Westlich der Dorheimer Ortsumgehung soll der neue Recyclinghof entstehen.
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Westlich der Dorheimer Ortsumgehung soll der neue Recyclinghof entstehen.

Kreistag

Neuer Recyclinghof kommt, Abfallgebühren steigen

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Wetteraukreises baut in Dorheim einen neuen Recyclinghof; außerdem steigen die Abfallgebühren im Kreis.

Zwei Entscheidungen, die am Mittwoch im Kreistag mit den Stimmen der großen Koalition beschlossen wurden. Im Falle des Recyclinghofs kritisierten insbesondere die Freien Wähler, dass sich Friedberg und Bad Nauheim nicht an den Kosten beteiligten.

Der Recyclinghof auf dem Ovag-Gelände an der B 455 platzt aus allen Nähten. Bis zu 500 Kunden kommen pro Tag, es gibt lange Warteschlangen. Das 2000 Quadratmeter große Grundstück lässt sich nicht erweitern. »Eine ersatzlose Streichung wird es mit mir nicht geben«, sagte Abfalldezernent Klaus-Peter Schäfer (CDU) im Kreistag. Das würde nur dazu führen, dass es noch mehr wilde Müllablagerungen in der Natur gebe.

Der AWB hat sieben Alternativen überprüfen lassen. Das einzige Grundstück, das infrage kommt, ist ein 9495 Quadratmeter großes Areal westlich der Dorheimer Ortsumgehung, das bislang von der Wetterauer Getränkeindustrie genutzt wurde.

Städte sollen sich beteiligen

Für den Grundstückskauf steht eine Million Euro bereit, die Baukosten (Zufahrt, Waagen, Bürocontainer) betragen 600 000 Euro. Der FW-Fraktionsvorsitzende Erich Spamer (Büdingen) sagte, es könne nicht angehen, »dass viele Kommunen Recyclinghöfe vorhalten, Bad Nauheim und Friedberg dies aber dem AWB überlassen«. Dies habe historische Gründe, sagte Schäfer: »Wir stehen in Kontakt zu den beiden Städten und sind zuversichtlich, dass es zu einer Vereinbarung über eine Kostenbeteiligung kommt.«

Mit Hessen Mobil wird über den Bau einer Abbiegespur zur Kreisstraße 175 verhandelt. Ziel ist es, den Betrieb spätestens im Frühjahr 2019 aufzunehmen, »möglichst jedoch noch 2018«.

Für Diskussionen sorgte auch die Erhöhung der Abfallgebühren. Hintergrund ist ein Kreistagsbeschluss von 2013. Damals stand in den Büchern des AWB eine Gebührenrücklage in Höhe von 7,2 Millionen Euro. Der Kreistag beschloss, dass die Rücklage abgebaut wird. Die Gebühren sanken in der Folge. Zum 31. Dezember 2017 wird die Rücklage noch 1,6 Millionen Euro betragen, der größte Teil wurde somit über niedrigere Gebühren an die Bürger zurückgegeben.

Zuletzt kostete die Entsorgung einer Tonne Restmüll 50 und 60 Euro, demnächst sind 105 Euro fällig. Die Anlagen sind fast ausgelastet, das treibt die Preise in die Höhe. Der AWB erwartet eine jährliche Deckungslücke von 3,4 Millionen Euro. Die Erhöhung der Gebühren sei unumgänglich, sagte Schäfer.

Der Abfalldezernent stellte noch einmal klar, dass es keine Verträge des AWB oder des Wetteraukreises über die Entsorgung von britischem Müll gebe. Vielmehr seien die Betreiber der Müllverbrennungsanlagen solche Verträge eingegangen, als sie Ende des letzten Jahrzehnts fürchteten, ihre Anlagen würden nicht ausgelastet. Mit dem Wirtschaftsaufschwung in Deutschland stieg auch die Abfallmenge. Nun steigen die Preise.

Rücklagen zu schnell geplündert?

Dass die Gebühren für Kompost stärker steigen als für Restmüll, können die Grünen nicht für gut heißen. »Kompostierung und Vergärung bleiben unsere Ziele«, sagte Gerhard Salz. Georg Reuss (AfD) nannte es angesichts der Entwicklungen auf dem Abfallmarkt überlegenswert, eine eigene Müllverbrennungsanlage zu bauen. Zuletzt wurde dies 1988 für Wölfersheim diskutiert. Der Vorschlag stieß auf wenig Gegenliebe.

»Wir kommen um eine Erhöhung nicht herum«, stellte Sebastian Wysocki (CDU) klar. Jörg-Uwe Hahn (FDP) warf CDU und SPD vor, die Rücklage sei »zu schnell geplündert worden«, wurde aber aus den Plenum daran erinnert, wer damals Abfalldezernent war: Hahns Parteikollege Wolfgang Patzak. Der AWB wird nun die Gebührensätze für die Städte und Gemeinden anheben, die diesem Beispiel folgen dürften und ihrerseits höhere Gebühren von den Bürgern verlangen.

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