Sprung ins erfrischende Nass: Diesen Spaß wollen sich die Ockstädter nicht nehmen lassen. Ohne den Förderverein gäbe es das Quellwasserschwimmbad heute wohl nicht mehr. Jetzt stehen Sanierungsarbeiten an. Die Stadt schließt einen neuen Nutzungsvertrag mit dem Verein ab. ARCHIVFOTO: NICI MERZ
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Sprung ins erfrischende Nass: Diesen Spaß wollen sich die Ockstädter nicht nehmen lassen. Ohne den Förderverein gäbe es das Quellwasserschwimmbad heute wohl nicht mehr. Jetzt stehen Sanierungsarbeiten an. Die Stadt schließt einen neuen Nutzungsvertrag mit dem Verein ab. ARCHIVFOTO: NICI MERZ

Quellwasserschwimmbad Ockstadt

Neue Filter, Pumpen, Becken: Sparen für die große Sanierung

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Die Stadt Friedberg und der Förderverein des Quellwasserschwimmbades Ockstadt wollen einen neuen Nutzungsvertrag abschließen. Im Ausschuss wurde über die Laufzeit gestritten.

Die Stadt Friedberg leistet sich bekanntlich eineinhalb Schwimmbäder. Neben dem Usa-Wellenbad, das von einem Zweckverband der beiden Nachbarstädte Friedberg und Bad Nauheim betrieben wird, gibt es seit 1951 das idyllisch gelegene und von Familien geschätzte Quellwasserschwimmbad in Ockstadt. Als 1976 erstmals das Gerücht aufkam, das Bad könne geschlossen werden, gründete sich eine Bürgerinitiative. Aus ihr ging der mittlerweile 900 Mitglieder zählende Förderverein hervor. Seit der Badesaison 2012 - abermals drohte die Schließung - ist der Förderverein im Auftrag der Stadt für den Betrieb des Schwimmbades verantwortlich.

Der Nutzungsvertrag mit der Stadt läuft in diesem Jahr aus. Darin festgeschrieben ist ein städtischer Zuschuss von 72 000 Euro pro Jahr. Die Stadtverwaltung schlug vor, den (zuvor auf drei Jahre fixierten) Vertrag für fünf Jahre abzuschließen. Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU): "Der Verein führt das Bad sehr sparsam, kann sogar Rücklagen für Investitionen bilden." Ein Vertrag über fünf Jahre gebe dem Verein Planungssicherheit.

Um’s vorwegzunehmen: Der Haupt- und Finanzausschuss hat dem Nutzungsvertrag einstimmig zugestimmt, bei drei Enthaltung von Grünen, UWG und der Linken.

Probleme mit der Lautstärke

Zuvor wurden aber kritische Stimmen laut. Das heißt, nur teilweise wurden diese Stimmen "laut", manche Wortbeiträge im großen, Corona-gewappneten Saal des Bürgerhauses Ockstadt waren derart leise, dass die Nachwelt leider nie erfahren wird, was gesagt wurde. Waren in vergangenen Sitzungen einige Stadtverordnete nicht bereit, vom Platz aufzustehen und ans Mikrofon zu treten, so war dies diesmal gar nicht möglich: Die Plastiktüten zum Schutz der Mikrofone waren vergessen worden.

Kritik wegen fehlender Infos

Warum gleich fünf Jahre? Sind drei nicht ausreichend? Musikschule und Volksbühne haben Verträge mit kürzeren Laufzeiten. Florian Uebelacker (Grüne) kritisierte, die Stadtverordneten hätten keinen Einfluss darauf, wie der Verein die Rücklagen einsetze; die Vereinbarung mit der Stadt sei auch "haushaltsrechtlich ’ne schwierige Kiste". Erste Stadträtin Marion Götz (SPD) widersprach. Alle Mittel würden für die Zwecke des Vereins eingesetzt. Olaf Beisel (CDU) sah dies ähnlich: "Wir sollten froh sein, dass der Verein das alles so händelt." Dr. Klaus-Dieter Rack (SPD) kritisierte die Informationspolitik des Rathauses. Er habe sich nach der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses mit dem Vereinsvorstand unterhalten, der ihm die Finanzlage erläutert habe. In der Vorlage der Verwaltung würden die kommenden Investitionen aber nicht genannt.

Was der Schwimmbad-Förderverein in den kommenden Jahre vorhat, erläuterte der Vorsitzende Stephan Ewald, der auch CDU-Stadtverordneter ist. Die letzte Sanierung des Bades liege 50 Jahre zurück, sagte Ewald. Es gebe viel zu tun. So schreibt das Gesundheitsamt eine Filteranlage für das Quellwasser vor. Auch die Umkleiden und die Becken müssen erneuert werden. Für energetische Maßnahmen müssten in den kommenden Jahren 250 000 Euro ausgegeben werden. Der Verein hat sich bei Förderprogrammen des Landes beworben, sammelt aber auch selbst fleißig Spenden. So wurden zuletzt 10 000 Euro Spenden pro Jahr gesammelt, die gleiche Summe kommt durch Mitgliedsbeiträge zusammen. Das überzeugte die Parlamentarier. Bürgermeister Antkowiak verweis zudem darauf, dass die Verträge mit Musikschule und Volksbildungsheim kürzlich um ein Jahr verlängert wurde; die Laufzeiten betragen hier folglich vier Jahre.

Fehlerhafte Rechnungen im Usa-Wellenbad

Als "klassische Aufräumarbeit" bezeichnete Kämmerin Marion Götz (SPD) die Verwaltungsvorlage zu den Jahresabschlüssen 2009 bis 2018 im Usa-Wellenbad-Zweckverband. Das dortige Rechnungswesen habe "durchaus ziemlich im Argen" gelegen. Wie sich herausstellte, haben die beiden Städte im genannten Zeitraum zu viel Geld an den Zweckverband überwiesen - und zwar genau 739 092,28 Euro. Offenbar hat sich da jemand gewaltig verrechnet. Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer wurden hinzugezogen. Letztlich stellte sich heraus, dass Friedberg sogar 158 864,70 Euro mehr zuviel gezahlt hat als Bad Nauheim. Dieser Betrag wird an die Stadt zurückgezahlt. Das übrige Geld bleibt beim Zweckverband und wird dort u.a. zum Ausgleich des Bilanzverlustes 2018 verwendet.

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