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Oasen über der Kaiserstraße

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Friedberg (pm). Die Idee kommt aus der Schweiz. Unter dem Titel »Roof top« öffnen Privatleute, WGs, Hausgemeinschaften, Organisationen, Restaurationsbetriebe und andere Firmen während eines Tages oder weniger Stunden ihre Dachterrasse für die Öffentlichkeit. Was in der Schweiz funktioniert, ist 2019 auch in Friedberg gelungen - zunächst mit fünf Geschäftsleuten entlang der Kaiserstraße.

Der Zuspruch hat alle überrascht, zumal auch viele »Nicht-Friedberger« daran sehr interessiert waren. Denn diese Dachterrassen sind oft nicht einsehbar. Das liegt meist an der ungewöhnlichen Bauweise der mittelalterlichen Häuser der Kaiserstraße. Immer wieder wurden die schmalen Häuser nach hinten heraus erweitert. Dadurch entstanden teilweise sehr verschachtelte Gebäudekomplexe, die gleichzeitig auch Raum schufen für kleine, grüne Oasen.

In diesem Jahr sollte die Aktion nach ihrem erfolgreichen Start ausgebaut und neue Standorte und Privatleute eingebunden werden. Der Auftakt war schon gemacht: Mit der Preview »Friedbergs Kaiserstraße«, einem Feature des Hessischen Rundfunks, die auf dem Parkdeck in der Alten Bahnhofstraße veranstaltet wurde.

Dann kam die Pandemie. Kreativität war gefragt. Und die kam direkt von einem der Dachgartenbesitzer: Bettenhaus Decher. »Ich finde es so wichtig, gerade jetzt zu überlegen, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt«, sagt Klaudia Decher. »Etwas vertretbare Normalität tut uns doch allen gut.« Bei Sigrid Bartsch, Abteilungsleiterin des Friedberger Kulturservices und zuständig für die Veranstaltung, stieß sie auf offene Ohren. Und so gibt es in diesem Jahr vom 18. bis 20. Juni Zeitfenster bei den beteiligten Geschäften beziehungsweise Dachgartenbesitzern, die man telefonisch bei den jeweiligen Besitzern buchen kann. Auf diese Weise könnten die beteiligten Unternehmen die Hygienevorschriften umsetzen, erklärt Bartsch.

Dachterrasse ersetzt Stockwerk

Den Anfang macht das Geschäft »König plus«, das seit dem aufwendigen Umbau im Jahr 2009 zwar sein Haus um ein Stockwerk gekürzt hat, dafür aber jetzt eine schöne Dachterrasse für seine Mitarbeiter zur Verfügung stellen kann. Auch bei der zweiten Dachterrasse im Bettenhaus Decher hat erst eine Renovierung aus einem kleinen dunklen Hof eine wunderschöne Dachterrasse entstehen lassen. Normalerweise wird diese ausschließlich privat von der Familie Decher genutzt, aber jetzt darf man durch die Bettenabteilung direkt auf die Terrasse.

Die Dachterrasse der Buchhandlung Bindernagel gibt es schon länger; allerdings liegt der Eingang etwas versteckt für die Kunden. Also eine gute Gelegenheit für das Bindernagel-Team auf diesen schönen Platz zum Schmökern hinzuweisen. Hier braucht es auch keine Anmeldung.

Für die fünfte Dachterrasse muss man die Straßenseite wechseln und Brillen Schick aufs Dach steigen. Gerade hier wird die verschachtelte Bauweise der Kaiserstraße besonders deutlich und legt den Blick auf weitere private Dachterrassen frei.

»Wir hoffen sehr, dass wir im nächsten Jahr so richtig loslegen können und auch private Dachgärtenbesitzer motivieren können«, sagt Sigrid Bartsch. »In diesem Jahr sind wir froh, wenigstens den Status quo halten zu können und diese Kleinode mitten in der Stadt trotz der Einschränkungen interessierten Besuchern öffnen zu können.« Bartsch dankt den Eigentümern der Dachterrassen, die dies in diesem Jahr mit viel Kreativität und Aufwand im Hinblick auf die Zeitfenster möglich machen. FOTOS: PM

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