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»Ost-Klubs« ärgern sich über ihr Platzproblem

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Friedberg (mw). Als Friedbergs Bürgermeister Michael Keller am Fastnachtsdienstag frühmorgens den Sportteil der WZ durchblätterte, war er »etwas überrascht«. Die »Stadt lässt uns im Regen stehen«, hatte der Fußballclub Olympia (FCO) Fauerbach in Person seines Spielausschussvorsitzenden Stefan Schneider kundgetan.

Auch der FCO-Vorsitzende Michael Richly war vom Vorpreschen seines Vereinskollegen überrascht, teilt aber die inhaltliche Auffassung - die Keller wiederum wenige Stunden später auch beim Fastnachtsumzug in der Innenstadt zu sehen bekam. Denn auf einem Motivwagen der Olympianer war die provokante Frage beziehungsweise Erinnerung »Trainingsplatz versprochen?!« gestellt. Grund des FCO-Ärgers ist die Sportplatzsituation im Friedberger Stadtteil. Über die Bewertung der Sachlage sind sich alle Parteien einig, bei der Vorgehensweise gibt es jedoch Unterschiede.

Beim FCO Fauerbach sind alle Fußballjugenden besetzt, bis zu 60 Spieler tummeln sich in der Spitze zeitgleich auf dem Elachfeld - das nur über einen Naturrasenplatz verfügt. »Wir haben bereits einen Aufnahmestopp verankern müssen«, klagt Richly, der seit Jahren um einen weiteren Platz auf Fauerbacher Boden oder »in Erreichbarkeit des eigenen Vereinsheims« kämpft. »Wir werden jedoch von der Stadt hingehalten. Den versprochenen Trainingsplatz gibt es bis heute nicht, auf Vorschläge, wo ein Feld installiert werden könnte, hat die Stadt noch nicht reagiert«, sagt Richly. Zwar habe man zusätzliche Hallen- und Sportplatzbelegungszeiten in Friedberger Schulen beziehungsweise auf dem Ossenheimer Hartplatz bekommen, »doch das ist alles nicht die optimale Lösung für uns und unsere Vereinsmitglieder«.

Dem stimmt Keller uneingeschränkt zu. »Der Osten der Stadt hat generell ein Platzproblem«, sagt der Rathauschef mit Sicht auf die Anlagen in Dorheim, Ossenheim und Fauerbach. Friedberg mache sehr viel im Vergleich zu anderen Städten für die Fußballvereine, betont Keller. »Aber es tun sich eben einige Probleme auf, die eine Verbesserung der Situation in Fauerbach bisher verhindert haben oder generell unmöglich machen«.

Keine Erweiterung am Elachfeld möglich

Erstes Problem: Auf dem Gelände am Elachfeld sind keine Erweiterungen möglich, ein Abwasserkanal auf dem Gelände und das angrenzende Wohngebiet verhindern dies. Zweitens: Während Michael Richly auf einer der Ackerflächen östlich der Usa in der Nähe der Reitanlage Loth einen Trainingsplatz für möglich hält, erteilt Keller dieser Idee eine klare Absage. »Wir haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt«, sagt er im Hinblick auf das Sportgelände in Ossenheim, das im Hochwasserschutzgebiet errichtet worden ist. »Das Einverständnis des Eigentümers nützt alleine nichts.

Entscheidend ist, ob dort die öffentlich-rechtlichen Vorschriften im Hinblick auf Hochwasser, Lärmschutz und Erschließung zu gewährleisten sind, und das ist mehr als fraglich«, meint Keller, der sich diesbezüglich mit seinem Bauamt bereits eindringlich unterhalten hat.

Drittens - der versprochene Trainingsplatz: Kellers Vorstellung war einst, den Bolzplatz in der ehemaligen amerikanischen Wohnsiedlung in städtische Obhut zu bringen. Doch den Vertrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA), der das Gelände gehört, habe man nicht unterschreiben können. »Wir, die Stadt, hätten für alle Schäden haften müssen, die im Zusammenhang mit dem Fußballbetrieb entstanden wären. Das konnten wir nicht annehmen«, bedauert der Rathauschef. Die finanziellen Mittel für die Pflege des Platzes waren bereits im städtischen Haushalt fixiert worden.

Auf der Suche nach adäquatem Gelände

Vordringlichste Aufgabe der Stadt sei es nun, überhaupt eine Platzidee zu bekommen. »Wir sind immer noch auf der Suche nach einem adäquatem Gelände. Aber so einfach ist das nicht«, sagt Keller. Die finanzielle Problematik in Zeiten klammer Kassen sei dann erst das sekundäre Problem. Vor Ort habe man schon Gespräche mit dem FCO geführt und sei dazu auch jederzeit wieder bereit, »aber einen großen Platz können wir nicht zusagen«.

Keller wertet es dagegen als Erfolg, dass man wenigstens den Hartplatz in Ossenheim grund- und nicht nur oberflächlich saniert habe. Dies sei heutzutage nicht selbstverständlich. Die Freude hatten seinerzeit nicht alle Vereine geteilt. Vertreter von Mitbenutzer Türk Gücü Friedberg waren demonstrativ der offiziellen Wiedereröffnung ferngeblieben - eine Hartplatzsanierung halte man nicht mehr für zeitgemäß, hieß es aus den Reihen der Türken. Keller verweist jedoch auf die rund fünfmal so teure Investition für einen Kunstrasenplatz. In Ossenheim trainieren auf zwei Plätzen im Winter bis zu drei Vereine, denn auch der FCO Fauerbach weicht dorthin gelegentlich aus.

Burgfeld-Platz stößt auf wenig Gegenliebe

Für künstliches Geläuf hatte sich der Rathauschef auch auf dem kleinen Rasenplatz auf dem Burgfeld ausgesprochen, die politische Entscheidung fiel jedoch zugunsten eines Naturrasens aus, der für 475 000 Euro DIN-Norm-gerecht gemacht wird. Ein beträchtlicher Teil des Geldes kommt aus einem der Konjunkturpakete der Bundesregierung. Die Entscheidung pro Burgfeld stößt bei den Vertretern der östlichen Stadtteilvereine Türk Gücü Friedberg, FCO Fauerbach und FSV Dorheim - die allesamt um die Verbesserungen an ihrem Spielort kämpfen (nur der SV Ossenheim ist nach Angaben des Zweiten Vorsitzenden Winfried Jud »zufrieden«) - auf wenig Gegenliebe.

Warum man das Geld nicht für Investitionen an besagten Orten verwendet habe, klagen Richly, Metin Silik von Türk Gücü Friedberg und Dirk Hergesell, Vorsitzender des nur über einen Naturrasenplatz verfügenden FSV Dorheim (»Die Situation bei uns ist sehr unbefriedigend«) -, anstatt weiterhin das für die Vereine zu weit entfernte und nach ihrer Meinung auch ausreichend ausgestattete Burgfeld zu stärken.

Keller fordert hier mehr Flexibilität von den Vereinen. »Sie müssen auch in der Lage sein, mit den von uns angebotenen Zeiten auf anderen Trainingsflächen der Stadt zufrieden zu sein«. Langfristig suche man freilich nach einer Lösung für die »Ost-Klubs« - in Sicht ist jedoch (noch) keine.

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