Er nennt die Dinge beim Namen

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Als Kunsthistoriker und Kurator von Kunstausstellungen ist Friedhelm Häring bundesweit bekannt. Zahlreiche Ausstellungskataloge hat der langjährige Direktor des Oberhessischen Museums in Gießen ebenso verfasst, wie mehrere Schriften zu kunsthistorischen Themen. Ferner ist der 71-Jährige bis heute ein gefragter Redner bei Vernissagen.

Als Kunsthistoriker und Kurator von Kunstausstellungen ist Friedhelm Häring bundesweit bekannt. Zahlreiche Ausstellungskataloge hat der langjährige Direktor des Oberhessischen Museums in Gießen ebenso verfasst, wie mehrere Schriften zu kunsthistorischen Themen. Ferner ist der 71-Jährige bis heute ein gefragter Redner bei Vernissagen.

Im letzten Jahr hat Häring seinen ersten Gedichtband "Liebe, Tod und Zeit" veröffentlicht. "Ich dichte seit meinem 15. Lebensjahr", erzählt Häring, der mit 17 den Friedberger Schriftsteller Fritz Usinger kennenlernte. "Usinger war für meine Lebensreise als Kunsthistoriker und Museumsleiter aber auch als Autor und Dichter für mich der Maßstab", so der gebürtige Oppershofener, der seit seinem fünften Lebensjahr in Friedberg lebt.

Warum er nun einen Gedichtband veröffentlicht hat, das begründet der Mitbegründer des Friedberger Kunstvereins so: "Ich wollte was machen, wo die Konvention der Menschen nicht reinpasst." Was er damit meint, wird schon beim Lesen des Prolog-Gedichts "Euch" ebenso deutlich wie beim ersten Blick auf die Titel der 55 Gedichte, wie "Unnennbar" "Ewige Treu" "Kuss der Jünglinge" oder "Dir Freund."

Nichts Unanständiges

Der Autor packt in seinem dem Jahreszeitenzyklus angepassten Poemen durchaus Themen an, die in einem Gedichtband meist ein Tabu sind, wie "sexuell anspruchsvolle Gedichte, die aber was mit Gott zu tun haben", meint Häring und sagt weiter: "Wir haben nicht den Mut, die Dinge beim Namen zu nennen. Wir reden von Liebe, aber nicht von Sex."

Häring sieht die Lust als ein Geschenk der Vereinigung. "Das ist doch nichts Unanständiges," meint der Dichter, der jedoch auch schwere Gedichte, beispielsweise über Trennungsschmerz oder Todesangst, geschrieben hat.

Dabei beschäftigt er sich mit ganz unterschiedlichen Sinnesfragen. Im Gegensatz dazu stehen dann wieder unterhaltsame Heimat- und Kindergedichte. Letztere gehören für den Kreisstädter in einen solchen Gedichtband hinein, denn "wir alle mögen und lieben Kinder." Gleiches gilt bei ihm für den oft so unterschiedlich definierten Begriff "Heimat".

Ergänzt werden die Gedichte durch mehrere Passagen, wie Häring seine Sprachtexte nennt sowie durch 25 Illustrationen des Malers und Grafiker Bodo W. Klös, der in Lich-Nieder-Bessingen lebt. Sowohl Härings Passagen als auch die Grafiken von Klös sind weit mehr als einfache Ergänzungen der Gedichte. Sie stehen für sich selbst, wirken jedoch gleichzeitig auch zusammen. Eine reizvolle Kombination, an dessen Entstehung Klös maßgeblich beteiligt war.

Als versierter Redner bei Vernissagen bezeichnet der Autor sein Buch im Untertitel als "eine Vernissage." Tatsächlich hält das Buch dem Vergleich mit einem Ausstellungsbesuch durchaus stand. Häring: "Ich versuche, neben der Kunst, auch in der Dichtung, Menschen zu erreichen, weil ich sie mag und weil ich gerne kommuniziere." Das gelingt Häring mit seinem Gedichtband geradezu vorzüglich. Wer diesen gelesen und auch betrachtet hat, der kann darüber mit Gleich- oder auch Nichtgleichgesinnten sicher stundenlang reden und diskutieren.

Das wird auch in Zukunft der Fall sein, arbeitet Häring derzeit bereits an einem zweiten Gedichtband sowie an einem Roman. Ferner sind in den letzten Monaten, neben dem Gedichtband, drei weitere Schriften erschienen, darunter ein Band über die Arbeit des Friedberger Malers Raphael Rack.

Am Samstag, 23. März, wird Häring in Erfurt in die Ausstellung "100 Jahre Bauhaus – Fritz Winter – ein Meisterschüler" einführen. Weitere Ausstellungseinführungen stehen schon fest.

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