Werner Kipp (l.), Christine Dönges und Werner Margraf sind gespannt, wie das Kirschenjahr weitergeht.
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Werner Kipp (l.), Christine Dönges und Werner Margraf sind gespannt, wie das Kirschenjahr weitergeht.

Corona-Krise

Ockstädter Ernte-Problem: Wer soll nur die Kirschen ernten?

  • vonHarald Schuchardt
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Ockstadt ist berühmt für seine Kirschen. Doch die Trockenheit verdirbt den Anbauern die Laune. Und es gibt noch etwas, was ihnen Sorgenfalten auf die Stirn treibt, und das hat mit Corona zu tun.

Frost in der Blütezeit, lange Trockenheit oder die Bekämpfung von Schädlingen wie Kirschfrucht- oder Kirschessigfliege sind Probleme, mit denen sich die Ockstädter Kirschen- und Obstanbauer schon seit vielen Jahren beschäftigen müssen - mal mehr, mal weniger. Ein neues Problem ist in diesem Jahr hinzugekommen: das Corona-Virus.

Da war der Ausfall der 25. Blütenwanderung, die für den Ostermontag geplant war, noch die am leichtesten zu verschmerzende Konsequenz aus den bestehenden Regeln zur Eindämmung der Pandemie. »Das können wir schon verkraften. Die Jubiläumswanderung holen wir nächstes Jahr nach«, sagt Werner Kipp, Vorsitzender des Ockstädter Obst- und Gartenbauvereins.

Zusammen mit seiner Stellvertreterin Christine Dönges sowie Vorstandsmitglied Werner Margraf beklagt Kipp im WZ-Gespräch eine ganze Reihe von Corona-Auswirkungen, aber auch die schon jetzt extreme Trockenheit.

Wer die Kirschen ab Juni von den Bäumen holen wird, ist noch völlig unklar. Von den bis zu 100 Erntehelfern aus Polen, Serbien, Kroatien, Bulgarien und Rumänien, die meist schon seit vielen Jahren in das Kirschendorf kommen, sind gerade mal vier Rumänen eingetroffen. Diese kamen mit dem Flugzeug und werden derzeit beim Spargelstechen eingesetzt.

Ockstädter Kirschernte in Corona-Zeiten: Großfamilie in Polen unter Quarantäne

»Zu uns kommt jedes Jahr eine polnische Großfamilie mit bis zu acht Personen. Deren Dorf wurde komplett unter Quarantäne gestellt. Sie erhalten keine Ausreisegenehmigung«, erzählt Dönges. Sie hofft, dass ihre Stammkräfte wenigstens bis Juni eintreffen. Gebraucht hätte die Kirschenanbauerin sie schon jetzt.

In dieser Woche treffen sich die Kirschenanbauer mit Bürgermeister Dirk Antkowiak und Amtsleiterin Christine Böhmerl, die die Aktion »Friedberg hilft« initiiert hat, um gemeinsam mit der Arbeitsagentur Lösungen zu finden.

»Zwei Personen hatten Mitte März bei mir angerufen und wollten die nächste Woche Kirschen pflücken. Denen habe ich erklärt, dass die da noch nicht einmal geblüht haben«, berichtet Dönges. »Ohne Erntehelfer wird es sehr schwierig«, meint Kipp, während Margraf höhere Preise befürchtet. »Das glaube ich weniger«, sagt Kipp dazu.

Ockstädter Kirschernte in Corona-Zeiten: Straßenverkauf diesmal anders

Derzeit bemühen sich die Kirschenanbauer den unter Auflagen bereits genehmigten Straßenverkauf während der Erntezeit zu organisieren. Verkauft wird nur aus Hütten mit entsprechendem Spritzschutz. »Wir finden niemanden, der uns einen solchen Schutz aus Plexiglas oder Ähnliches zu bezahlbaren Preisen herstellt«, beklagt Dönges. »Wer uns da helfen kann, der ist willkommen«, ergänzt Werner Margraf. Die Hütten werden von der Straße weg in die Wiesen gestellt, um Platz für den nötigen Mindestabstand der Käufer zu schaffen.

Noch etwas macht den Obstanbauern zu schaffen: die anhaltende Trockenheit. Schon die beiden letzten Sommer waren viel zu trocken. So sind auf Margrafs Grundstück in der Verlängerung der Ober-Wöllstädter Straße ganze Baumreihen mangels feuchten Bodens ausgetrocknet. »Die müssen alle raus«, sagt Margraf.

Ockstädter Kirschernte in Corona-Zeiten: Gegen Diebstahl vorgehen

Ein weiteres Problem dürften die zahlreichen Schädlinge werden, trotz der vom zuständigen Amt kontrollierten Pflanzenschutzmaßnahmen. »Ich habe in vier Fallen schon 50 Kirschessigfliegen gezählt. Die sind schon jetzt sehr aktiv«, erläutert Dönges. Wie die kommende Ernte ausfällt, lässt sich derzeit noch nicht sagen. »Wir hatten zwei Mal Frost unter minus vier Grad, das hat die frühen Sorten teilweise stark getroffen,« erklärt Margraf, der die durch Frost braun gewordenen Blüten an einem seiner Bäume zeigt.

Der Kirschendiebstahl hat in den letzten Jahren stetig zugenommen, trotz zahlreicher Maßnahmen der Obstanbauer, die auch in diesem Jahr wieder einen Privatdetektiv einsetzen werden. Er wird zusammen mit den in der Whatsapp-Gruppe »Soko Kirschen« aktiven OGV-Mitglieder ebenso Streife fahren, wie Ordnungsamt und Polizei. Schilder und Absperrband mit der Aufschrift »Nur schauen, nicht klauen« werden aufgestellt. Doch der Diebstahl hat schon begonnen. So wurden bereits mehrere neu gepflanzte sowie drei Jahre alte Kirschbäume ausgegraben und gestohlen.

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