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Für die Ausstellung der Impfzertifikate werden niedergelassene Ärzte vergütet. Wer jedoch im Impfzentrum in Büdingen geimpft wird, bekommt das Zertifikat mit QR-Code per Post vom Land. Zwei Ärzte im Impfzentrum haben allerdings Zertifikate von einer privaten E-Mail-Adresse verschickt.

Im Impfzentrum

Wetteraukreis stellt Strafanzeige gegen Ex-Impfzentrums-Mediziner

  • VonRedaktion
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Haben zwei Ärzte im Büdinger Impfzentrum versucht, sich etwas dazuzuverdienen? Indem sie Impfzertifikate ausgestellt und per E-Mail verschickt haben? Der Wetteraukreis hat Strafanzeige gestellt.

Büdingen - Der Wetteraukreis hat Strafanzeige gegen zwei bis vor Kurzem im Corona-Impfzentrum Büdingen tätige Mediziner gestellt. Der Grund dafür, wie der Kreis berichtet: Sie haben Impflingen die schnelle und unbürokratische Ausstellung von digitalen Impfzertifikaten angeboten und diese per E-Mail verschickt. Was daran für Irritationen gesorgt hat: Für Personen, die im Impfzentrum Büdingen geimpft werden, stellt das Land Hessen im Regelfall die Zertifikate mit dem QR-Code für den digitalen Impfpass aus und verschickt diese per Post. Möglich ist deswegen, dass die Ärzte die zusätzliche Ausstellung der Impfzertifikate gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet haben.

Entsprechend ist nun die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden, die, wie Pressesprecher Thomas Hauburger sagt, ein Ermittlungsverfahren aufgenommen hat - wegen des Anfangsverdachts des Betrugs sowie des Verstoßes gegen § 37 des Hessischen Datenschutz- und Informationsfreiheitsgesetzes. »Aus ermittlungstaktischen Gründen können derzeit leider keine weiteren Auskünfte erteilt werden.«

Impfzentrum Wetterau: Ärzte sind freigestellt

Der Wetteraukreis hat die beiden Ärzte unmittelbar freigestellt und ihnen untersagt, das Impfzentrum zu betreten. Vonseiten des Wetteraukreises heißt es ergänzend zu dem Fall: »Nach derzeitigem Kenntnisstand sind keine Impfzertifikate für Personen, die nicht geimpft wurden, ausgestellt worden. Es besteht daher keine Gefahr für die Gesellschaft, dass falsche Impfzertifikate erstellt wurden.«

Seit einigen Monaten haben Geimpfte die Möglichkeit, sich mit dem sog. digitalen Impfzertifikat auszuweisen. Statt den gelben Impfpass vorzuzeigen, können sie den auf ihr Handy geladenen QR-Code präsentieren - bspw. über die »CovPass«-App des Robert-Koch-Instituts. Dieser QR-Code wird generiert; aktuell machen dies Arztpraxen, Apotheken sowie mancherorts auch die Impfzentren. In Büdingen wird das allerdings nicht angeboten. Wer dort geimpft wird, bekommt ein bis zwei Wochen nach der Zweitimpfung sein Impfzertifikat mit QR-Code zum Einscannen vom Land Hessen per Post geschickt.

Wer jedoch bspw. bei einem niedergelassenen Arzt geimpft worden ist, kann sich dort ein Zertifikat ausstellen lassen. Der Arzt kann die Ausstellung bei der Kassenärztlichen Vereinigung abrechnen lassen. Anfangs lag die Vergütung bei 18 Euro, inzwischen ist der Betrag heruntergesetzt worden: Pro Impfung gibt es 6 Euro - also 12 pro vollständig geimpfter Person bei Impfstoffen, die zweimal verabreicht werden müssen.

Ob die beiden Ärzte, die im Impfzentrum Büdingen beschäftigt waren, auf diese Art versucht haben, sich etwas dazuzuverdienen, wird deswegen ermittelt.

Fall aus Impfzentrum Wetterau: Keine offizielle E-Mail

Wie es vonseiten des Wetteraukreises heißt, war das Vorgehen der zwei Ärzte bekannt geworden durch eine Anfrage der WZ bei der Kreis-Pressestelle. Grund für die Anfrage war ein Hinweis in der Redaktion bezüglich des Vorgehens, von dem eine in Büdingen geimpfte Person berichtet hatte. Laut dieser Schilderung war sie beim Termin in Büdingen vom Impfarzt gefragt worden, ob eine Zusendung des digitalen Impfzertifikats per E-Mail erwünscht sei. Der Arzt notierte sich daraufhin die E-Mail-Adresse. Wenige Tage nach dem Zweitimpfungstermin kam die E-Mail, gesendet von einer Free-Mail-Adresse (also von einem Anbieter, bei dem sich jeder im Internet eine Adresse anlegen kann). Die E-Mail hat weder einen Betreff noch ist sie unterzeichnet. Im Anhang jedoch befinden sich ein vollständiges und funktionierendes »EU digitales Covid-Impfzertifikat«.

Durch die WZ-Anfrage beim Wetteraukreis, von welcher E-Mail-Adresse die Zertifikate aus Büdingen verschickt werden, stellte sich heraus, dass es sich nicht um eine offizielle E-Mail handelt.

Der Kreis unterstütze nun die Staatsanwaltschaft »bei der vollständigen Aufklärung des Sachverhalts umfassend«.

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