Eine spannende Kirschensaison erwarten (v. l.) Florian Hess, Steffen Rehde, Walter Kipp, Werner Kipp und Werner Margraf.
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Eine spannende Kirschensaison erwarten (v. l.) Florian Hess, Steffen Rehde, Walter Kipp, Werner Kipp und Werner Margraf.

Kirschenernte

Ockstädter Kirschen: Hürden auf dem Weg zur Ernte

  • vonHarald Schuchardt
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Vor zwei Wochen hat mit den ersten Frühsorten in Ockstadt die Kirschenernte begonnen. In diesem Jahr wirkt sich auch Corona auf den Anbau aus.

Der Behang an diesem Baum ist sehr ordentlich«, freut sich Werner Kipp, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Ockstadt, und zeigt beim WZ-Gespräch mit ihm und weiteren Vorstandsmitgliedern auf viele oft schon tiefrote Kirschen. »Und sie schmecken auch schon sehr lecker«, ergänzt Walter Kipp.

Allerdings ist dies nur eine Momentaufnahme. »Wir haben hier alles zu bieten: von gar nichts bis fast zu volle Bäume« beschreibt Steffen Rehde die großen Unterschiede, die es auch in diesem Jahr bei der Ernte geben wird.

Ockstädter Kirschen: Kirschfruchtfliege bereitet Sorgen

Ein Grund sind die ausgetrockneten Böden, doch auch hier sind die Unterschiede groß. »An manchen Stellen sind die Auswirkungen der Trockenheit deutlich sichtbar, an anderen nicht«, stellt Florian Hess fest. Auch der jüngste Regen hat daran nichts geändert. »Ich habe in den letzten Tagen 15 Liter gemessen. Hört sich viel an, ist aber gar nichts bei dem jetzigen Grundwasserspiegel,« sagt Werner Margraf, »Gräbt man in den Boden, dann ist dieser oft schon nach zehn Zentimetern total trocken.« Und Christine Dönges ergänzt: »Ohne zusätzliche Bewässerung geht nichts.«

Die Frostschäden halten sich hingegen bei den Frühsorten in Grenzen. Kipp: »20 bis 30 Prozent Ausfall verkraften wir genauso wie die durch den Regen aufgeplatzten Kirschen. Wichtiger ist, dass die Bäume gesund bleiben.«

Im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahren macht den Obstanbauern das überraschend starke Auftreten der Kirschfruchtfliege mehr zu schaffen. Der Pflanzenschutz-Warndienst Obstbau Hessen bezeichnete Ockstadt als »Hotspot«, was diesen Schädling betrifft. »Da steckt niemand drin, der Schädling kommt mal mehr oder weniger«, sagt Werner Margraf. Nicht ganz so schlimm ist es bisher bei der Population der Kirschessig fliege. »Sie ist da. Wir müssen abwarten«, sagt Werner Kipp.

Ockstädter Kirschen: Netz für fast 6000 Euro

Auch viele Singvögel lieben Kirschen und picken in die roten Früchte. Einige Obstanbauer haben Teile ihrer Plantagen mit großen Netzen überzogen. »Wir nehmen Netze aus Baumwolle, die reißen nicht so schnell und wirken sehr gut«, erläutert Christine Dönges, die 1500 Quadratmeter voller Kirschenbäume mit Netzen schützt. Billig ist das Ganze nicht: »Das Netz kostete fast 6000 Euro.« Kirschendiebe haben schon Netze aufgeschnitten. »In diesem Jahr hält sich der Diebstahl noch in Grenzen, aber die Saison hat ja erst begonnen«, sagt Rehde, der aktuell mehr auf seinen Erdbeerfeldern zu finden ist. Diese hat er nach der vergangenen Saison vom OGV-Ehrenvorsitzenden Lothar Mörler übernommen.

Rehde war einer der Ersten, der mit dem Ausbleiben von Hilfskräften aus den östlichen EU-Ländern zu kämpfen hatte. Inzwischen sind zahlreiche polnische Kräfte eingetroffen, Rumänen kommen jedoch kaum, da sie nur mit dem Flugzeug nach Deutschland einreisen dürfen. Immerhin sind inzwischen - nicht nur bei Rehde -zahlreiche Deutsche im Einsatz. Rehde: »Wir haben auf allen möglichen Foren nach Helfern gesucht.« Eines dieser Foren ist die Aktion »Friedberg hilft«.

Ockstädter Kirschen: Der Wunsch nach Feuchtigkeit

Inzwischen hat auch der Direktverkauf der Kirschenanbauer begonnen, natürlich unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln. Alle Stände wurden beziehungsweise werden mit dem geforderten Plexiglasschutz ausgestattet. »Den hat uns der Ockstädter Messebauer Manfred Best mit seiner Firma ›best design‹ hergestellt und gestiftet, sagt Dönges.

Werner Kipp bringt auf den Punkt, was sich die Obstanbauer für diese Saison, aber auch für die kommenden Jahre wünschen: »Wir brauchen Feuchtigkeit, damit unsere Bäume gesund bleiben.«

Ockstädter Kirschen: »Friedberg hilft« vermittelt Erntehelfer

Die von der Stadt Friedberg nach Ausbruch der Corona-Pandemie initiierte Aktion »Friedberg hilft« hat in den vergangenen Wochen zahlreiche Erntehelfer an Obst- und Gemüseanbauer vermittelt. Eine Nachfrage von Simone Höhl vom Amt für soziale und kulturelle Dienste und Einrichtungen ergab, dass inzwischen ein Dutzend Helferinnen und Helfer aus Friedberg und Umgebung bei den Obstanbauern tätig sind.

»Einige haben sich nach unserem Aufruf bei uns gemeldet, andere direkt bei Obstanbauern, daher kann ich die genaue Zahl gar nicht sagen.« Die Helfer kommen aus allen Alters- und Berufsgruppen, vom Schüler bis zum Minijobber. Eine besondere Geschichte erzählte ein Obstanbauer der Sachbearbeiterin: Einem Schüler, der bei der Aufnahmeprüfung für seinen »Traumberuf Pilot« einen »sehr schlechten Tag« erwischt hat und durchgefallen ist, gefällt inzwischen die Arbeit als Erntehelfer so gut, sodass er jetzt überlegt, eine Ausbildung oder ein Studium im Bereich Obstanbau zu beginnen. Wie Amtsleiterin Christine Böhmerl mitteilte, wurde die Aktion »Friedberg hilft« bis Ende Juni verlängert. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der Stadt und unter Telefon 0 60 31/8 83 34.

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