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Neuer Name für Platz gesucht: Nichts gegen Elvis, aber…

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Der Elvis-Presley-Platz soll umbenannt werden, fordert eine Facebook-Gruppe.
Der Elvis-Presley-Platz soll umbenannt werden, fordert eine Facebook-Gruppe. © Jürgen Wagner

Friedberg (jw). Die Zeiten, als der Elvis-Song »Always on my mind« noch uneingeschränkt für die Jugend galt, sind lange vorbei. Und auch unter den Friedberger Jugendlichen der 50er-, 60er- und 70er-Jahre regt sich Widerstand gegen die Tatsache, dass der zentrale Platz in Friedbergs Stadtmitte nach dem »King of Rock’n’Roll« benannt ist.

»Nichts gegen Elvis, aber da findet sich bestimmt ein besserer Name«, meinte gestern, als der WZ-Redakteur ein Foto von den Bauarbeiten schoss, ein Friedberger. Mitglieder der Facebook-Gruppe »Ideen für Friedberg« haben sich am Montagabend getroffen. Sie suchen, wie berichtet, einen neuen Namen für den Platz. Ab Samstag (9 bis 13 Uhr) sammeln sie an der Kleinen Freiheit Unterschriften für eine Umbenennung. Zugleich können die Passanten aus mehreren Namensvorschlägen ihren Favoriten wählen – oder neue Vorschläge machen.

Es muss eine turbulente Parlamentssitzung gewesen sein, damals Anfang Februar 1995. So turbulent, dass der WZ-Berichterstatter die Sache einfach nicht ganz ernst nehmen konnte und von einem »parlamentarischen Presley-Symposium« schrieb. Auf Antrag des CDU-Fraktionsvorsitzenden Ulrich Kiefer und mit knappem Ausgang wurde entschieden, das zuvor namenlose Areal fortan Elvis-Presley-Platz zu nennen. Es gab 16 Ja-Stimmen (CDU plus drei SPD-Abgeordnete), zwölf Mal »Nein« (SPD, UWG, Grüne) sowie vier Enthaltungen (Grüne, UWG).

Den Zuruf aus dem Publikum, Kiefer solle am Rednerpult »Love me tender« singen, überging der Angesprochene. Deutliche Widerworte kamen von Helmut Spohrs (Grüne): Die CDU wolle nur auf einen längst abgenudelten kommerziellen Zug aufspringen, sagte er, der Antrag sei scheinheilig, da die gleichen Leute Elvis seinerzeit wegen seiner »Zuckungen« verteufelt hätten. Woraufhin Rosa Maria Bey, die auch heute noch für die CDU im Stadtparlament sitzt, den Zwischenruf hören ließ: »Wir haben mitgezuckt!«

Heute zucken viele jüngere Leute mit den Schultern, wenn sie den Namen Elvis Presley hören. Und politisch interessierte Menschen zucken vielleicht zusammen, wenn sie erfahren, dass die Namensgebung seinerzeit weder mit den Bürgern abgestimmt war, noch in einem Parlamentsausschuss diskutiert wurde. »Die Öffentlichkeit war damals leider nicht beteiligt«, sagt Mark Bansemer, der Initiator der Facebook-Gruppe.

Namen für zwei weitere Plätze

Im Juni 1995 gab das Stadtparlament auf Antrag der SPD zwei weiteren Plätzen Namen, diesmal fiel das Votum einstimmig aus. Das lag wohl daran, dass es zwei bedeutende Friedberger waren, die auf diese Weise geehrt wurden: der Dichter und Büchner-Preisträger Dr. Fritz Usinger, vor dessen Wohnhaus in der Burg im Jahr drauf eine Gedenktafel errichtet wurde und Wolf Schmidt, der Regisseur, Autor und Schauspieler, der mit der TV-Familie »Hesselbach«, der ersten »Sitcom« im deutschen Fernsehen, bekannt wurde. In der Lutheranlage, wenige hundert Meter von seinem Geburtshaus entfernt, wurde ein Spielplatz nach ihm benannt. Heute stehen dort Sportgeräte für Senioren.

Das ist deshalb von Bedeutung, weil einer der Namensvorschläge, welche die Facebook-Gruppe den Friedbergern macht, Wolf-Schmidt-Platz lautet. Käme es dazu, müsste das Stadtparlament, bevor der Elvis-Presley-Platz umbenannt werden könnte, auch den Platz in der Lutheranlage entwidmen. »Dort sollte eine Hinweistafel erläutern, warum Luther als Namensgeber gewählt wurde«, meint Bansemer. Der Reformator kam einst auf dem Weg vom Reichstag in Worms zur Wartburg auch durch Friedberg.

Doch es gibt weitere Vorschläge. Waaghausplatz lautet der eine. Damit würde an die zentrale Anlaufstelle der Händler im Mittelalter erinnert, die hier ihre Waren wiegen ließen; Reste des Waaghauses wurden kürzlich bei den Bauarbeiten gefunden. Ein anderer Vorschlag lautet Platanenplatz. Rund 20 Platanen sollen einmal auf dem Platz stehen und für grünes Flair mitten in der Stadt sorgen. Nicht auszuschließen ist auch, dass es am Ende bei »Elvis-Presley-Platz bleibt; auch diese Möglichkeit können die Teilnehmer der Umfrage, welche die Facebook-Gruppe am Samstag startet, ankreuzen. Oder sie können ganz neue Vorschläge machen. Wie Bansemer mitteilt, sollen bis 27. September sowohl Unterschriften für eine Umbenennung wie auch Namensvorschläge gesammelt werden. Auch er hat nichts gegen einen Elvis-Presly-Platz, nur eben nicht in der Stadtmitte: »Ein Platz in der Kaserne würde sich anbieten.« Außerdem gibt es noch den Elvis-Kreisel im Süden der Stadt. Der wurde zwar nicht offiziell so benannt, der Name hat sich aber dank des übermannshohen Denkmals längst durchgesetzt.

Die ausgefüllten Listen will die Facebook-Gruppe Ende September dem Magistrat übergeben, das letzte Wort hat dann das Stadtparlament.

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