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Neuer Schwung für Karussell & Co.: Wetterauer Schausteller starten durch

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Von: Christoph Agel

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Die Pferde von Alexander Köhlers Karussell kennt man unter anderem von der Bad Nauheimer Kerb. © Nicole Merz

Nach zwei harten Jahren für die Branche starten die Schausteller in die Saison 2022. Auch Alexander Köhler aus Florstadt und Peter Roie aus Altenstadt.

Normalerweise wäre Alexander Köhler bereits in die Saison gestartet. Der Schausteller aus Florstadt hätte sich im März nach Gelnhausen zum Barbarossamarkt aufgemacht, um den Besuchern dort Freude zu bereiten. Doch was ist schon normal, wenn Pandemie ist? Die Schausteller-Branche ist wegen der Einschränkungen in den vergangenen zwei Jahren arg gebeutelt, und vorbei ist die Pandemie noch nicht. Allerdings schaut Köhler nun optimistisch nach vorne. Der Barbarossamarkt ist auf den Mai verschoben worden, Köhler wird dabei sein. Seinen Saisonstart wird der Florstädter vom 8. bis 24. April bei der Frühjahrsmesse in Speyer haben - mit einem Schießstand. Nächste Station: Rosbach, Blütenfest.

»80 Prozent der Veranstaltungen finden so statt wie sie immer stattgefunden haben«, sagt Köhler mit Blick auf dieses Jahr. »Ich denke, dass wir in 2022 eine fast normale Saison haben, wie es vor Corona war.« Man sei auf einem guten Weg hin zu ein bisschen Normalität. »Die Leute wollen raus, wollen was erleben«, sagt Köhler. Und Schausteller würden eben für Freude sorgen.

Grund zur Freude gab es in den vergangenen beiden Jahren in der Branche selten. Viele Feste fielen wegen der Pandemie aus, teilweise hatten Schausteller schon aufgebaut, mussten dann wieder abbauen, ohne dass ein Kind auf dem Karussell gesessen oder eine Bratwurst verspeist hätte.

»Herbst-Feelings« 2022 in Friedberg

Köhler und sein Team - mit ihm drei Festangestellte plus Aushilfen - haben solch eine Situation nicht erleben müssen, aber auch er ist froh, dass es wieder los geht mit den Festen. Hat er Sorge, dass im nächsten Winter die Pandemie mit voller Wucht zuschlägt und wieder dafür sorgt, dass Veranstaltungen ausfallen? »Friedberg on Ice«, das sich in der Innenstadt etabliert hat, sei schon geplant, antwortet Köhler.

»Es ist schon auch immer ein bisschen Abenteuer in dem Beruf dabei. Man weiß nie, was einen erwartet.« Als Schausteller müsse man sich an jede Gegebenheit neu anpassen. Ein Beweis dafür, dass das klappt, sind 2021 die Friedberger »Herbst-Feelings« gewesen. Ein dezentraler Rummel auf der Seewiese - als Ersatz für den Herbstmarkt. Auch in diesem Jahr werde es wieder die »Herbst-Feelings« geben, kündigt Köhler an. »Unterm Strich muss man sagen, es war eine gute Veranstaltung«, sagt er mit Blick auf die Premiere 2021. »Man war gezwungen, neue Ideen zu entwickeln und neue Dinge auszuprobieren, ohne die Gewissheit zu haben, dass es funktioniert.« Vielleicht werde es in diesem Jahr mehr Geschäfte und weniger Abstand geben. Vorgesehen seien jedenfalls zwei Wochenenden auf der Seewiese.

Sorgen wegen Sprit- und Energiepreisen

»Es ist für mich gefühlt die teuerste Achterbahnfahrt meines Lebens. Am Ende, wenn man ausgestiegen ist, weiß man, wie man es vertragen hat«, sagt Peter Roie, Inhaber des gleichnamigen Schausteller-Betriebs in Altenstadt. Auch er und sein Team haben harte Monate hinter sich. Bald werden sie wieder durchstarten. Es geht zunächst nach Frankfurt, wo Roie die Dippemess bereichern wird. Das Fest dauert vom 8. April bis zum 1. Mai.

Normalerweise habe er pro Jahr 40 bis 45 Veranstaltungsverträge, bisher seien es zehn für 2022, sagt Roie. Er gehe aber davon aus, dass die anderen noch reinkommen. Auch die Bad Nauheimer Kerb und die Friedberger »Herbst-Feelings« stehen in seinem Terminkalender. »Im Moment sind wir startbereit, allerdings mit angezogener Handbremse«, sagt er. Das Publikum verstehe jetzt noch mehr, in Eigenverantwortung mit der Pandemie umzugehen.

Was Roie nun Sorgen bereitet, sind die gestiegenen Sprit- und Energiepreise. Und der drohende Mangel an bestimmten Produkten. Gebe es keinen Weizen, dann gebe es auch keine Brötchen und keinen Crêpes.

Das Kosten-Plus bei Energie und Sprit hat für Roie schon eine Konsequenz: Normalerweise wäre sein Unternehmen gleichzeitig bei der Frankfurter Dippemess und auf dem Frühlingsvolksfest in Nürnberg vertreten. Roie hat sich aber für Frankfurt und gegen Nürnberg entschieden. Die Gründe: unklare Stromkosten und ein leerer 800-Liter-Lkw-Tank.

»Wir fahren mit 50 Prozent Kapazität in die Saison, leider«, erläutert der Schausteller. Bleibt zu hoffen, dass sich die Prozentzahl bald erhöhen kann, denn, so sagt es der Altenstädter: »Lebensfreude ist die beste Medizin überhaupt.«

Welche Feste in diesem Jahr in Bad Nauheim geplant sind

In Bad Nauheim gibt es in diesem Jahr viel zu feiern - vorausgesetzt die Pandemie macht bei keinem Fest einen Strich durch die Rechnung. Erster Stadtrat und Kulturdezernent Peter Krank verweist auf einen ganzen Fest-Reigen, der Bad Nauheimern und Besuchern der Kurstadt 2022 geboten wird: »Die Bad Nauheimer traditionsreichen Veranstaltungen, wie das Rosenfest (15. bis 18. Juli), das European Elvis Festival (12. bis 14. August), das Jugendstilfestival (9. bis 11. September), die Quelledankfeier (August 2022); die Bad Nauheimer Kerb (Herbst 2022) und auch der Christkindlmarkt (Winter 2022) befinden sich aktuell in der Planung und sollen wie in Vor-Corona-Zeiten stattfinden. Selbstverständlich nur, sofern es die pandemische Lage und die damit verbundenen Bestimmungen zulassen.«

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