»Öffnungsperspektive jetzt«

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Wetteraukreis (pm). »Die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie müssen auf einer wissenschaftlich soliden Basis stehen und verhältnismäßig sein. Die Statistik des Robert-Koch-Instituts (RKI) bildet das Corona-Infektionsgeschehen allerdings unzulänglich ab«, kritisiert die IHK Gießen-Friedberg.

In ihrer Resolution »Verantwortungsvoll mit dem Coronavirus leben - eine Öffnungsperspektive jetzt!« fordern die Vollversammlungsmitglieder, dass es Lockdowns als Folge von überlasteten Intensivstationen in Zukunft nicht mehr geben dürfe. Die Pandemie habe aufgezeigt, dass vor allem die Intensivstationen »Engpassfaktoren von nationaler Tragweite« darstellten.

Kritisch beschäftigte sich als Gast der Vollversammlung Professor Gert Antes vom Freiburger Cochrane Institut mit den Zahlen des Robert-Koch-Institutes. »Die Zahlen des RKI sind nicht aussagekräftig genug, um das Infektionsgeschehen in Deutschland abzubilden«, erklärte der Mathematiker und Medizin-Statistiker in seinem Vortrag. Es seien lediglich Melderaten von Tests, die das Robert-Koch-Institut vorlege. Eine statistische Inzidenz ließe sich daraus nicht ableiten, also auch keine Begründung von Lockdown-Maßnahmen. Die IHK-Vollversammlungsmitglieder fordern eine wissenschaftlich solide Statistik und rufen die Politik dazu auf, Unternehmen besonders negativ betroffener Branchen - wie zum Beispiel im Veranstaltungsbereich, im Einzelhandel, in der Reisebranche sowie der Hotellerie und Gastronomie, die »insgesamt Milliardenbeträge in innovative Hygienekonzepte investiert haben« - eine »faire Öffnungsperspektive« zu bieten. »Wir verstehen uns als Teil der Problemlösung und wollen unseren Beitrag leisten, dass verantwortungsvolle Öffnungsperspektiven umgesetzt werden können«, erklärte Hauptgeschäftsführer Matthias Leder. Die Resolution wurde auf der Vollversammlung einstimmig verabschiedet.

Lieferservice nicht kostendeckend

Trotz Lieferservice seien die Einnahmen von Restaurants während der Lockdowns bei weitem nicht kostendeckend, bemängelte IHK-Vizepräsident Rainer Dietz aus Lauterbach. Die ersten Gastronomiebetriebe hätten nach sechs Monaten Schließung bereits Insolvenz anmelden müssen, zumal die Fördermittel der Einkommenssteuer unterliegen würden. Dabei hätten die Gastronomen Millionen an Euros in Luftfilter und Abtrennungen investiert, um ihre Gaststätten am Laufen halten zu können.

Natürlich nehme man als IHK eine Gesamtschau über alle Betriebe vor, ergänzte Präsident Schwarz. »Aber wir müssen in besonderer Weise den Finger für die vom Lockdown betroffenen Unternehmen heben.« Unternehmen könnten nur bestehen, wenn am Ende die Verluste aus der Corona-Krise gestemmt werden könnten. Die Hilfsprogramme seien bedauerlicherweise in wesentlichen Teilen zu kurz gegriffen und die Überbrückungshilfe 1 an Kriterien gekoppelt, die man kaum erfüllen könne.

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