Im Wetteraukreis bleibt der Impfstoff knapp. Die Kreisverwaltung plant deshalb um. (Symbolbild)
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Im Wetteraukreis bleibt der Impfstoff knapp. Die Kreisverwaltung plant deshalb um. (Symbolbild)

Inzidenz unter 100

Wetteraukreis: Vorerst mehrheitlich Zweitimpfungen geplant – „Notbremse“ gelöst

  • David Heßler
    VonDavid Heßler
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Ab Montag gilt in der Wetterau die „Notbremse“ nicht mehr. Zuletzt machte der Kreis beim Impfen Tempo. Ein Überblick über die aktuelle Lage.

Eine Woche unter 100: Die »Notbremse« wird gelöst. Weil mit den Zahlen vom Samstag die Inzidenz von 100 an fünf Tagen hintereinander unterschritten sein dürfte, gelten ab dem übernächsten Tag, also ab Montag, die hessischen Landesregelungen. Dann dürfen sich wieder zwei Haushalte mit maximal fünf Personen (Kinder bis 14 Jahre zählen nicht mit) treffen. Die nächtlichen Ausgangssperren zwischen 22 Uhr und 5 Uhr fallen weg und beim Friseur braucht man keinen Negativtest mehr. Kinder dürfen im Freien in Gruppen Sport machen, Tierparks und Museen mit Terminvereinbarung wieder öffnen. Auch ins Fitnessstudio könnte man wieder gehen, ebenso in den Baumarkt (auch ohne Gewerbeschein). Über weitere Anpassungen - zum Beispiel die Frage nach Öffnung der Außengastronomie - will die Landesregierung Mitte nächster Woche beraten.

Was sich nicht ändert: In den Schulen gibt es weiter Wechselunterricht, die Testpflicht für die Präsenztage bleibt bestehen. Auch in den Kitas ändert sich nichts. Essen gibt es weiter nur zum Mitnehmen, beim Einkaufen im Einzelhandel bleibt es bei »Click and Meet« mit tagesaktuellem Negativtest oder vollständigem Impfschutz.

Corona im Wetteraukreis: Mehrheitlich Zweitimpfungen im Impfzentrum

Impftempo: Bis zu 1500 Spritzen werden aktuell pro Tag im Impfzentrum Büdingen gesetzt. Dazukommen laut Wetteraukreis noch Impfungen durch die ambulanten Teams. Am 1. Mai waren es insgesamt 2343 Impfungen. Bis einschließlich Mittwoch wurden 86 211 Spritzen gesetzt (66 253 Erst- und 19 958 Zweitimpfungen). Hinzukommen die Impfungen in Hausarztpraxen, die den Impfstoff über Apotheken beziehen. Genaue Zahlen hat der Kreis nicht, man geht aber davon aus, dass die Hausärzte derzeit täglich fast doppelt so viele Menschen impfen wie die Impfzentren, bisher insgesamt ca. 10 000. Das Konzept, die Hausärzte als mobile Teams frühzeitig in die Impfkampagne einzubeziehen, sei ein voller Erfolg, betont Amtsarzt Merbs.

Mehr Zweitimpfungen: Bei dieser Schlagzahl wird es nicht bleiben: Wie Amtsarzt Dr. Reinhold Merbs auf WZ-Anfrage ankündigt, werden ab der kommenden Woche im Impfzentrum mehrheitlich Zweitimpfungen ausgeführt. Wegen nach wie vor fehlendem Impfstoff würden die Erstimpfungen vorerst weniger werden. »Unser Grundproblem ist und bleibt der fortbestehende Impfstoffmangel.«

Frühere Zweitimpfung? Viele Menschen wünschen sich die zweite Spritze früher. Eine Vielzahl von Anfragen habe das Gesundheitsamt deshalb erhalten. Doch geben Bund und Land den Impfzentren vor, die von den Herstellern genannten maximalen Impfintervalle einzuhalten. Bei Biontech und Moderna sind das sechs Wochen, bei Astrazeneca zwölf Wochen. Experten halten das auch für sinnvoll, um den Impfschutz nicht zu reduzieren.

