Es kann nur eine/n geben. Neun Kandidatinnen und Kandidaten kämpfen im Wahlkreis Wetterau I um den Direkteinzug in den Deutschen Bundestag: Armin Häuser (CDU), Natalie Pawlik (SPD), Michaela Colletti (Grüne), Peter Heidt (FDP) sowie (unten v. l.) Julian Eder (Linke), Cenk Gönül (FW), Stephan Flindt (Piraten), Andreas Lichert (AfD) und Eva Rosen (die Basis).
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Es kann nur eine/n geben. Neun Kandidatinnen und Kandidaten kämpfen im Wahlkreis Wetterau I um den Direkteinzug in den Deutschen Bundestag: Armin Häuser (CDU), Natalie Pawlik (SPD), Michaela Colletti (Grüne), Peter Heidt (FDP) sowie (unten v. l.) Julian Eder (Linke), Cenk Gönül (FW), Stephan Flindt (Piraten), Andreas Lichert (AfD) und Eva Rosen (die Basis).

Bundestagswahl

Bundestagswahl 2021: Neun Kandidaten wollen im Wahlkreis Wetterau I das Direktmandat holen

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Selten war die Bundestagswahl so spannend wie in diesem Jahr. Von einer Wechselstimmung ist die Rede. Zeigt sich dieser Trend auch im Wahlkreis Wetterau I?

Friedberg – Die CDU ist die stärkste Partei - das galt in der Wetterau zuletzt bei vielen Kommunalwahlen, bei Landtagswahlen und der Frage, wer das Bundestagsdirektmandat zieht. Im Wahlkreis Wetterau I waren dies zuletzt CDU-Kandidaten, von denen allerdings zwei wieder die Segel strichen: Lucia Puttrich, Hessische Staatsministerin für Europaangelegenheiten, wurde 2009 in den Bundestag gewählt, wechselte ein Jahr später in die Landespolitik. Oswin Veith zog 2013 und 2017 das Direktmandat, wechselte aber Anfang 2020 in den Ovag-Vorstand.

Davor konnte Nina Hauer (SPD) dreimal das Direktmandat ziehen, das sich Christian Schwarz-Schilling (CDU) zuvor dreimal gesichert hatte. Vor ihm hieß der Direktgewählte Georg Schlaga (SPD). Über die Jahre betrachtet also ein munteres Wechselspiel. Das nun eine neue Wendung nimmt?

CDU-Kandidat Armin Häuser (57) will nicht wieder abspringen, wenn er nach Berlin beordert wird. Der ehemalige Bad Nauheimer Bürgermeister und amtierende Kreistagsvorsitzende ist Geschäftsführer des Kompetenzzentrums für Telemedizin und E-Health Hessen in Gießen. Er will sich in der Hauptstadt für die Kommunen stark machen. Den Sprung nach Berlin schafft Häuser aber nur über die Erststimme; Platz 19 auf der CDU-Landesliste reicht dazu nicht.

Bundestagswahl in der Wetterau I: SPD-Kandidatin auf Listenplatz 6

Die Chancen der SPD-Kandidatin Natalie Pawlik (28), in den Bundestags einzuziehen, sind da schon besser. Sie steht auf dem aussichtsreichen Platz 6 der SPD-Landesliste. Pawlik hat sich fest vorgenommen, das Direktmandat zurückzuerobern. 2017, als sie erstmals kandidierte, kam sie auf fast 30 Prozent der Stimmen, lag knapp sieben Prozentpunkte hinter dem CDU-Kandidaten Veith. Die Büroleiterin des EU-Abgeordneten Udo Bullmann, in Sibirien geboren und in einem Aussiedlerheim in Bad Nauheim aufgewachsen, will sich für Bildungsgerchtigkeit und Soziales stark machen.

Bundestagswahl in der Wetterau I: Für Peter Heidt wird es knapp

Michaela Colletti (57) tritt für die Grünen an. Die Rosbacherin, die ein Übersetzerbüro betreibt, hat aber nur Außenseiterchancen. Die letzte Direktkandidatin der Grünen, Kathrin Anders, kam 2017 auf 8,4 Prozent. Colletti hofft auf ein deutlich besseres Ergebnis, setzt im Wahlkampf auf Klimaschutz (»Nicht nur reden, auch handeln«) und auf Chancengleichheit in der Bildung.

