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Michaela Colletti Bundestagskandidatin

»Nicht der Lagerplatz Frankfurts«

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Wetteraukreis (pm). Thomas Horn (CDU), Direktor des Regionalverbands Frankfurt-Rhein-Main, hatte kürzlich betont, dass wegen der Wohnungsnot in den Städten und dem Homeoffice-Trend nun auch Landkreise in den Fokus rücken müssten, die weiter entfernt vom Rhein-Main-Gebiet lägen. Auch sieht er den zunehmenden Widerstand gegen neue Wohn- und Gewerbeflächen im ländlichen Raum kritisch - schließlich müssten die 2,4 Millionen Einwohner im Verbandsgebiet reibungslos und schnell versorgt werden, dafür seien solche Standorte unerlässlich.

Dass Horn in Kauf nehme, dass in Kreisen wie die Wetterau »vermehrt und ungehemmt weiter Flächen zugebaut werden sollen« und sich zugleich dafür stark mache, Bürgerbegehren und Bürgerentscheide gegen Bebauungspläne auszusetzen, kritisiert die Wetterauer Grünen-Direktkandidatin für die Bundestagswahl, Michaela Colletti. Die Gedankenwelt des Verbandes sei »noch immer vom ungebremsten Flächenverbrauch bestimmt«. Wie sich das mit dem notwendigen Schutz des Klimas vertrage, bleibe unklar.

Horn möge ja recht haben, wenn er die Wohnungsnot und den Homeoffice-Trend als Riesenchance für den zweiten und dritten Gürtel rund um Frankfurt bezeichne, »aber dann muss ich den nicht zubauen«, so Coletti. Stattdessen könne dort gewohnt und gearbeitet werden, wo heute Landflucht herrsche. Zudem könnten Büroimmobilien im Ballungsraum anders genutzt werden, wenn die Firmen inzwischen nur noch mit 0,7 Arbeitsplätzen pro Mitarbeitendem planen würden.

Aus den Äußerungen Horns spreche der Frust darüber, dass Bürgerinitiativen und Verbände die »Betonierungsfantasien des Verbandes« bekämpfen, beklagen, aufhalten und stoppen würden, glaubt die Grünen-Politikerin - so zu beobachten bei der Westerweiterung Frankfurts oder den geplanten Logistikstandorten in der Wetterau. Wenn er der »Bürger/innenbeteiligung« entgegenwirken wolle, zeige er damit, »was ihm demokratische Beteiligung Wert ist«, so Collettis Einschätzung.

Zum »Arbeitsplatz-Märchen« und zur angeblichen Versorgungsnot sagt sie: »In Berstadt werden keine Arbeitsplätze geschaffen, sondern nur dorthin verlagert und zunehmend automatisiert. Außerdem haben wir Fachkräftemangel. Und wenn er meint, ›Wir können doch nicht täglich 1000 Lkw von der polnischen Grenze starten lassen‹, dann klingt das so, als herrsche heute im Rhein-Main-Gebiet Versorgungsnot. In Wahrheit geht es hier aber um Optimierung der Abläufe von Handelsunternehmen. Dafür ist mir unser fruchtbarer Wetterauer Boden wahrhaftig zu schade. Was wir brauchen, sind regionale Wirtschaftskreisläufe mit kurzen Wegen.« Sie freue sich. dass immer mehr kritische Stimmen gegenüber »den Attacken auf die Wetterauer Böden« laut würden. FOTO: PM

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