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Am Röhrenbrunnen in Ossenheim hat die Stadt eine Bank aufgestellt. Wird die genutzt? "Haben Sie nicht die Schuhabdrücke auf den Sitzflächen gesehen?", fragt Haas mit kriminalistischem Gespür. Jugendliche sitzen oft auf der Rückenlehne, die Bank wird genutzt.

Neuer Ortsvorsteher

In Ossenheim gibt’s mehr als nur eine "Baustelle"

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Ortsvorsteher haben jede Menge zu tun. Das merkt auch PeterHaas (SPD) in Ossenheim. Ein Thema, das kaum noch diskutiert wird, ist die Umgehungsstraße. Kommt sie oder kommt sie nicht?

Im Februar 2016 wurde die Kita "Bunte 11" eingeweiht, der Bedarf in Ossenheim steigt. Mittlerweile wurde eine vierte Gruppe eingerichtet, eine fünfte könnte als Waldkindergarten angeschlossen werden. Der Ortsbeirat schlug den Kauf eines Bauwagens vor, der auf der Wiese vor dem Wäldchen stehen könnte. Doch es geht nicht voran, sagt Haas. Am Waldrand Richtung Assenheim wurden Zecken festgestellt. Ein ganzes Stück weit weg von der Wiese und vom Wäldchen, sagt Haas. Die Stadt wartet auf ein Okay des Kreisgesundheitsamtes. Die 20 zusätzlichen Kita-Plätze würden dringend benötigt.

Die Kita lässt Haas auch aus einem anderen Grund nicht los: Dach und Fassade wurden nicht fertiggestellt, die Holzverkleidung fehlt. Die Stadt habe zwar den Rechtsstreit mit dem Architekten gewonnen. Der aber könnte vor die nächste Instanz ziehen. "Selbst wenn die Stadt verlieren würde: Dach und Fassade müssen ohnehin fertiggestellt werden", sagt Haas und kann den Stillstand nicht verstehen. "Hoffentlich leidet die Bausubstanz nicht unter der Verzögerung."

Es gibt noch mehr "Baustellen" in Ossenheim. Zum Beispiel die Toiletten im Bürgerhaus. 2020 werden sie wohl saniert. Der Keller ist feucht, kann nicht als Lager genutzt werden. Haas wünscht sich auch einen Bühnenanbau. Wird im Fasching oder für andere Veranstaltungen eine Bühne aufgebaut, können die Gymnastikabteilung des SV Ossenheim, die Feuerwehr oder die Fußballer dort keinen Sport treiben.

Die Vereine seien für einen Ort wie Ossenheim enorm wichtig, sagt Haas. Er selbst ist Mitglied in fünf der sieben Ortsvereine. Beispielhaft nennt er den Betreuungsverein "Die Strolche": "Ohne die privat organisierte Schülerbetreuung gäbe es unsere Grundschule nicht mehr." Und die Kita wäre auch nicht gebaut worden.

Warten auf ein Blitzgerät

Vor zwei Jahren habe der Ortsbeirat die Aufstellung eines Geschwindigkeitsmessgeräts an der Ortsdurchfahrt beantragt. Auf einen stationären Blitzer warte man auch, sagt Haas. Derzeit gibt es in Ossenheim (so wie in Dorheim) nur die "Energiesparversion" eines Blitzers: Die "Starenkästen" sind leer, bringen aber doch den ein oder anderen Autofahrer dazu, auf die Bremse zu treten. Auch auf eine Ampel oder eine Überquerungshilfe am Bürgerhaus warte man seit langem.

Drei Fahnenmasten vor dem Bürgerhaus, die von üppigem Grün befreit werden müssten oder der Christbaum, der im Winter den Gehweg zu den Behindertenparkplätzen versperrt - das sind kleinere Probleme, die den Ortsbeirat beschäftigen. Über ein richtig großes Problem hingegen wird kaum noch gesprochen: die Ortsumgehung.

Ortsumgehung: Für und Wider

"Ein schwieriges Thema", sagt Haas. Im Bundesverkehrswegeplan steht die Straße im "vordringlichen Bedarf". Aber gibt es diesen Bedarf noch? Würde die Straße gebaut, wäre dies "ein sehr großer Eingriff in die Natur", sagt Haas und verweist auf den B 3-Zubringer zwischen Friedberg und Wöllstadt. Ein großdimensioniertes Bauwerk, an dem die Ortsumgehung Ossenheim angeschlossen würde. Etliche Hektar Acker müssten versiegelt werden. Ist das notwendig? Die Verkehrszählungen aus den 1980er-Jahren lieferten keine belastbaren Zahlen mehr, sagt Haas. Das Verkehrsaufkommen sei zurückgegangen, der Verkehr aus dem Osten Richtung Frankfurt habe sich auf andere Strecken verlagert. In den 1990er-Jahren habe er mit dem Auto in der Ortsdurchfahrt oft im Stau gestanden. Fahre er jetzt morgens nach Friedberg, "komme ich ohne Halt durch bis an die Ampel vor Fauerbach."

Auch der Trassenverlauf der Ortsumgehung ist nicht geklärt. Eine Trasse, die das Wäldchen vom Dorf trennt, hat der Magistrat 2014 abgelehnt. Eine andere offizielle Streckenplanung ist Haas nicht bekannt. Dass die Bewohner der Ortsdurchfahrt unter dem Verkehr stöhnen, dafür hat er Verständnis. Ortsumgehung ja oder nein: Was würde ein Meinungsbild in Ossenheim ergeben? "Es gibt Befürworter für beide Seiten." Wenn "Nein", dann müsse die Ortsumgehung weiter verkehrsberuhigt werden, "mit Geschwindigkeitskontrollen und stationärem Blitzer". Die "Energiesparvariante" unter den Starenkästen reicht dafür nicht aus.

Wunsch: Bezahlbarer Wohnraum

Das Amt des Ortsvorstehers mache ihm Spaß, sagt Peter Haas (SPD). Der gebürtige Ossenheimer lebt hier mit Frau und zwei Töchtern "in einer herrlichen Natur". Beruflich hat er viel mit Jugendlichen zu tun. Der 44-jährige Kriminaloberkommissar ist bei der Kripo Friedberg Teil des "AGGAS" (AG gegen Gewalt an Schulen). "Körperverletzung, Mobbing, Diebstahl und einmal quer durchs Betäubungsmittelgesetz" beschreibt er seine Arbeitsschwerpunkte. Das Verhältnis zu den Schülern sei aber gut. Zur Kommunalpolitik kam Haas durch sein Engagement in der BI für eine Kita. Im August 2018 wurde er als Nachfolger von Erich Wagner (SPD) zum Ortsvorsteher gewählt, im Dezember zog er als Nachrücker in die Stadtverordnetenversammlung ein. Dem Ortsbeirat gehören vier Vertreter der SPD, vier der CDU und je ein Vertreter von FDP und Grünen an. Haas wünscht sich für seinen Heimatort, dass die Stadt in einem der Neubaugebiete günstigen Wohnraum in Mehrfamilienhäusern schafft. Viele junge Leute wollten zu Hause ausziehen, fänden aber keine bezahlbare Wohnung.

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