Mal bunt, mal weiß: Sara Jimenez und Benjamin Pompe haben sich für unterschiedliche Maskenmodelle entschieden.
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Mal bunt, mal weiß: Sara Jimenez und Benjamin Pompe haben sich für unterschiedliche Maskenmodelle entschieden.

Schutzmasken

Das neue Kleidungsstück: Wie beliebt sind die Masken in der Wetterau

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Fast jeder dürfte mittlerweile eine Gesichtsmaske besitzen, denn seit Montag ist das Tragen Pflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln. Was halten Wetterauer davon?

Seit Montag ergibt sich durch die Maskenpflicht ein bisher ungewohntes Bild in Friedberg und Bad Nauheim. Viele tragen ihre Maske auch auf der Straße, Kurgast Christoph Pazdzior etwa, der das handgenähte, bunt gemusterte Teil in Bonn an einer Tankstelle gekauft hat. »Wenn man draußen damit herumläuft, muss es ja nicht aussehen wie aus dem OP«, sagt er.

Sakir Demir aus Bad Nauheim sitzt mit Maske in der Nähe des Wetterhäuschens, er hat sie aus der Apotheke. »Ich war gerade in der Bank«, erklärt er, wieso er sie noch aufhat. Demir ist gelernter Schneider, wollte selbst nähen. Doch als er Stoff habe kaufen wollen, sei ihm die Warteschlange vor dem Näh-Shop des Kaufhauses zu lang gewesen.

Nataliya Sejfic, Inhaberin von »My Brands« und »n-Dress Nataliya« trägt eine Stoffmaske, die ihre Änderungsschneiderin angefertigt hat. »Der Umwelt zuliebe aus Stoff. Man kann sie mal waschen und drüber bügeln«, sagt Sejfic.

Maskenpflicht in der Wetterau: Wenn die Mascara verläuft

Als modische Frau achtet sie zudem darauf, dass die »Gesichtsbekleidung« gut aussieht. »Ich habe sieben Stück«, sagt sie und lacht. Gehe sie irgendwohin, wo das Gegenüber eine Maske trage, fühle sie sich sicherer. »Und ich denke, so geht es auch unseren Kunden.« Luft bekomme sie allerdings schlechter unter der Maske - »man schwitzt und die Mascara verläuft«.

Die buntgemusterte Maske von Sara Jimenez ist von deren Mutter genäht worden. »Es war zum Einen preiswerter, zum Anderen einfacher zu bekommen«, erzählt sie. Ihr Begleiter Benjamin Pompe dachte ebenfalls darüber nach, zu Nadel und Faden zu greifen, entschied sich aber zunächst für ein Einweg-Modell - 15 Stück für 20 Euro. »Die habe ich im Internet bestellt, aber es dauerte drei Wochen, bis ich sie hatte.« Nähen sei schneller und besser für die Umwelt, stellt er fest.

Maskenpflicht in der Wetterau: Kein Gummiband mehr zu bekommen

Andreas Hinz kommt aus dem Bad Nauheimer Tegut, reißt die Maske herunter. »Ich halte es für vollkommen übertrieben«, sagt er. An den Effekt der selbstgenähten Variante glaubt er nicht. Gut tragbar sei sie allerdings, hergestellt von seiner Mutter, die die ganze Familie damit versorgt habe. Statt Gummischlaufe hat das Stoffteil Bänder, »es war kein Gummiband mehr zu bekommen.« Marcel Grabus geht auf die Friedberger Burg zu, mit genähter Maske. »Meine Tante hat sie gemacht, gleich drei Stück«, erzählt der Student. Die Maske trage sich angenehm, rutsche aber etwas, weshalb er noch einen Nasenbügel einarbeiten wolle. »Man merkt die Maske eigentlich nicht, außer dass man sich immer selber anatmet«, sagt Grabus, der die Anordnung sinnvoll findet.

Maskenpflicht in der Wetterau: Gefährliche Feuchtigkeit

Nahid Abu-Tayeh (Friedberg) arbeitet als Oberarzt im Bad Nauheimer Hochwaldkrankenhaus; er trägt eine Profimaske. Allerdings kein FF2-Modell - »die kriegen wir nur, wenn wir Corona-Patienten untersuchen«.

Er besitzt auch eine gebastelte Maske, aber die dämpfe die Stimme und das Gegenüber verstehe einen nicht richtig. »Die Maskenpflicht hätten sie schon längst einführen müssen«, findet er. Alltagsmasken seien nützlich und hemmten die Ansteckungsgefahr, besonders vor der Tröpfchen-Infektion. Abu-Tayeh empfiehlt aber, die Maske nach zwei Stunden abzunehmen und trocknen zu lassen: »Die Feuchtigkeit ist nicht gut, sie ist eine Quelle für Bakterien und Viren.« Nach jedem Tragen abkochen, wie es mitunter empfohlen wird, sei aber nicht nötig: »Es ist ja der Mund und kein Schmutz.« Linus Adesanya hat eine handgenähte Maske. »Meine Nachbarin hat Masken in der Nachbarschaft verteilt und verschenkt«, sagt der 19-Jährige. Die Ohrschlaufen schnitten ein wenig ein, er halte die Anordnung aber für nötig. »Wenn es die Ansteckungsrate mindert, ist es das absolut wert.«

Maskenpflicht in der Wetterau: Masken für guten Zweck auf dem Wochenmarkt

Als fleißige Maskennäherinnen erweisen sich derzeit Eventmanagerin Astrid Mexia und die Vorsitzende des Bad Nauheimer Sozialausschusses, Petra Michel. Seit Ostern sind die beiden in dieser Sache aktiv, sie haben schon mehrere Nähmaschinen dabei verschlissen. Ihre »Facies« verkaufen sie an den Markttagen für einen Obolus - zum kleinen Preis, damit sich alle Bürger ein Exemplar leisten können. Das Geld spenden sie an den Förderverein Hospiz. Der Stand steht dienstagsnachmittags und freitagsvormittags nahe Foto Stöber in der Bad Nauheimer Stresemannstraße, die Stadt stellt den Platz gebührenfrei zur Verfügung. Rechtzeitiges Kommen empfiehlt sich, da die Masken stets schnell ausverkauft sind. Schon fast 2000 Euro kamen dadurch zusammen. Mittlerweile werden die zwei Ehrenamtlichen durch drei weitere Frauen unterstützt, darunter eine ausgebildete Schneiderin. Sie würden sich aber sehr über weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter freuen. Wer mitmachen will, kann sich bei Petra Michel unter Tel. 0176/52874185 melden. Auch Stoff- und Gummibandspenden sind willkommen.

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