmens 287 Millionen Kilowattstunden ins Stromnetz ein. Laut Dr. Hans-Peter Frank, verantwortlich für den Bereich Energiehandel und Energieerzeugung bei der Ovag, haben Windanlagen an Land und auf See in Deutschland im vergangenen Jahr in Summe 126 Milliarden Kilowattstunden erzeugt, mehr als jede Stromerzeugung aus anderen Energieträgern. Im gleichen Zuge sei nach Angaben der AG Energiebilanzen die Stromerzeugung aus Steinkohle um 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf nur noch 57 Milliarden Kilowattstunden gefallen.

Insbesondere im März 2019 sei in Deutschland so viel Strom aus Windenergie erzeugt wie nie zuvor in einem Monat, berichtet Frank. Allerdings sei dieser Rekord im Februar 2020 übertroffen worden. Auch bei der Ovag habe es 2019 mit einer Stromerzeugung von knapp 266 Millionen Kilowattstunden durch Windenergieanlagen einen neuen Höchstwert gegeben. Durch einen konstanten Zubau in den zurückliegenden Jahren - mittlerweile drehen sich Anlagen mit einer installierten Leistung von 124 Megawatt für das Unternehmen - sei es der Ovag nun möglich, große Mengen von CO2 einzusparen. Die technische Betriebsführung für diese Anlagen gewährleistet dabei die Ovag-Tochterfirma »HessenEnergie«.

Neben der Biogasanlage in Berstadt und dem Wasserkraftwerk in Lißberg fallen auch Fotovoltaik-Dachanlagen sowie die drei Solarparks, die in Kooperation mit der Gemeinde Wölfersheim und der Stadt Linden betrieben werden, in die Ökostrom-Bilanz der Ovag. Zwar hätten die PV-Anlagen nicht die Rekordwerte des Jahres 2018 erreichen können, mit einem Ertrag von 11,6 Millionen Kilowattstunden aber auf einem »sehr guten Niveau« gelegen, sagt Frank.

Obwohl die Ovag 2019 keinen neuen Windpark in Betrieb nehmen konnte und in ganz Hessen nur eine Windanlage neu errichtet wurde, gebe es Planungen für weitere Projekte. Bereits im Genehmigungsverfahren befänden sich zwei Windparks mit einer geplanten installierten Leistung von zusammen ca. 40 MW. Wo dieser liegt, wird in der Pressemitteilung nicht genannt. Laut Ovag-Vorstand Oswin Veith ist ein weiterer Zubau bei der Windkraft unabdingbar, um die Ausbauziele der Bundesregierung, 65 Prozent Ökostromanteil bis zum Jahr 2030, zu erreichen. Der Bau eines Windparks erfolge dabei immer in Kooperation mit den Anrainer-Gemeinden. »Dieser Zubau ist dabei heutzutage nicht ein reiner Zuwachs, sondern zum Teil auch ein sogenanntes Repowering, gerade im hohen Vogelsberg. Dort geht mit dem Zubau auch gleichzeitig ein Abbau von älteren Anlagen einher, die nach und nach an ihre technische Betriebsgrenze gelangen und aus der EEG-Förderung fallen.« Dabei würden in einer Standortregion viele kleine Anlagen durch wenigere, aber leistungsfähigere Anlagen ersetzt.

Vor dem Hintergrund des Atomausstieges bis 2022 und des Abschaltens der Kohlekraftwerke bis zum Jahr 2038 sowie unter Berücksichtigung der künftigen Elektrifizierung des Mobilitäts- und Wärmesektors sei mit zusätzlicher Stromnachfrage zu rechnen, sagt Veith. Ein Ausbau des Erneuerbaren-Energien-Portfolios der Ovag sei daher ökologisch wie ökonomisch notwendig. Veith: »Mögen derzeit unsere Sorgen und Probleme berechtigterweise der Corona-Krise und ihren Auswirkungen gelten, so sollten wir auch künftig nicht die Jahrhundertaufgabe aus den Augen verlieren: das Engagement gegen den menschengemachten Klimawandel.«

Die Grünen im Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe (ZOV), dem »Ovag-Parlament«, freuen sich über den Rekordabsatz an Erneuerbaren Energien, gießen aber Wasser in den Wein. Die bis 2020 angestrebten 50 Prozent beim Anteil von eigenerzeugtem Grünstrom seien nicht erreicht worden. Auch die Vorgaben aus dem Klimaprogramm (65 Prozent bis 2030) seien in Gefahr., sagte Grünen-Sprecher Dr. Udo Ornik auf Anfrage. Das liege zwar auch an der geänderten EEG-Förderung von Windkraft und Fotovoltaik. »Allerdings hat die Ovag selbst auch kein Konzept, sich gegen Mitbewerber auf ihrem eigenen Gebiet zu behaupten.« Ornik kritisiert die »passive Strategie« des Konzerns bei der Planung neuer Windparks in der Region, nur dort Anlagen zu errichten, wo keine Widerstände zu erwarten seien. Auch im Repowering-Markt würden Mitbewerber der Ovag Altanlagen »vor der Nase wegkaufen«. Insgesamt habe die Ovag noch nicht die richtige Strategie gefunden. So würden Themen wie die künftige Elektrifizierung des Mobilitäts- und Wärmesektors mit zusätzlicher Stromnachfrage, ein Ausbau des Erneuerbaren-Energien-Portfolios und der nötige Aufbau neuer Speicherkapazitäten zwar angesprochen, aber nicht angegangen. »Nachfragen der Grünen ergaben das in allen drei Feldern keine aktuellen Planungen existieren.« hed

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