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Im Rosengarten in Bad Vilbel entsteht ein weiteres Hochregallager der Hassia. Die Baufirma Alea hat hier das Rohrleitungssystem verlegt, sie hatte dafür aber bereits im Dezember das Material geordert und zwischengelagert.

Optimismus sieht anders aus

  • Holger Pegelow
    VonHolger Pegelow
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Wetteraukreis (pe). Im Bad Vilbeler Gewerbegebiet »Rosengarten« entsteht derzeit ein großes Hochregallager des Mineralbrunnenbetriebs Hassia. Gebaut wird es von der ALEA Hoch- und Tiefbau, das in direkter Nachbarschaft ihren Firmensitz hat. »Im Dezember haben wir für dieses Projekt bereits die Kanalrohre bestellt und sie vor Ort eingelagert. Dadurch können wir jetzt bauen«, sagt Thomas M.

Reimann, Vorstandsvorsitzender des Familienunternehmens.

Hätte er diese Bestellung nicht frühzeitig aufgegeben, hätte das Großprojekt womöglich erst mit mehrmonatiger Verzögerung starten können. Denn der Baubranche machen »drastische Lieferengpässe bei Baumaterialien« mächtig zu schaffen. »Die Lieferkette stockt bei Holz, Dämmstoffen, Stahl, PVC-Rohren, Farben, Lacken und einigem mehr«, sagt Reimann. Das führe zu Ungemach auf vielen Baustellen. »Obwohl die Auftragsbücher gut gefüllt sind, droht Kurzarbeit«, sagt der ALEA-Vorstand. Damit würde die an sich gute Baukonjunktur abgewürgt.

Das werde sich auf die regelmäßig von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Gießen-Friedberg durchgeführten Konjunkturumfragen deutlich auswirken. Doch auch so sind die Werte nicht gerade berauschend: Der sogenannte Konjunkturklima-Index, den die IHK regelmäßig erhebt, beträgt nur noch 94,5 Punkte. »Das ist der zweitschlechteste Wert seit 2010«, konstatiert Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Leder. Man hat mit dem Wert 100 eine sogenannte Zufriedenheitsschwelle definiert. Der Durchschnittswert liegt also darunter. Und das kommt vor allem durch den Vogelsbergkreis, der bei der Umfrage nur auf 81,3 Punkte gekommen ist, der Wetteraukreis liegt bei 93,9.

Den besten Klimaindex ermittelte die IHK-Umfrage für den Landkreis Gießen mit 102,1. Dort sei »deutlich mehr Optimismus erkennbar als in den anderen beiden IHK-Bezirken«, so Leder. Das hat wohl in erster Linie mit der Exportorientierung der Industriebetriebe vor Ort zu tun.

Aber dort, wo in erster Linie der Einzelhandel dominiert, sind die Aussichten eher düster. Im Vogelsbergkreis ermittelte die IHK einen Klimaindex von nur 66,1 gegenüber 80,7 zu Jahresanfang. Als Gründe dafür werden die schlechte Stimmung im Einzelhandel mit Bekleidung sowie im Einzelhandel mit Haushaltsgeräten genannt. Im Wetteraukreis sei das Ergebnis etwas verbessert mit 84,6 zu 80,8, getragen in erster Linie von einer optimistischen Einschätzung im Großhandel. Ganz anders dagegen das Gastgewerbe: Die IHK hat hier erfahren, dass vier von zehn Betrieben von sinkenden Beschäftigungszahlen ausgehen. Die Daten zur Beschäftigungslage zeigen auch nach unten bei der Industrie: Aufgrund der Materialengpässe rechnen die Unternehmen mit Kurzarbeit.

Schmerzhafte Umsatzausfälle

Auch sonst herrscht nicht gerade großer Optimismus. Der Hauptgeschäftsführer hat einige Beispiele genannt. Die Kunden der Reinigungsunternehmen sind im Büro- und Außendienst sowie in Hotellerie und Gastronomie tätig. Die von der Politik erzwungene Schließung der Wirtschaft führe zu schmerzhaften Umsatzausfällen. Auch das Homeoffice beeinflusse die Auftragslage vieler Unternehmen. »Durch große Ausfälle im Außendienst und vermehrten Homeoffice-Tätigkeiten sind hier ganze Geschäftsfelder weggebrochen«, sagt Leder bei der Präsentation der Umfrageergebnisse in den Räumen der ALEA in Bad Vilbel. »Drucker brauchen weniger Wartung, in die Büroausstattung wird weniger investiert, oder Schulen und Kindergärten haben kaum Neuanschaffungen.«

Die Daten basieren auf einem Rücklauf von 35 Prozent der von der IHK befragten 938 Betriebe, wie IHK-Präsident Rainer Schwarz ausführte. Jeweils rund ein Drittel der Befragten sei mit der Geschäftslage zufrieden bzw. unzufrieden gewesen. Die Gegenwart werde »gerade noch positiv beurteilt«, die nahe Zukunft sehe man aber skeptisch.

»Unternehmerinnen und Unternehmer haben enorme Tiefschläge erlebt«, sagt Schwarz. Investitionen würden zurückgeschraubt, Beschäftigte abgebaut und die Rahmenbedingungen kritisiert. Vor allem die Politik wird von den Verantwortlichen der IHK kritisiert. Es bleibe nach wie vor unverständlich, warum sich die Politik nicht zu einer vernünftigen Regelung des Verlustrücktrags habe durchringen können, so Schwarz weiter. Es wäre so einfach: »Wer in der Vergangenheit Steuern an den Staat gezahlt hat, darf in Verlustzeiten die Steuerzahlungen gegen die Verluste verrechnen.« Damit würde sofort beleihbares Eigenkapital in die Betriebe fließen. Das wiederum wäre für Banken das Signal, Überbrückungskredite an die betroffenen Unternehmen zu geben.«

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