Mit dem FDP-Kandidaten Peter Heidt (56) tritt der einzige aktuelle Bundestagsabgeordnete bei der Wahl an. 2019 rückte er für seine Parteikollegin Nicola Beer nach; sie wechselte nach Brüssel. Heidt steht auf Platz sieben der Landesliste, aktuell stellt die hessische FDP sechs Abgeordnete. Der Bad Nauheimer Rechtsanwalt hofft auf den momentanen Aufwind seiner Partei, will in Berlin weiter am Bürokratieabbau sowie im Ausschuss für Menschenrechte arbeiten.

Bundestagswahl in der Wetterau I: Vermögenssteuer und Klimaschutz

Bleiben fünf weitere Direktkandidaten, die vor allem antreten, um die Inhalte ihrer Parteien unters Volk zu bringen. Julian Eder (23) aus Bad Nauheim tritt für die Linke an. Seine Botschaft lautet: Kapitalismus bedeutet für viele Menschen »Hunger, Armut und Verderben«. Die Linke fordert eine Vermögenssteuer. Beim Klimaschutz will Eder die größten CO2-Verursacher, die Konzerne, zur Verantwortung ziehen.

Cenk Gönül (50) tritt für die Freien Wähler an. Der Reichelsheimer Unternehmer hat sich das FW-Motto zu eigen gemacht: »Net schwätze - mache!«, wofür er derzeit aber viel »schwätze« muss - an Wahlständen und Haustüren. Die Freien Wähler setzen darauf, dass sich viele Wähler von den großen Parteien abwenden. Der Einzug in den Bundestag bleibt das große Ziel der Kommunalpartei.

Bundestagswahl in der Wetterau I: Piraten, Rechte und Querdenker

Dieses Ziel liegt auch für Stephan Flindt (62) in weiter Ferne. Flindt tritt für die Piratenpartei an. Dass die Partei des Systemprogrammierers wohl kaum das Direktmandat zieht, ficht ihn nicht an. »Wir treiben die anderen vor uns her«, nimmt Flindt den Wahlkampf mit Humor. Die »grausame Datensammelei des Staates«, aber auch Klimaschutz und der Bau von Sozialwohnungen sind Themen der Piraten.

Andreas Lichert (45) aus Bad Nauheim sitzt für die AfD im Hessischen Landtag. Seine Chancen, nach Berlin zu wechseln, sind äußerst gering. Auf der Landesliste der AfD steht er nicht. Lichert werden enge Kontakte zu den Identitären und den Denkschmieden der Neuen Rechten nachgesagt. Auf den letzten Metern des Wahlkampfs setzt er auf Populismus: Er befürchtet allen Ernstes eine »Impfapartheid«.

Auch Eva Rosen (36) aus Karben hält offenbar nicht viel vom Impfen. Die Direktkandidatin der neuen Partei »die Basis« bezeichnet sich selbst als »Querdenkerin«, hat Busfahrten zu Demos gegen die »schlimmen« Corona-Maßnahmen der Bundesregierung organisiert und will sich gleichzeitig für mehr »Achtsamkeit« in der Politik einsetzen.

Bundestagswahl in der Wetterau: Die Kandidaten aus dem Wahlkreis Wetterau II

Wer am Ende die Nase vorn hat und das Direktmandat zum Einzug in den Deutschen Bundestag holt, entscheiden heute rund 178.000 Wähler im Wahlkreis Wetterau I - oder haben dies bereits per Briefwahl getan.

Im Wahlkreis 175 (Main-Kinzig/Wetterau II/Schotten) mit acht Komunen aus dem östlichen Wetteraukreis stehen folgende Kandidaten zur Wahl: Johannes Wiegelmann (CDU), Bettina Müller (SPD), Mariana Iris Harder-Kühnel (AfD), Andrea Rahn-Farr (FDP), Knut Kiesel (Grüne), Stella Smith (Linke), Carsten Hildebrandt (Freie Wähler) und Brigitte Meyer-Simon (die Basis).

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