Auf eine gute Kirschenernte hoffen (v. l.) Werner Kipp, Christine Dönges und Werner Margraf vom Ockstädter Obst- und Gartenbauverein.
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Auf eine gute Kirschenernte hoffen (v. l.) Werner Kipp, Christine Dönges und Werner Margraf vom Ockstädter Obst- und Gartenbauverein.

Geplantes Gesetz

Ockstadt: Kirschenanbauer in Sorge - Nun kommt eine weitere dazu

  • VonHarald Schuchardt
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Nachtfrost, Kirschessigfliege, Diebstahl und seit dem auch noch die Folgen der Pandemie - die Ockstädter Kirschenanbauer haben mit vielen Probleme zu kämpfen. Nun ist ein weiteres hinzugekommen.

Noch immer blühen einige Kirschbäume im Ockstädter Kirschenberg, der sich in den vergangenen drei Wochen zum »Hotspot« für Spaziergänger entwickelt hat - vor allem an den Wochenenden. »So viele Menschen habe ich hier noch nie gesehen«, sagt Werner Kipp, Vorsitzender des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins.

Dass die Kirschblüte so lange andauert wie noch nie zuvor, führt OGV-Mitglied Werner Margraf auf die lang Zeit kons-tant kühle Witterung zurück. Doch da die Nachtfröste bisher im »gewohnten Rahmen« (Margraf) geblieben sind, halten sich die Frostschäden noch in Grenzen. »Vor allem in den Tallagen haben wir einige Frostschäden«, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, Christine Dönges.

Kirschen aus der Wetterau: Engagement für Insekten

Ein neues Thema bewegt auch die Ockstädter Kirschenanbauer in diesem Frühjahr, ebenso wie die Landwirte in Deutschland: Das geplante Insektenschutzgesetz. »Auch wir Obstanbauer sind Landwirte. Wir arbeiten mit und für die Natur. Uns ist die wichtige Funktion der Insekten im Ökosystem bewusst«, sagt Kipp, der mit seinen Mitstreitern an den Zufahrtstraßen mehrere großformatige Plakate zu diesem Thema aufgestellt hat. »Die Einschränkung der Pflanzenschutzmittel, die Reduzierung von Düngemöglichkeiten und ein Verbot von Insektiziden gegen Schädlinge wird den Erwerbsobstanbau zum Erliegen bringen«, sagt Margraf, der in diesem Frühjahr alleine zwei Hektar Bienenweide eingesät hat, so wie viele andere Kirschenanbauer auch. Ferner wurden in den vergangenen Jahren unzählige Nistkästen für Vögel im Kirschenberg, in den Tallagen und auf den Streuobstwiesen aufgestellt.

Sollte das Gesetz in der jetzigen Form in Kraft treten, dann werde es keine Süßkirschen in der bewährten Qualität mehr geben, sind sich die Kirschenanbauer sicher. »Der Verbraucher muss sich dann auf von Maden befallene und faule Früchte einstellen«, ist sich Christine Dönges sicher. »Es geht hier auch um die Existenzen der landwirtschaftlichen Betriebe, egal ob Obstanbau, Ackerbau oder Viehwirtschaft betrieben wird.«

Kirschen aus Ockstadt: Strenge Kontrollen durch das Land

Spezielles Ziel der Ockstädter Obstanbauer ist es, den »lange und hart erarbeiteten überregionalen guten Ruf unserer Ockstädter Süßkirschen zu erhalten«, macht Kipp deutlich, der auf die strengen Kontrollen durch das Land Hessen verweist. Wöchentlich werden während der gesamten Erntezeit Obstproben für ein Labor abgegeben. Dort werden die Früchte auf Insektenbefall ebenso geprüft wie auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Darüber hinaus muss jeder Obstanbauer ein Buch über jedes einzelne angewendete Pflanzenschutzmittel führen. »Das alles sollten die Verbraucher wissen«, sagt Dönges.

Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Kirschensaison auf Hochtouren, trotz der pandemiebedingten Auflagen. Die Einreise der Erntehelfer dürfte diesmal kein Problem sein. Erneut wird wieder ein Privatdetektiv engagiert, um Kirschendiebe dingfest zu machen. Unterstützt wird er wieder von der »Soko Diebstahl«, zu der sich etliche Kirschenanbauer zusammengeschlossen haben. Diese fahren regelmäßig durch die Kirschenanbaugebiete.

Kirschen aus der Wetterau: Privatdetektiv und »Soko Diebstahl«

Erfreulicherweise wurden bisher so gut wie keine Jungbäume ausgegraben und gestohlen, so wie dies im vergangenen Jahr der Fall gewesen war. Sollte es nicht noch einen starken Frosteinbruch geben, dann rechnen Kipp und seine Mitstreiter mit einer normalen Kirschenernte.

Eine Bitte hat Dönges noch an die Verbraucher. »Kaufen Sie regional, auch wenn dieses Obst durch Auflagen und Vorschriften teurer ist als die aus dem Ausland eingeführten Produkte im Discounter.«

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