Mit Hip-Hop-Tänzen und teils scharfen Redebeiträgen fordern die Demonstranten eine Umbenennung der Apotheke. FOTO: JW
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Mit Hip-Hop-Tänzen und teils scharfen Redebeiträgen fordern die Demonstranten eine Umbenennung der Apotheke. FOTO: JW

Streit um Friedberger Mohren-Apotheke

Streit um Mohren-Apotheke Friedberg: Nicht "Dumm" und "töricht": Kulturkampf um ein altes Wort

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Die Demonstration gegen den Namen der Mohren-Apotheke in Friedberg war auch ein Kulturkampf: Hier die junge, digitale Generation, dort die Älteren, die die Aufregung nicht verstehen.

Der Widerstreit zeigt sich auch auf Facebook-Portalen, wo eifrig diskutiert wird, was Rassismus ist und was nicht.

Die Antifa-BI erklärt ihre Unterstützung der Aktion und bedauert, dass die Gegendemonstranten "die Kritik an dem Namen sowie dem verwendeten Symbol der Apotheke nicht nachvollziehen konnten". Dazu gibt es positive Kommentare. Talha Taskinsoy schreibt: "Tradition und Erbe in allen Ehren: Wieso sollte das Umbenennen des rassistischen Namens diese Tradition ... zerstören?" Doch es gibt auch Kritik, etwa von Stadtrat Bernd Baier (Linke): "Eure Aktion trage ich nicht mit. Es gibt wichtigere Themen, für die es aufzustehen gilt."

Zustimmung für die Apothekerin

Auf der Facebook-Seite der Wetterauer Zeitung gibt es überwiegend Zustimmung für Apothekerin Dr. Kerstin Podszus. "Respekt. Weiter so. Durchhalten", ruft ihr Yvonne Kretschmann zu. Der Name habe "nix mit Rassismus zu tun". Es gebe in Deutschland "nicht eine einzige Person, die ›Mohr‹ als Beleidigung benutzt", meint Furkan Altunçiçek; er will "ab jetzt nur noch bei der Mohren-Apotheke kaufen".

"Soll sich jetzt der Frisör Herr Mohr vielleicht einen anderen Nachnamen geben lassen", fragt Suse Daisy Drobig, während sich Ingrid Groß in bitterer Ironie übt: "Corona scheint vor allen Dingen das Gehirn anzugreifen." Ist als Nächstes, wie Andreas Stein vermutet, der "Führerschein" dran? Michael Stricker ergänzt: "Ernst Neger würde sich im Grabe rumdrehen und um seinen Namen auf dem Grabstein bangen."

Rassismus, findet Helga Schreck, "ist in den Köpfen - und nicht am traditionellen Namen der Mohren-Apotheke abzulesen". Maureen Teresa O’Donoghue Göller schreibt: "Armes Deutschland! Sind wir heutzutage so paranoid geworden, dass wir in allem Rassismus vermuten?"

Was auffällt: Plötzlich sind alle Linguisten. "Mohr" gehe auf das griechische "moros" zurück, das bedeute "dumm" oder "töricht", sagte ein Redner in einem aggressiven Ton, der signalisierte: Das soll jetzt endlich jeder kapieren! Nur: Diese etymologische Ableitung ist Unfug, man kann auch von Fake News sprechen. Wie ein Sprachberater der Gesellschaft für deutsche Sprache in Darmstadt der WZ sagte, gibt es bislang keinen Beleg, dass die beiden Wörter in Zusammenhang stehen. "Das ist nirgendwo verzeichnet." "Mohr" leitet sich vom lateinischen "maurus" ab, war einst eine neutrale Bezeichnung für Menschen aus Nordafrika.

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