Als die Fußgängerampel in der Ockstädter Straße neulich mehrfach ausfiel, bangten Eltern um die Sicherheit ihrer Kinder. Sie fordern Tempo 30. Das hatte der Kreis im vergangenen Jahr abgelehnt. FOTO: NICI MERZ
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Als die Fußgängerampel in der Ockstädter Straße neulich mehrfach ausfiel, bangten Eltern um die Sicherheit ihrer Kinder. Sie fordern Tempo 30. Das hatte der Kreis im vergangenen Jahr abgelehnt. FOTO: NICI MERZ

Streit um Tempo 30

Ockstädter Straße: Blitzgerät soll Raser ausbremsen

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Neulich fiel die Fußgängerampel in Höhe der Friedberger Stadthalle aus. Für die Schüler, die dort die Straße queren, eine gefährliche Situation. Eltern fordern Tempo 30. Das ist aber nicht möglich.

Mehrere Tage lang verweigerte die Fußgängerampel in der Ockstädter Straße in Friedberg ihren Dienst. Schülerinnen und Schüler der Henry-Benrath- und der Philipp-Dieffenbach-Schule überqueren hier die Straße, morgens im Berufsverkehr ist das ohne Ampel gefährlich. Eine Mutter wandte sich an die WZ, wollte wissen, warum hier keine Tempo-30-Zone eingerichtet ist; das forderten viele Eltern.

"Der Unmut der Mutter ist nachvollziehbar", schreibt Michael Elsaß, Pressesprecher des Wetteraukreises, in einer Stellungnahme. "Durch den Ausfall der Ampel war eine sichere Querung der Straße nicht möglich." Diese Ausnahmesituation rechtfertige aber kein generelles Tempo 30.

Rückblick: Im Sommer 2018 ließ Erste Stadträtin Marion Götz (SPD) an mehreren Straßen Tempo-30-Schilder aufstellen. Laut der verkehrsbehörde des Wetteraukreises war das rechtswidrig. Die Schilder wurden durch "Freiwillig-Tempo-30-Schilder" ersetzt.

Seither gilt nur vor dem Bürgerhospital tagsüber Tempo 30. Die Kita Winterstein, inzwischen geschlossen, verfügte über keinen Ausgang zur Ockstädter Straße, fiel als Begründung für Tempo 30 weg. Das gleiche gilt für die Klinik für Psychotherapie. Auch die Schulen liegen nicht direkt an der Ockstädter Straße, sondern rund 175 Meter entfernt in der Straße "Am Seebach".

Polizei und Kreis ließen morgens die Fußgänger zählen. "Während beider Zählungen waren keine Gefahrensituationen oder ›Pulk-Bildungen‹ zu erkennen. Außerhalb der Fußgängerfurten wurden keine Fußgängerquerungen festgestellt." Dass eine Straße als Schulweg ausgewiesen sei, genüge nicht, um ein Tempolimit anzuordnen. Die Polizei bezeichnet die Verkehrsunfalllage auf dieser Strecke als "unauffällig".

Fußgängerweg bis zur Ampel

Anwohner wissen: Gefährlich ist die Überquerung der Ockstädter Straße in Höhe der Wintersteinstraße, wenige Meter hinter der Ortseinfahrt. Autos mit überhöhter Geschwindigkeit sind hier fast die Regel. Der Kreis schreibt, die 210 Meter entfernte Fußgängerampel vor den Schulen sei von der Wintersteinstraße aus direkt und ohne Überquerung erreichbar - über einen Gehweg direkt neben der Fahrbahn. Treiben dort die Büsche aus, ist der Weg sehr eng. Die meisten Fußgänger wechseln auf die andere Straßenseite, wo ein Pflanzstreifen Gehweg und Straße trennt.

Sollte hier zu schnell gefahren werden, sei es Sache der Stadt, den Verkehr zu überwachen, sagt Elsaß. Das sei korrekt, sagt Erste Stadträtin Götz. "Die Stadt ist für die Geschwindigkeitsüberwachung zuständig und nimmt diese auch wahr." Das mobile Blitzgerät werde dort "in unregelmäßigen Abständen über das gesamte Jahr verteilt" aufgestellt, sagt Götz. Allerdings gebe es rund 50 Messpunkte in der Stadt. Der mobile Blitzer können nicht ständig in der Ockstädter Straße eingesetzt werden.

Um wie in der Homburger Straße ein stationäres Blitzgerät zu installieren, wäre ein langwieriges Verfahren notwendig. Die Stadt müsste eine Genehmigung der Polizeiakademie einholen. Vor der Kita Kaiserstraße und in der Ortseinfahrt Bruchenbrücken hat das nicht geklappt. Dort lehnte die Polizeiakademie ein stationäres Gerät "aus Gründen der Verhältnismäßigkeit" ab.

Ein stationäres Blitzgerät würde die Stadt viel Geld kosten; die Wirkung ist auf einen kurzen Abschnitt begrenzt. Götz: "Demgegenüber wirkt die Aufstellung der Tempo-30-Schildern nachhaltig auf der gesamten Strecke und kostet die Steuerzahler einen geringen Euro-Betrag."

Dennoch hat die Stadt, nachdem sie die Tempo-30-Schilder im vergangenen Jahr abbauen musste, ein Antragsverfahren für eine Standortprüfung stationärer Blitzgeräte gestartet. Zu den möglichen Standorten zählt auch die Ockstädter Straße. Götz: "Die Geschwindigkeitsmessungen und Verkehrszählungen sind abgeschlossen. Anfang Dezember liegen uns die ausgewerteten Daten vor, bis Weihnachten erfolgt die Antragstellung an die Polizeiakademie. Dann heißt es: Abwarten." Für den Haushalt 2021 hat die Erste Stadträtin vorsorglich 176 000 Euro angemeldet, um im nächsten Jahr einen Enforcement-Trailor (eine mobile Anlage zur Verkehrsüberwachung) und/oder ein stationäres Messgerät anzuschaffen.

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