Vom Nutzen elektronischer Lesegeräte

Bad Nauheim/Friedberg (sda). Man nehme einen Goethe, Brecht, zwei Krimis und ein Lexikon und stecke es in die Jackentasche. Technikfreunde wissen: kein Problem. eBook-Reader und Tablet-PCs machen’s möglich: 200 Gramm wiegt ein elektronisches Lesegerät und bietet Platz für rund 1500 digitale Bücher.

Die Maße liegen genau im Jackentaschenformat. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft haben die Geräte auch den Weg in die Regale der heimischen Buchhandlungen gefunden. Richtige Bücher sind trotzdem schöner.

Friederike Hermann, Juniorchefin der Buchhandlung Bindernagel in Friedberg, nutzt das Gerät selbst. Begeistert ist sie von der einfachen Bedienung: "Man muss vorher keine lange Anleitung lesen." Die Steuerung funktioniert über ein Touchpad – damit lässt sich die Schriftgröße ändern, die Seite umblättern oder eine Markierung setzen. Besonders ansprechend sei die Oberfläche: Denn im Gegensatz zu Tablet-PCs sei die bei den eBook-Readern matt. "Das reizt die Augen nicht so sehr wie ein beleuchtetes Display."

Mit den neuen Geräten reagiere der Buchhandel auf die steigende Nachfrage der Kunden. Seit der Frankfurter Buchmesse erkundigten sich immer mehr Leser nach einem eBook-Reader. "Wir haben schon einige Vormerkungen", berichtet die Buchhändlerin.

Wie das Buch in das Lesegerät kommt, erklärt Hermann. Die Leser können auch weiter ihre Bücher in der Buchhandlung kaufen. Der Unterschied: Anstelle eines Buchs unter dem Arm geht man mit leeren Händen nach Hause – denn die Datei wird einem via elektronischer Post zugeschickt. Vom Computer kann man sie dann problemlos auf das Lesegerät ziehen. Damit das Buch als Geschenk nicht ganz verschwindet, hat sich der Buchhandel etwas ausgedacht: Künftig gibt’s Gutscheinkarten für Bücher. "Dann hat man etwas in den Händen zum Verschenken."

Eine eBook-Datei koste im Vergleich zu einem gedruckten Buch zwei bis drei Euro weniger, berichtet Hermann. Zudem gebe es viele kostenlose Texte zum Herunterladen: "Da muss man aber aufpassen", betont sie. Denn jeder kann seinen selbst geschriebenen Text ins Netz stellen, der Weg über das Lektorat fällt dann aber weg. Besonders bei Sachtexten sei dieses Angebot mit Vorsicht zu genießen, weiß die Buchhändlerin. "Es ist sehr handlich", sagt Hermann. Man könne es überall mit hinnehmen – zum Arzt oder in den Zug. "Vor allem bei Schulbüchern stelle ich es mir toll vor", denn dann wären die Schulranzen leichter.

Anfangs sei sie skeptisch gewesen: "Ich wollte die Seiten umblättern und sie riechen." Aber mittlerweile habe sie sich mit dem Gerät angefreundet: "Es gibt Bücher, die ich nicht unbedingt im Regal brauche." Eine elektronische Version des Buchs genüge da. Und die Exemplare, die sie in gedruckter Form haben will, kaufe sie auch weiterhin für die heimische Bibliothek. Buchliebhaber kann sie deswegen beruhigen: "Eine Veränderung auf dem Buchmarkt wird es sicher geben", die Buchproduktion gehe zugunsten der Dateien zurück. "Aber das gedruckte Buch verschwindet niemals."

Den Test bei der Flugreise bestanden

Auch in der Bad Nauheimer Buchhandlung am Park kann man ab sofort ein elektronisches Lesegerät erwerben: Dort wird der "iriver-Story-HD" angeboten. Ein mit der Buchhandlung verknüpfter Webshop erlaubt es, Bücher direkt über das Gerät herunterzuladen. Bei Buchhändlerin Regina Fries hat der eBook-Reader seinen Vorzug gegenüber echten Büchern bereits bewiesen: Sie ist vergangene Woche aus dem Urlaub gekommen. Unterwegs war sie mit dem Flugzeug. "Ich hatte keine Probleme mit dem Gewicht meines Koffers", erzählt sie.

Denn die fünf Bücher, die sie gewöhnlich mit in den Urlaub nehme, ließen kaum Platz für restliches Gepäck. "In dem Fall ist das Gerät praktisch." Außerdem sei ein Text auch bei Sonnenschein zu lesen: Mit der "E-Ink-Technik" werde versucht, das Aussehen von Tinte auf dem Display nachzubilden, erklärt Fries. Dadurch reflektiere der Bildschirm nicht. Besonders groß sei die Nachfrage bei älteren Lesern. "Da man die Schriftgröße um das Achtfache vergrößern kann und es sehr leicht in der Hand liegt." Denn nur wenige Bücher gebe es in Großdruck.

Aber für sie ist klar: "Ein gedrucktes Buch ist viel schöner." Denn es gebe Ausgaben, die man sich einfach ins Regal stellen will. Vor allem Bilderbücher seien auf dem Gerät nicht so schön anzusehen wie die echten Exemplare: Man könne zwar Bilder auf dem Display darstellen, allerdings farblos.

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