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Auf der B45-Umgehung von Heldenbergen kommt es am Abzweig nach Karben regelmäßig zu schweren Unfällen. Am 30. Oktober starb hier der Vater von Benjamin Prassehl. Er wurde auf seinem Motorrad von einem Sprinter erfasst. Foto: Feuerwehr Heldenbergen/fg

Schwere Unfälle

Unfallschwerpunkt B45: Sohn eines Unfallopfers fordert Konsequenzen

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Fast wöchentlich schrecken Unfallmeldungen an der Abfahrt der Nidderauer Umgehungsstraße B45 zur K246 nach Karben auf. Der Sohn eines Unfallopfers fordert, dass endlich etwas passiert.

Nidderau - Am Samstagabend hat es wieder gekracht. Zwei Autos sind an der Abfahrt nach Karben zusammengestoßen. Ein 32-jähriger Frankfurter hatte beim Abbiegen den Wagen eines 24-jährigen Rosbachers übersehen. Beide Fahrer kamen leicht verletzt ins Krankenhaus. Für Feuerwehr und Rettungsdienst sind Einsätze an der B45-Ortsumgehung mittlerweile trauriger Alltag. Die Verkehrsführung an dieser Stelle irritiert viele. Eine Fehlplanung, sind sich nicht wenige sicher.

"Wir können immer noch nicht fassen, wie es zu dem Unfall auf der Kreuzung kommen konnte. Unser Vater war immer so ein umsichtiger und vorsichtiger Verkehrsteilnehmer", erzählt Benjamin Passehl. In den frühen Morgenstunden des 30. Oktober gegen 5.35 Uhr stieß sein Vater mit seiner 125er-Honda auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle in Hanau mit einem Lieferwagen zusammen. Ein 37-jähriger Hanauer im Mercedes-Sprinter wollte auf die K246 abbiegen. Er hat dabei vermutlich die Geschwindigkeit des entgegenkommenden Motorradfahrers falsch eingeschätzt.

Vorwurf: Fehlerhafte Verkehrsführung bei Nidderau

Nach Schilderung Passehls konnte sein Vater wohl nicht mehr rechtzeitig ausweichen. Der 65-Jährige erlag noch an der Unfallstelle seinen schweren Verletzungen. "Das ist nun schon der 13. Unfall in diesem Jahr, mit einem Toten und rund 30 Verletzten. Warum macht denn keiner etwas?", fragt Passehl.

Etwas ist schon passiert: Eine Sonderkommission wurde gebildet, und es wurden mittlerweile weitere Warn- und Hinweisschilder aufgestellt. Die Geschwindigkeit wurde von 70 auf 50 Stundenkilometer reduziert. Doch an der eigentliche Ursache, nämlich der fehlerhaften Verkehrsführung, sei bisher nichts geändert worden, bemängelt Benjamin Passehl. Noch auf der Beerdigung ihres Vaters hätten sein Bruder Kai Hoffmann und er deshalb die Aufarbeitung des Unfalls ihres Vaters und die Einleitung möglicher Schritte zur Gefahrenbeseitigung auf dieser Kreuzung besprochen.

Vorwürfe an den Kreis

Seither hätten sie das Gespräch mit der Politik gesucht. Auch eine Lichterkette als Mahnwache direkt am Unfallort hätten sie organsiert. Es habe viel Zuspruch gegeben, doch einschneidend geändert habe sich die Situation nicht. Im Gegenteil: Wie Passehl sagt, werde nur beraten, diskutiert und das offensichtliche Problem auf dieser Strecke kleingeredet.

Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Die Brüder Benjamin Passehl (l.) und Kai Hoffmann wollen, dass sich nach dem Tod ihres Vaters endlich etwas auf der B45 tut. Foto: jwn

In den sozialen Netzwerken würden bereits Witze darüber gemacht, dass sich die Behörden die Verantwortung und die Zuständigkeit für die notwendigen Maßnahmen hin- und herschieben würden. "Was muss denn noch passieren, damit endlich einer die Notbremse zieht?", klagt Passehl an. Die Zuständigkeit sei doch längst geklärt. Anders als auf den Bundesstraßen und Autobahnen seien auf Umgehungsstraßen weder Bund noch Land, also Hessen Mobil, zuständig, sondern die jeweilige Kreisbehörde, ist er sich sicher. Für die Umgehungsstraße um Nidderau sei das die Straßenverkehrsbehörde des Main-Kinzig-Kreises. Sie hätte längst Schritte zur Entschärfung der Gefahrenstelle einleiten müssen, denn die Voraussetzung, nämlich die Häufigkeit von Unfallgeschehen in kurzer Zeit, sei längst erfüllt.

B45: Rücktritt von Dezernentin gefordert

Passehl will im Gespräch mit dieser Zeitung keinen Schuldigen nennen. Das übernehmen andere - zum Beispiel der ehemalige Maintaler Stadtverordnete Friedrich Schmicker. In einem Leserbrief forderte er vor wenigen Tagen den Rücktritt der Ersten Kreisbeigeordneten und zuständigen Dezernentin Susanne Simmler (SPD), "denn als Politikerin für diesen Bereich der Verkehrssicherheit hat sie vollkommen versagt". Mit einer Ampelanlage und Vorwegweisern als Schilderbrücke könne man die Fehlplanung in einem ersten Schritt beheben. Besser wäre auch nach Ansicht von Verkehrsexperten Johannes Hübner ein Kreisverkehr, weil der nicht zu Stauung führen würde.

Bei Benjamin Passehl bleibt ein mulmiges Gefühl. "Nicht nur wegen der Erinnerungen an meinen Vater, sondern ich habe seither richtige Angst vor der Kreuzung. Ich fahre in diesem Bereich jetzt sogar noch langsamer als 50 km/h, weil ich befürchte, dass wieder einer aus dem Abbiegerverkehr die Situation falsch einschätzt und einfach losfährt."

Info: Ampel frühestens im Sommer

Mittlerweile will die Unfallkommission, die sich aus Vertretern der Kreisverkehrsbehörde, der Polizei, der jeweiligen Kommune und der Straßenbaubehörde Hessen Mobil zusammensetzt, dass am Unfallschwerpunkt B45/Abzweigung zur K246 nach Karben eine Ampelanlage errichtet wird. Bei optimalen Ablauf der Planung und Ausschreibung könne dies frühestens im Sommer 2020 erfolgen. Das Vorhaben soll mittlerweile hohe Priorität haben.

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