Stadtentwicklungsprozess

Noch fehlt im Friedberger Rathaus das Personal für die Planung

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Die Gruppe "Spurenleger" will dem Stadtentwicklungsprozess in Friedberg einen kräftigen Schub verpassen. Wenn da nur nicht dieses Personalproblem im Rathaus wäre.

Die vor einem Jahr im Alten Rathaus gezeigte Ausstellung "Burgfrieden Friedberg" mit Stadtplanungs-Entwürfen von Studenten der TU Darmstadt öffnete so manchem Besucher die Augen: Was man aus Friedberg alles machen kann! Ein Park entlang des Bahngeländes. Ein Biergarten auf der Seewiese. Man könnte die Stadt sogar in eine virtuelle Spiellandschaft verwandeln und damit junge Leute anlocken. Doch was davon ist realistisch und was bloß Spielerei?

Initiator der Ausstellung war die Gruppe "Spurenleger", eine Initiative des Stadtmarketing-Vereins. Die Mitglieder sind Architekten, Wirtschaftsförderer, Gestalter oder einfach Bürger, denen ihre Heimatstadt am Herzen liegt. "Wir verstehen uns als Anschieber und Zusammenführer", sagte Bernd Ulrich bei der Begrüßung der rund 100 Besucher, die ins Albert-Stohr-Haus gekommen waren.

"Wir sammeln nur Ideen"

Die letztliche Entscheidung über städtebauliche Maßnahmen liege bei der Politik, betonte Ulrich. "Aber wir wollen Ideen und Wünsche sammeln und den Prozess ins Rollen bringen." "Vergangenheit erben – Zukunft gestalten" war die Auftaktveranstaltung zum Stadtentwicklungsprozess überschrieben. Ziel sei ein Leitbild für Friedberg, sagte Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) in seinem Grußwort. "Dafür ist eine starke Bürgerbeteiligung nötig. Gemeinsam kriegen wir das hin." Im Herbst werde es die nächste Veranstaltung zum Thema geben.

Die Darmstädter Hochschullehrerin Prof. Anette Rudolph-Cleff, die über den Stadtentwicklungsprozess referieren sollte, hatte kurzfristig grippegeschwächt absagen müssen. Ihr Mitarbeiter Dr.-Ing. Björn Hekmati stellte stattdessen die Modelle der Studenten noch einmal vor und gab in einem zweiten Schritt Tipps, wie es Friedberg gelingen kann, dass aus Ideen und Wünschen auch Wirklichkeit wird.

Was macht Friedberg aus?

Ein Beispiel: Viele Obergeschosse auf der Kaiserstraße stehen leer, das wäre idealer Raum für Wohngemeinschaften. Gelingt es, die Obergeschosse von der Rückseite her zu erschließen? Gäbe es ein erfolgreich umgesetztes Modell, könnten andere Hauseigentümer folgen, sagte Hekmati.

Was macht Friedberg aus? Darmstadt ist laut Ortsschild "Wissenschaftsstadt", Büdingen nennt sich auf seinem Logo "lebendige Familienstadt". Den Titel "Stadt der Bildung", für den es sogar einen Parlamentsbeschluss gibt, könnten viele Städte für sich in Anspruch nehmen; unverwechselbar sei er nicht. Als Hekmati zu bedenken gab, dass der Adolfsturm gar nicht auf städtischem Grund stehe und er somit die Sinnhaftigkeit des Friedberger Wahrzeichens in Frage stellte, ging ein Raunen durch die Stuhlreihen. Friedberg ohne Adolfsturm? Undenkbar.

Mit dem "ISEK" ans Ziel

Unter der Moderation des Journalisten Jens Joachim wurden nach einer Pause mit leckeren Häppchen die Ideen und Wünsche der Zuhörer kurz angesprochen. Dabei kam auch das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK), das Hekmati vorgestellt hatte, zur Sprache. Wer in den Genuss von Geldern aus verschiedenen Städtebauförderprogrammen kommen wolle, müsse sich dieses Konzepts bedienen. ISEK regelt beispielsweise die Bürgerbeteiligung, aber auch den gesamten Prozess der Städteplanung.

Stadtentwicklung funktioniere nur mit ausreichend Personal, sagte eine Friedbergerin. Die eigentliche Frage sei somit: "Wie muss das Stadtplanungsamt aufgestellt sein, damit etwas passiert?" Was nicht als Kritik an den Mitarbeitern des Bauamtes zu verstehen war, sondern als Hinweis darauf, dass unter anderem die Stelle eines Stadtplaners derzeit nicht besetzt ist. Was Bürgermeister Antkowiak bestätigte. "Wir sind gut aufgestellt, es sind aber nicht alle Stellen besetzt, weil wir ein Raumproblem haben. Das lösen wir aber." Ohne einen Stadtplaner (oder eine Stadtplanerin) kann weder die Sanierung der Kaiserstraße noch die Kasernenkonversion vorangebracht werden. Außerdem benötigt der Stadtentwicklungsprozess eine Koordinierungsstelle. Das Rathaus nimmt Bewerbungen entgegen.

Infos über die "Spurenleger" und den Stadtentwicklungsprozess gibt es auf der Seite www.stadtmarketing-friedberg.de.

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