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Der Bauherr und sein Energieberater: Michael Häuser (r.) investiert eine Menge Geld in die Sanierung eines Zweifamilienhauses, Johannes Hoffmann hat ihm Wege aufgezeigt, an fünfstellige Fördermittel des Staates zu kommen.

Klimaschutz

Öko-Sanierung von Wohnhäusern: Zuschüsse als Anreiz

  • Bernd Klühs
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Mit vielen Zuschuss-Programmen will der Staat den CO2-Ausstoß in Wohnhäusern verringern. Doch welche Rolle spielen solche Investitionsanreize bei der Planung von privaten Sanierungsprojekten?

Energieberater Johannes Hoffmann aus Friedberg könnte rund um die Uhr arbeiten. Der Bauboom flaut auch in Corona-Zeiten nicht ab. Vor allem bei Sanierungsprojekten ist der 64-Jährige gefordert, denn dann stellt sich die Frage, wie viel Geld der Bauherr in Energieeffizienz investieren möchte. Ohne Berater einen Weg durch den Dschungel der Förderprogramme von KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) zu finden, ist für Laien kaum möglich.

»Programme und Zuständigkeiten ändern sich oft, selbst für Energieberater ist das kaum zu durchschauen«, plädiert Hoffmann für eine Vereinfachung. Er sieht zwei Anreize des Staates. Zuschüsse seien der positive Anreiz, weil es die Finanzierung einer Sanierung erleichtere. Negativer Anreiz sei die CO2-Steuer. »Hausbesitzer merken das beim Stromverbrauch oder wenn sie mit Gas oder Öl heizen. Diese Steuer wird bis 2025 kontinuierlich erhöht.«

Niedrige Zinsen als »Initialzündung«

Diese Lenkungsversuche lösten aber letztlich keine Investition aus. »Initialzündung sind die niedrigen Zinsen. Zudem werden viele Immobilien vererbt. Die Erben wollen alles auf dem neusten Stand und umweltfreundlich«, weiß Hoffmann, der seit 13 Jahren ein Büro in Friedberg hat. Die Förderung lenke eine Sanierung in die ökologische Richtung.

Der Klimaschutz sei in den Köpfen verankert. Wenn die Rundum-Sanierung eines Hauses aus den 60er oder 70er Jahren anstehe, spiele Energieeffizienz eine wichtige Rolle. Mit Zuschüssen könnten nicht zuletzt höhere Anschaffungspreise ausgeglichen werden. Der 64-Jährige nennt das Beispiel Wärme. »Eine Pellet-Heizung kostet etwa doppelt so viel wie eine vergleichbare Öl-Heizung. Diese Differenz wird durch die Unterstützung des Staates wettgemacht.« Das Problem der CO2-Belastung, die von fossilen Brennstoffen ausgehe, sei den meisten Bürgern bewusst. »Öl wollen viele nicht mehr«, sagt Hoffmann.

Wer sein Gebäude dämme, neue Fenster und Heizanlage einbaue, spare zwar einiges an Energiekosten, letztlich rechne sich die Investition aber vor allem für die Umwelt. Es sei schön, wenn Hausbesitzer »aus Spaß« nur in Energieeffizienz investierten, wirtschaftlich gehe das aber schief. Fragwürdig sei es vor allem, wenn Energieberater ältere Leute zur Sanierung drängten.

Staat fördert mit fünfstelliger Summe

Am Bauvorhaben von Michael Häuser in Beienheim lässt sich gut zeigen, welche Bedeutung der Förderung zukommt. Er hat ein seit Jahren leerstehendes Gebäude erworben und setzt es seit Mai 2020 aufwendig instand. Zwei Mietwohnungen entstehen. Insgesamt investiert er 320 000 Euro. Weil ein KfW-Effizienzhaus 85 entsteht, bekommt er einen Kredit samt 30-prozentigem Tilgungszuschuss. Das heißt: Er erhält 100 000 Euro (Zinssatz: 0,75 Prozent), muss aber nur 70 000 Euro zurückzahlen. Zusätzlich wird die Anschaffung der Pellet-Heizung mit 45 Prozent bezuschusst.

Dem Bauherrn wird also eine Menge Geld bereitgestellt. »Die Zuschüsse haben für meine Investitionsentscheidung keine Rolle gespielt«, sagt Häuser trotzdem. Er hat schon mal ein Wohnhaus umfassend renoviert - ganz ohne KfW- oder BAFA-Förderung. Im aktuellen Fall hat er sich im Internet informiert und Johannes Hoffmann als Energieberater verpflichtet. Der lotete die in Frage kommenden Varianten aus und empfahl das Effizienzhaus 85. »Problematisch ist die Außenhülle, die ausreichend gedämmt werden muss, um die Kriterien zu erfüllen«, erklärt Hoffmann. Diese Arbeiten sind gerade im Gange. Eingebaut sind Pellet-Heizung und dreifach verglaste Fenster. Zudem wurden Keller- und oberste Geschossdecke gedämmt.

Michael Häuser ist froh, einen Fachmann an seiner Seite zu haben. Allerdings müsse der Berater manchmal gebremst werden, wenn er in Sachen Energiesparen auf jedes Detail achte. »Das geht irgendwann richtig ins Geld«, sagt der Bauherr. Das Haus komplett zu sanieren war eine schlichte Notwendigkeit - Klimaschutz hin oder her. Das Gebäude war auf dem Stand der 60er Jahre, konnte so nicht vermietet werden. Gleichwohl ist der Bauherr zufrieden, mithilfe der Förderung auch etwas für die Umwelt zu tun. »Mit dieser Sanierung verkleinere ich meinen ökologischen Fußabdruck.«

Einzelförderung oder Effizienzhaus

Seit einigen Jahren stellt der Staat sehr viel Geld für die Energieeffizienz-Sanierung alter Wohngebäude bereit. Nach Ansicht des Friedberger Energieberaters Johannes Hoffmann kamen diese Programme allerdings zu spät. »Das wurde lange verpennt, die Politik hat nicht genügend Gas gegeben. Es muss noch ein Riesenberg abgetragen werden«, sagt der 64-Jährige. Zudem werde das Fördersystem häufig verändert, was sanierungswillige Eigentümer verunsichere. Zuschüsse gibt es von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Seit diesem Jahr gibt es noch einen dritten Förderweg: Bauherren dürfen ihre Investitionen in den Klimaschutz von der Steuer absetzen.

Bauherren können Fördermittel für Einzelmaßnahmen (unter anderem Fenster, Heizung, Dämmung) beantragen oder ein Gesamtpaket schnüren, um aus dem Altbau ein Effizienzhaus zu machen. Dann erhalten sie entweder einen Kredit mit Tilgungszuschuss oder verzichten auf den Kredit und lassen sich den Zuschuss auszahlen. Bei der Effizienzhaus-Sanierung gibt es verschiedene Klassen - von 55 bis 115. Je kleiner die Zahl desto geringer der Energieverbrauch. Wer ein Effizienzhaus 55 realisiert, erhält die höchste Förderung. Der Einbau einer Öko-Heizung kann zusätzlich bezuschusst werden. Deutlich verringert wurde die staatliche Unterstützung für Photovoltaik-Anlagen. In selbst genutzten Häusern rechnet sich diese Investition trotzdem recht gut, weil der Eigentümer den produzierten Strom selbst verbrauchen kann.

Zu beachten ist: Wer auf Fördermittel setzt, muss sie vor Baubeginn beantragen und die gesamte Investition vorfinanzieren. Die Antragsbearbeitung geht zurzeit bei der KfW deutlich schneller als bei der BAFA.

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