Der Fürstenbahnhof wurde 1897/98 für Besuche des Darmstädter Großherzogs errichtet. Gleich daneben stellen sich die Grünen den Ort für den neuen Fußgängertunnel vor. Der Parkplatz könnte zum Busbahnhof umgebaut werden.			FOTO: NICI MERZ
+
Der Fürstenbahnhof wurde 1897/98 für Besuche des Darmstädter Großherzogs errichtet. Gleich daneben stellen sich die Grünen den Ort für den neuen Fußgängertunnel vor. Der Parkplatz könnte zum Busbahnhof umgebaut werden. FOTO: NICI MERZ

Bahnhof-Sanierung

Neuer Fußgängertunnel am Friedberger Fürstenbahnhof?

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
    schließen

Die Bahn muss einen neuen Fußgängertunnel zu den Gleisen des Friedberger Bahnhofs graben. Wo soll er hin? Die Grünen haben die Diskussion eröffnet und gleich einen Vorschlag gemacht.

Seit zig Jahren wird der barrierefreie Umbau des Friedberger Bahnhofs geplant. Die jüngste Nachricht der Bahn AG war eine Hiobsbotschaft, die zugleich neue Chancen eröffnet: Die Sanierung verzögert sich, weil sich herausgestellt hat, dass der Boden unter dem alten Fußgängertunnel nicht tragfähig genug für eine Sanierung ist. Immerhin fließen die Informationen aus dem Friedberger Rathaus sehr zügig. »Um 17.30 Uhr kam eine E-Mail von der Bahn AG mit dem Planfeststellungsbeschluss. Am Ende der Sommerferien beginnen die Arbeiten«, verkündete Bürgermeister Dirk Antkowiak am Donnerstagabend im Stadtparlament.

Bodenmessungen hatten ergeben, dass die Standsicherheit der Wände nicht gewährleistet werden kann, wenn Bauarbeiter Eingriffe in den bestehenden Tunnel vornehmen. Die Bahn hat die Sanierung daher in zwei Abschnitte unterteilt. Ab 24. August werden zunächst die Bahnsteige erneuert - von den Dächern über die Entwässerung bis zur Elektronik und zu neuen Fahrtanzeigetafeln. Im zweiten Bauabschnitt wird der neue Tunnel gegraben. Wo? Das steht noch nicht fest.

Grüne wollen nicht auf die Bahn warten

Für die Grünen ist dies eine Chance, dass die Stadt selbst aktiv wird und der Bahn Vorschläge macht. Grünen-Sprecher Bernd Stiller erläuterte die Vorschläge: So sollen zunächst alle möglichen Standorte der neuen Unterführung hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Stadtentwicklung untersucht und bewertet werden. Die Stadt solle hierfür mögliche Varianten bei der Bahn erfragen. Auch eine Bürgerbeteiligung über die Vor- und Nachteile der Standortvarianten schlagen die Grünen vor. Hierbei müsse auch eine mögliche Verlängerung des Tunnels nach Fauerbach betrachtet werden. Der »Durchstich«, so die Forderung der Grünen, solle zum Bestandteil der Planungen werden.

Man wolle das Projekt möglichst nicht verlangsamen, sagte Stiller. Ziel müsse aber eine Mitsprache der Stadt bei der Entscheidung über den Standort sein. Es gebe zwei Möglichkeiten, sagte Stiller: »Entweder wir warten ab, schimpfen dann über den Vorschlag der Bahn und müssen womöglich in den sauren Apfel beißen. Oder wir machen uns eigene Gedanken.«

Noch ist nicht klar, wo der Tunnel gegraben werden kann. Hierzu muss die Bahn neue Untersuchungen vornehmen. Das Areal südlich des Bahnhofsgebäudes bietet sich an, die Bahn will den dortigen Gepäckschuppen abreißen lassen. Hier könnte ein neuer Busbahnhof entstehen. Die Bahnreisenden könnten dann bequem zu Fuß zum Bus gehen, der mehr oder weniger direkt vor der Tür hält. Diese Variante wird bereits intern diskutiert.

Wunsch: Durchstich nach Fauerbach

Die Grünen machen einen anderen Vorschlag. Wie Fraktionsvorsitzender Florian Uebelacker der WZ sagte, biete die nördliche Variante am Fürstenbahnhof mehr Vorteile. Der Parkplatz könne zum Busbahnhof umgestaltet werden. Die Parkplätze müssten dann verlegt werden, beispielsweise dorthin, wo bislang noch der Gepäckschuppen steht.

Ein weiterer Standortvorteil kommt hinzu: Würde die Bahn den Tunnel am Fürstenbahnhof graben, wäre ein Durchstich nach Fauerbach wohl leichter zu bewerkstelligen als weiter südlich; das Bahngelände ist hier weniger breit, die Einkaufsmärkte lägen in direkter Nähe zum Ausgang des Tunnels. Außerdem, so die Grünen, liege ein Tunnel in Höhe des Fürstenbahnhofs näher an der Innenstadt.

Wobei zum Thema Durchstich erwähnt werden muss, dass dies bislang nur ein Wunsch vieler Bürger ist, die Bahn AG sich aber nicht an den Kosten beteiligen würde und es sich um ein Millionenprojekt handelt, welches die Stadt stemmen müsste.

Sowohl Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) als auch der CDU-Vorsitzende Bernd Wagner sprachen von einem »interessanten«, einem »smarten« Antrag. »Aber manches gefällt uns gar nicht«, ergänzten beide. Wagner nutzte die Gelegenheit, um daraufhinzuweisen, wer in der Vergangenheit als erstes den Durchstich gefordert habe: die Friedberger CDU. Was angesichts der leeren Stadtkassen aber nicht automatisch heißt, dass es auch eine Mehrheit für dieses Projekt gibt. Wagner beantragte die Überweisung des Antrags in den Ausschuss für Stadtentwicklung. Es gibt noch viel Gesprächsbedarf. Ob die Bahn auf die Vorschläge der Stadt eingeht, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare