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Neue Studentenwohnungen in der Friedberger Schulstraße

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Friedberg (chh). Wo einst Apfelwein gekeltert wurde, sollen ab Ende des Jahres Studenten eine Bleibe finden. Die ehemalige Kelterei der Schillerlinde in der Schulstraße ist abgerissen worden, die Bad Nauheimer KLW Invest GmbH will an der Stelle Studentenwohnungen bauen lassen.

Laut Peter Krause, der die Investorengruppe als Seniorchef vertritt, sollen auf dem 305 Quadratmter großen Gelände 16 Studentenappartements mit einer Größe von 18 bis 21 Quadratmetern entstehen. »Die Wohnungen werden komplett möbliert. Arbeitsplatz, Teeküche, Bett, Duschzelle, alles fix und fertig«, sagt der 73-Jährige. Zudem gebe es einen Fahrradkeller, Waschmaschinen und Parkplätze. Die Investitionssumme liege bei gut einer Million Euro.

Die Idee, die ehemalige Kelterei in Studentenwohnungen zu verwandeln, hatte Architekt und Projektleiter Peter A. Müller vom Büro Müller&Kölsch. Da das Gebäude trotz bester Lage seit Jahren leer stand, nahm er Kontakt mit dem Eigentümer auf und brachte ihn mit der KLW Invest GmbH zusammen. Die Verhandlungen verliefen erfolgreich, im April konnte mit dem Abriss begonnen werden. Jetzt geht es ans Bauen, ein dreistöckiges Gebäude (plus Dachgeschoss) soll bis Mitte Dezember entstehen – wenn der Denkmalschutz den Bauherren keinen Strich durch die Rechnung macht.

»Wir sind schon zwei bis drei Wochen im Verzug, weil das archäologische Amt jeden Schritt kontrolliert. Das hat zwar alles seine Richtigkeit, trotzdem belastet uns das wahnsinnig«, sagt Krause Senior. Und die Mitarbeiter des Denkmalschutzes sind auch schon fündig geworden. In einer Tiefe von knapp eineinhalb Metern fanden sie übereinanderliegende Steine. Die Konsequenz: Statt Bagger sind derzeit Pinsel in Einsatz. Krause hofft, dass die Steine nicht zu einer antiken Hauswand gehören, denn das könnte den Zeitplan gehörig durcheinanderwirbeln. »Wir halten die Luft an und hoffen, dass sie nichts finden.« Auszuschließen ist das freilich nicht, schließlich liegt die Schulstraße mitten im Altstadtkern, wo bereits vor über 2000 Jahren Menschen siedelten.

So oder so: Wenn das Gebäude mit der Hausnummer 13 fertig ist, können sich die neuen Bewohner über eine hervorragende Lage freuen. »Die Wohnungen sind absolut zentral. Zur Technischen Hochschule sind es zu Fuß nur fünf Minuten«, sagt Krause. Dass sich ausreichend Studenten finden werden, steht für den Seniorchef außer Frage. »Studentenwohnungen sind Mangelware. Die THM stockt enorm auf.«

Das verdeutlichen auch die Rekorde, die die Hochschule Jahr für Jahr vermeldet. Vor zehn Jahren waren 1000 Studenten in Friedberg eingeschrieben, heute sind es bereits über 14 000 – Tendenz steigend. Kein Wunder, dass nicht nur in der Schulstraße Studentenwohnungen entstehen. Der Bad Nauheimer Architekt Alfred Möller beispielsweise lässt im Dachspfad – also direkt am Campus – 92 Studentenwohnungen errichten. Im Spätsommer soll es losgehen, Fertigstellung ist für den Sommer nächsten Jahres geplant. Auch das Studentenwerk hat die Raumnot erkannt und will im Feldwebelbau Einzelappartements für Studenten bauen. »Außerdem ist ein Anbau auf der Ritterwiese geplant«, verrät die Studentenwerkssprecherin Susanne Gerisch. Wann es los geht, sei noch unklar. Fest steht jedoch, dass sich die Studenten auf eine geschichtsträchtige Umgebung freuen können, schließlich werden sie dort wohnen, wo einst der Burggraf residierte.

Das kann die Schulstraße nicht bieten. Dafür bietet die ehemalige Kelterei der Schillerlinde jede Menge Apfelweinkultur, die nur darauf wartet, von den Studenten wiederbelebt zu werden.

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