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Kaserne, Kaiserstraße, Seewiese und Bahnhofsvorplatz: So lauten die ersten Projekte, die Dr. Andreas Stefansky, neuer Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Liegenschaften und Rechtswesen angehen will.

Dr. Andreas Stefansky hat viel vor

Neuer Stadtbauamtsleiter in Friedberg: Umwandlung der Kaserne in neuen Stadtteil größte Herausforderung

  • Jürgen Wagner
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Kaserne, Kaiserstraße, Seewiese und Bahnhofsvorplatz: So lauten die ersten Projekte, die Dr. Andreas Stefansky, neuer Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Liegenschaften und Rechtswesen, angehen will.

Sein erster Gedanke, als er nach Friedberg kam, war: »Hier gibt es viel Potenzial.« Dr. Andreas Stefansky sagt das ohne Ironie. Die Friedberger habe er als sehr offen kennengelernt; wenn gemeckert werde, zeige das, »dass die Leute Interesse an der Stadt haben und sich engagieren wollen«. Deshalb spricht Stefansky nicht von dem, was liegengeblieben ist, sondern davon, was zu tun ist. Und da steht an erster Stelle die Kasernen-Konversion. Der Planentwurf des 74 Hektar großen Geländes im Süden Friedbergs ist bislang der einzige Wandschmuck in seinem Büro im Stadtbauamt.

Seit 1. Januar ist Stefansky als Nachfolger von Dr. Christiane Pfeffer Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Liegenschaften und Rechtswesen. Soll der 53-jährige gebürtige Dortmunder aufzählen, was er vorher gemacht hat, muss er ausholen. »Mein Lebenslauf ist nicht geradelinig.«

Nach einer Ausbildung zum Feinmechaniker (»Ich wollte etwas praktisches machen«), folgte ein Architekturstudium an der FH Dortmund mit Schwerpunkt Stadt- und Regionalplanung. 1995 nahm er eine Stelle bei der Gemeinde Wentorf bei Hamburg an. Seine Aufgabe: Die Konversion der 50 Hektar großen Kaserne, in Zusammenarbeit mit der schleswig-holsteinischen Landesentwicklungsgesellschaft. »Wir haben das ohne finanzielle Risiken umgesetzt, hatten trotzdem maximale Planungskontrolle.« Nach viereinhalb Jahren war das Projekt abgeschlossen, Stefansky wechselte zur Bauaufsicht der Stadt Kempen (NRW).

Neue Leiter des Stadtbauamtes Friedberg: Die Doktorarbeit reicht ihm nicht

Nächste Station: Die TU Dortmund, wo Stefansky Raumordnung studiert und promoviert. Seine Doktorarbeit untersucht die interkommunale Zusammenarbeit. Mit dem Doktortitel ausgestattet trat er eine Stelle als wissenschaftlicher Referatsleiter bei der Akademie für Raumentwicklung in der Leibnizgemeinschaft an. Weil das einen wissbegierigen Menschen nicht ausfüllt, hängte Stefansky ein begleitendes Studium in Wissenschaftsmanagement an der Verwaltungs-Uni in Speyer an.

Stefansky ist Herausgeber eines Grundlagenwerks zur Stadt- und Raumentwicklung, hat hier ein Netzwerk aufgebaut, das es in dieser Form vorher nicht gab. Durch seine Arbeitsplätze an verschiedenen Orten in Deutschland habe er verschiedene Mentalitäten kennengelernt. »Wie funktioniert Gesellschaft?« Diese Frage treibe ihn an. Lösungen will er nun in der Praxis erarbeiten, in Friedberg. Stefansky hat klare Vorstellungen, wie es in der Stadtentwicklung weitergeht. Das ISEK als Arbeitsgrundlage liege vor, müsse noch beschlossen werden. Für die Kaserne gilt: »Bis Ende des Jahres ist der Weg des Vorgehens klar. Bis spätestens Mitte 2022 haben wir einen Partner.« Ab Herbst 2022 sollen die ersten B-Planverfahren anlaufen. »Das ist ambitioniert«, räumt Stefansky ein. »Aber zu schaffen.« Wie an seiner ersten beruflichen Wirkungsstätte gilt: »Die Stadt soll bei der Konversion möglichst geringe finanzielle Risiken tragen.« Das Verfahren müsse transparent sein, die Umsetzung wünscht er sich »geradlinig und geschmeidig«.

Neue Leiter des Stadtbauamtes Friedberg: Dr. Andreas Stefansky hat viele Pläne

Stefansky wird sich im Rathaus auch um die Wirtschaftsförderung kümmern. Für den Kaiserstraßen-Umbau wünscht er sich »Experimente unter Beteiligung der Gewerbetreibenden«. Auf der Seewiese sei viel möglich. Ein Defizit seien die Radverbindungen; gut, dass die Stadtverordneten das Radwegekonzept angestoßen haben, sagt Stefansky. Bei Bauprojekten wünscht er sich mehr Wettbewerbe. Und mehr Personal. Vor allem fehle ein Klimaschutzbeauftragter.

Stefansky (53) ist »glücklich liiert«, seine Freundin ist Ärztin im Gesundheitsamt Hannover, macht gerade ihre 2. Facharztausbildung. »Derzeit führen wir eine Fernbeziehung, ich bin das Voraus-Kommando«, lacht er. Er hat eine schöne Wohnung in der Stadt gefunden. Als Freund der Kultur (»Kino, Theater, Museen«) freut er sich auf die Zeit nach der Pandemie. Sein Hobby ist Paddeln, da ist Friedberg keine Hochburg.

Zu den Pfunden, mit denen Friedberg wuchern könne, zählt der Bahnhof, dessen Umgestaltung 2023 beginnen soll. Ein dickes Plus sei der ICE-Anschluss. »Ich bin in zwei Stunden und neununddreißig Minuten in Hannover.« Und genauso schnell wieder in der neuen Heimat.

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