Corona im Wetteraukreis: Ein Zehntel der Impftermin nicht wahrgenommen

Etliche Absagen: Gut zehn Prozent der geplanten Termine im Impfzentrum werden ohne Absage nicht wahrgenommen, teilt der Amtsarzt mit. Also etwa 150 am Tag. »Um hier die Kapazitäten des Impfzentrums auszulasten, wird täglich entsprechend überbucht. Das heißt, wir rechnen mit den Ausfällen schon vorab.« Zudem würden täglich mehrere Hundert Termine abgesagt, die das Land allerdings sofort nachbesetze. Merbs: »Impfstoff verfällt keinesfalls und ist auch noch nie verfallen.«

Freie Termine? Der Kreis hat auf seiner Homepage einen Link zu einer Nachrückerliste. Termine mit dem Impfstoff Astrazeneca für die Priorisierungsgruppen 1, 2 oder 3 werden hier relativ schnell vergeben. Alternativ kann man es - das gilt auch für unter 60-Jährige - beim Hausarzt versuchen. Wer dort einen Impftermin bekommt, sollte seinen beim Land (impfterminservice.hessen.de) oder im Impfzentrum absagen.

Impfstoff als Reserve? Laut Merbs wird in den Impfzentren kein Impfstoff für die Zweitimpfung zurückgehalten. »Wir haben ausdrücklich den Befehl des Landes, keine Reserven zurückzubehalten. Dafür garantiert das Land den passenden Impfstoff für die Zweitimpfung.« Dafür habe der zuständige Minister sein Wort gegeben.

Situation in Altenheimen : Die meisten Senioren und Mitarbeiter in den stationären Einrichtungen sind bereits zweifach geimpft. Laut Merb gibt es aber noch gut 1000 Menschen, die die Infektion überstanden haben, bislang aber nicht geimpft wurden. Das ist nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission erst sechs Monate nach einer Infektion möglich. Da diese Karenz nun vorbei sei, würden die ambulanten Teams aktiv. »Wenn zwischenzeitlich Menschen neu in die Heime eingezogen sind, werden diese überwiegend über die Hausärzte geimpft.«

Corona im Wetteraukreis: Höchste Todesfallzahlen in Hessen

Hohe Todeszahlen : 540 Wetterauer sind bisher an Covid-19 gestorben - 176 Tote je 100 000 Einwohner sind der Höchstwert in Hessen. Laut dem Leiter des Gesundheitsamts ist das nur zum Teil mit der höheren Dichte an Altenheimen und Kliniken in der Wetterau zu erklären. Es gebe zudem mehr Personen in der Prio-Gruppe 1 und 2 als in anderen Landkreisen. »Aber zugleich bewerten wir aktiv Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit Corona. Es gibt hier eine erhebliche Dunkelziffer in Deutschland. Ich kann ihnen Dutzende Fälle benennen, die nicht in der Statistik wären, hätten wir nicht über Todesanzeigen in Tageszeitungen und aktive Gegenkontrolle von Sterbefallmeldungen diese Fälle ermittelt«, sagt Merbs. Wer nur erfasse, was von Dritten als klarer Todesfall auf z. B. einer Intensivstation gemeldet werde, habe niedrigere Zahlen. »Die vielen Menschen, die nach durchgemachter Infektion nie mehr richtig gesund wurden und dann erst im weiteren Verlauf daran gestorben sind, bleiben in vielen Statistiken außen vor. Wir versuchen, auch diese Fälle zu berücksichtigen.«

Falsche Inzidenz? Manche Nachrichtenportale geben nach eigenen Berechnungen höhere Inzidenzen als das Robert-Koch-Institut an - auch für die Wetterau, in der der Wert weiter über 100 liege. Die RKI-Werte seien wegen Verzögerungen in der Meldekette unvollständig und veraltet. Amtsarzt Merbs sagt dazu: »Es bringt nichts, über diese Zahlen zu diskutieren. Wir übernehmen, wie auch das Land, die RKI-Zahlen. Mir fehlt schlicht die Energie für solche Probleme.«

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