Die Ockstädter Straße zählt zu den Raserstrecken in Friedberg. Oft fahren hier Pkw mit mehr als 100 Stundenkilometer in die Stadt ein. Für Fußgänger, die hier die Straße überqueren, ist das lebensgefährlich. Die neuen Schilder sollen helfen.
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Die Ockstädter Straße zählt zu den Raserstrecken in Friedberg. Oft fahren hier Pkw mit mehr als 100 Stundenkilometer in die Stadt ein. Für Fußgänger, die hier die Straße überqueren, ist das lebensgefährlich. Die neuen Schilder sollen helfen.

Appell der Stadt

Neue Tempo 30-Schilder in Friedberg: Freiwillig langsamer fahren

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Tempo 30 auf fast allen innerstädtischen Straßen - das wollte Erste Stadträtin Marion Götz (SPD) für Friedberg erreichen. Der Wetteraukreis bremste dies aus. Jetzt hängen neue Tempo-30-Schilder.

Es ist 5.30 Uhr, Friedberg schläft noch. An der Ockstädter Straße ragen die markanten Betonstelen der Kita Winterstein in den noch dunklen Himmel. Ein paar Vögel zwitschern, sonst ist es ruhig. Plötzlich ist ein röhrendes Donnern zu hören, das näherkommt, und dann rast von der B 3 oder von Ockstadt kommend eine schwarze Limousine zwischen Kita und Psychiatrie in einem derart irren Tempo durch, dass man sich wünscht, der Fahrer würde ganz schnell in der letzteren der beiden erwähnten Einrichtungen festgesetzt.

Solche Beobachtungen hat schon so mancher Friedberger gemacht. Besonders jene, die in der Kaiserstraße, der Ockstädter Straße oder auf einer der beiden Seiten der Bahngleise wohnen. Ein schwarzes Sport-Coupé, das am Sonntagmorgen mit geschätzten 150 Sachen über die Kaiserstraße rast - alles schon dagewesen.

Die Stadt wollte die Raser ausbremsen. Nach einem einstimmigen Beschluss der politischen Gremien ließ Götz im Sommer 2018 an weiteren Straßen im Stadtgebiet Tempo-30-Schilder aufstellen.

Neue Tempo 30-Schilder in Friedberg: Kein offizielles Verkehrszeichen

Der Wetteraukreis als Aufsichtsbehörde hatte eine andere Sicht auf die Rechtslage, ordnete an, die Schilder zu entfernen. Die Stadt musste sich fügen. In Leserbriefen äußerten die Friedberger ihren Unmut, es half nichts. Anfang Februar wurden die Schilder auf vier stark befahrenen Strecken wieder demontiert.

An der Tatsache, dass vielen Bürgern die Raser weiterhin ein Dorn im Auge sind, hat sich freilich nichts geändert. Götz verriet unter der Hand schon im Februar, dass sie noch ein Ass im Ärmel hat: Freiwillig-Tempo-30-Schilder. Götz: »Das ist kein offizielles Verkehrszeichen der StVO, es appelliert an die Freiwilligkeit der Verkehrsteilnehmer.«

Nachdem die Stadt die Tempo-30-Schilder abgebaut hatte, wurden in den betroffenen Straßen Geschwindigkeitsmessungen vorgenommen. Das Ergebnis war, dass die abgebauten Schilder noch eine ganze Zeit lang nachwirkten, viele Autofahrer also weiterhin langsam fuhren.

»Auch Wochen nach Abbau der Schilder war eine Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit an den betreffenden Strecken zu verzeichnen«, sagt die Erste Stadträtin. Nur lässt dieser Effekt zwischenzeitlich auch wieder nach.

Neue Tempo 30-Schilder in Friedberg: Verkehrsmaßnahmen zeigen erste Erfolge

Die im Juli 2018 angeordneten (und später zurückgenommenen) Geschwindigkeitsreduzierungen hätten die gewünschten Erfolge erbracht. Götz: »Es gab eine deutliche Reduzierung der Geschwindigkeiten auf den Strecken und eine hohe Akzeptanz der Bevölkerung für die Maßnahme.«

Da viele Bürger weiter ein Tempolimit forderten, wolle die Stadt »ihr Mögliches tun, um entlang der betreffenden Strecken die Verkehrsteilnehmer zu sensibilisieren«. Ob sich auch die schlimmsten Rowdys daran halten, bleibt freilich zu bezweifeln.

Ob die Kinder auf dem neuen Verkehrsschild einfach nur spielen oder vor Rasern Reißaus nehmen, bleibt dem Betrachter überlassen. Die Freiwillig-Tempo-30-Schilder wurden in folgenden Straßen aufgestellt: Kaiserstraße, Ockstädter Straße, Am Burgberg, Im Rosental, Barbarastraße und Fauerbacher Straße.

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