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Wo Otto Waalkes und Charlie Körbel tafelten

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Friedberg (sch). Das seit über einem Jahr leer stehende Gasthaus »Zum alten Mühlrad« hat einen neuen Eigentümer. Das traditionsreiche Hotel und Restaurant wird am 30. August übergeben; der Kaufvertrag wurde vor einigen Tagen unterzeichnet. Der neue Besitzer, ein Bauunternehmer, will nach Auskunft der bisherigen Eigentümerin, Hedi Lißel, das Haus renovieren und restaurieren, um es dann zu verpachten. Neben dem Restaurant- soll auch der Hotelbetrieb wieder aufgenommen werden.

Friedberg (sch). Das seit über einem Jahr leer stehende Gasthaus »Zum alten Mühlrad« hat einen neuen Eigentümer. Das traditionsreiche Hotel und Restaurant wird am 30. August übergeben; der Kaufvertrag wurde vor einigen Tagen unterzeichnet. Der neue Besitzer, ein Bauunternehmer, will nach Auskunft der bisherigen Eigentümerin, Hedi Lißel, das Haus renovieren und restaurieren, um es dann zu verpachten. Neben dem Restaurant- soll auch der Hotelbetrieb wieder aufgenommen werden.

Das Gasthaus »Zum alten Mühlrad« gibt es bereits seit über 40 Jahren. Eröffnet wurde es mit Weinstube im Jahr 1964 von dem Ehepaar Margot und Gerhard Fähnrich, nachdem die beiden das Fachwerkhaus grundlegend saniert hatten. Von der ersten Stunde an mit dabei war Ulrich Lißel, der im Parkhotel Bad Nauheim Restaurant-Fachmann gelernt hatte. Er wollte ursprünglich nur übergangsweise dort bleiben, um dann bei der »Holland Amerika Schifffahrtsgesellschaft« zu arbeiten.

Doch es kam alles ganz anders. Kurz bevor er die Arbeitsverträge unterzeichnen wollte, lernte er seine spätere Frau Hedi kennen, die ebenfalls das Hotel- und Gaststättengewerbe gelernt hatte. Die beiden heirateten 1965, und Hedi Lißel wechselte zu den Fähnrichs, um den Restaurantbetrieb zu unterstützen. 1968 beschlossen die Fähnrichs, das Anwesen zu kaufen, und bauten die frei gewordene Wohnfläche im ersten Stock zu Hotelzimmern um. »Als sich das Ehepaar Fähnrich 1974 zurückzog, war für uns klar, dass wir den Betrieb übernehmen«, erzählt Hedi Lißel. Und: »Nachdem im vergangenen Jahr mein Mann überraschend verstarb, wollte und konnte sie den Betrieb nicht alleine weiterführen und habe mich entschieden, das ›Alte Mühlrad‹ zu verkaufen. Ob die schöne Holzvertäfelung und die liebevolle Einrichtung der Gaststube die Renovierungsarbeiten überleben, weiß ich leider nicht«, sagt Hedi Lißel schwermütig.

Doch im Allerheiligsten, dem Gästebuch des »Alten Mühlrads«, wird der Glanz der letzten Jahrzehnte noch lange fortbestehen. Wer dort einen Blick hineinwirft, findet darin hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, Film und Fernsehen, Adel, Literatur und Sport. So kann der Betrachter beispielsweise Einträge des ehemaligen Hessischen Ministerpräsidenten Holger Börner, von Scheich Abdulla Al Twaigrit, Luis Trenker, Grit Boettcher, Jürgen Drews, Otto Waalkes, Charly Körbel (Eintracht Frankfurt), Ulrike Meyfarth oder Stefan Heym entdecken.

Als am 15. Januar der neue Kirchenpräsident Volker Jung in der Stadtkirche in sein Amt eingeführt wurde, öffnete das »Alte Mühlrad« noch einmal seine Pforten. Hedi Lißel erzählt, dass da »noch einmal richtig Leben« im »Alten Mühlrad« war. Über 100 Leute und teilweise bis zu 50 Journalisten waren im ganzen Haus verteilt. »Ich fand es besonders spannend, die Bischöfe aus New York, Sri Lanka und Indien einmal aus der Nähe zu sehen, und Kardinal Karl Lehmann saß auf einmal sogar in dem bäuerlichen Himmelbett in der Mitte des Speiseraums.«

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