Borkenkäfer, Stürme und Hitze haben am Saukopf riesige Schneisen hinterlassen. Für einen Windpark müsste man nicht mehr viel roden, lautet ein Argument der Befürworter. ARCHIVFOTO
+
Borkenkäfer, Stürme und Hitze haben am Saukopf riesige Schneisen hinterlassen. Für einen Windpark müsste man nicht mehr viel roden, lautet ein Argument der Befürworter. ARCHIVFOTO

20 statt drei Anlagen

Neues Bündnis fordert Windpark am Winterstein

  • vonred Redaktion
    schließen

Um gemeinsam für einen Windpark am Winterstein zu kämpfen. haben sich nun mehrere Gruppen und Parteien zu einem "Bündnis Winterstein" zusammengeschlossen.

Die Offenlegung des gemeinsamen Bebauungsplans Nr. 92 "Natur- und Erholungsgebiet Winterstein" der Kommunen Friedberg, Ober-Mörlen, Rosbach und Wehrheim habe zur Gründung geführt, teilt das Bündnis mit. Denn sie sehen die Aufstellung eines Bebauungsplans als "Verhinderungsplanung" an. Laut dem Regionalplan sind etwa 20 Anlagen auf dem Taunuskamm möglich. Der aktuelle Bebauungsplan sieht Flächen für lediglich drei Windräder vor, zwei auf Friedberger Gemarkung, eine auf Rosbacher.

Gegen den Entwurf hatten bereits von mehreren Organisationen grundlegende Einwände eingereicht, unter anderem der BUND, der Energiebildungsverein oder "Querstellen" Friedberg. "Aus Verantwortung für das Klima und zum Schutz des Waldes", wie es in ihrer Veröffentlichung des Bündnisses heißt, werden die beteiligten Kommunen aufgefordert, ihre "Verhinderungsplanung" aufzugeben und einen effektiven Ausbau des Windvorranggebietes voranzutreiben.

Seit vielen Jahren wird das Thema Windenergie auf dem Winterstein diskutiert. Die Gegner hätten sich dabei stets auf den Schutz des Waldes und der Tiere berufen. "Der Klimawandel und daraus entstehende Gefahren für das menschliche Überleben wurden lächerlich gemacht", schreibt Bündnis-Sprecher Diethardt Stamm.

Die Situation habe sich geändert, denn die Klimakrise sei bereits für alle persönlich spürbar. "Kinder und Jugendliche sowie die Mehrheit der Bevölkerung fordern, mehr zum Schutz des Klimas zu tun. Der Klimawandel hat bereits den Wald auf dem Wintersteingebiet erheblich zerstört und bedroht die dort lebende Tierwelt." Der beste Schutz für Klima, Natur und Mensch sei der Ausbau der Windenergie.

Das Land Hessen ist bestrebt, 2 Prozent der Landesfläche für die Nutzung von Windkraft bevorzugt auszuweisen. Das Gebiet des Wintersteins - als größte Fläche in der Wetterau und laut Stamm mit hohen Windgeschwindigkeiten - gehört dazu.

Bebauungsplan "ein Desaster"

Die Kommunen Friedberg, Rosbach, Ober-Mörlen und Wehrheim seien daher gefordert, einen Bebauungsplan so aufzustellen, "dass im Sinne von Natur, Wald, erneuerbaren Energien, CO2-Einsparung, Bürger- und Kommunenbeteiligung möglichst eine optimale Nutzung des Wintersteingebietes erfolgt", fordert das Bündnis. Der vorgelegte Bebauungsplan sei "ein einziges Desaster". Die Standorte für die drei vorgesehenen Windenergieanlagen seien so ausgewählt, dass jegliche Weiternutzung des Wintersteingeländes verhindert werde. Das Bündnis wirft den Kommunen zudem vor, "illegale Einschränkungen" wie die Höhenbegrenzung der Anlagen auf 140 Meter oder wettbewerbswiderrechtliche Technikvorgaben in den Plan geschrieben zu haben, um potentielle Betreiber abzuschrecken.

Das Bündnis "Windpark Winterstein" werde Einfluss darauf nehmen, dass "schnellstmöglich ein großer und effektiver Windpark am Winterstein errichtet wird". Man werde die Bürgermeister der vier Kommunen auffordern, den Planentwurf zurückzuziehen und "nicht noch mehr Steuergelder dafür zu verschwenden". Das Bündnis biete an, die Einwände auch in persönlichen Gesprächen zu erläutern. Bei den anstehenden Kommunalwahlen werde man auf die "seit Jahren in den Winterstein-Kommunen verfehlte Klima- und Energiepolitik" hinweisen. Stamm: "Wer weiterhin die notwendige CO2-Reduzierung verhindert, ist angesichts der dramatischen Klimakrise nicht mehr wählbar." Das Bündnis unterstütze die "Fridays for future"-Bewegung, alle Klimaschützer seien eingeladen, sich anzuschließen.

Das Bündnis

Zum Bündnis gehören Wetterau im Wandel, Querstellen-Friedberg, Fridays for Future Friedberg/Bad Nauheim und Hochtaunuskreis, die BUND-Kreisverbände Wetterau und Hochtaunus, mehrere BUND-Ortsverbände um den Winterstein, der

NABU-Kreisverband Wetterau, die Energiegenossenschaften pro regionale Energie eG und Main-Kinzigtal eG, die Mittelhessische Energiegenossenschaft, das Bürger*innen-Bündnis WIR, der Energiebildungsverein, der Verein So’ne Kraft Hochtaunus sowie die Grünen in Friedberg, Rosbach, Butzbach und im Wetteraukreis und die Linke im Wetteraukreis.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare