Marius Meisinger (l.) und Stephan Ewald sind bereit für die Öffnung des Quellwasser-Schwimmbades in Ockstadt. Sie warten aber noch auf die Entscheidung für das Usa-Wellenbad.
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Marius Meisinger (l.) und Stephan Ewald sind bereit für die Öffnung des Quellwasser-Schwimmbades in Ockstadt. Sie warten aber noch auf die Entscheidung für das Usa-Wellenbad.

Wann soll geöffnet werden?

Bad Nauheim: Tag der Schwimmbad-Entscheidung

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Seit Montag dürfen Schwimmbäder in Hessen wieder für den Publikumsverkehr öffnen. Ob die Bäder in Bad Nauheim und Ockstadt wieder aufmachen, entscheidet sich am Dienstag (16. Juni) ab 18 Uhr.

Blau glitzert das Wasser in den Freibädern von Büdingen und Nidda, die am Montag aufgemacht haben. Anders sieht es mit dem Usa-Wellenbad Bad Nauheim/Friedberg aus. Wenn Bad Nauheims Erster Stadtrat Peter Krank über eine mögliche Öffnung spricht, klingt er etwas schmallippig. »Was man hier vonseiten der Landesregierung macht, ist bemerkenswert: Am Donnerstag wurde eine Verordnung herausgegeben, dass man öffnen kann, und die Kommunen sollen sofort reagieren.«

Krank ist Vorsitzender des Zweckverbandsvorstands des Usa-Bades. Am Dienstag (16. Juni) um 18 Uhr tage die Verbandsversammlung in der Trinkkuranlage. »Da wird über die Öffnung gesprochen.« Es sei noch nicht klar, wie es nun weitergehe. »Bis dato ist das Schwimmbad geschlossen, die Mitarbeiter waren in Kurzarbeit.«

Das Usa-Wellenbad ist derzeit noch geschlossen.

Bad Nauheim: Was ist wirtschaftlich?

Die Einrichtung sei energetisch komplett runtergefahren, in den Außenbecken befinde sich noch kein Wasser. »Es kann drei bis vier Wochen dauern, das Bad wieder hochzufahren. Und das muss man entscheiden: Ob man das Geld in die Hand nimmt oder nicht.« Zu beurteilen, ob es wirtschaftlich machbar sei, auch angesichts geringerer Besucherzahlen, sei nun die Aufgabe der Zweckverbandsversammlung. Die Öffnung eines großen Kombi-Bades sei schwieriger als die von reinen Freibädern. »Das ist etwas anderes. Natürlich würden wir gerne öffnen«, betont Krank. 

Ein Schwimmbad sei aber kein Rennwagen, der sich von null auf hundert bringen lasse. »Es war unklar, ob wir überhaupt öffnen werden dieses Jahr«, sagt der Erste Stadtrat. Der Zweckverband habe die Nebenkosten reduziert, indem er die Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt habe. Zu agieren wie Nidda, wo schon seit zwei Wochen die Becken voll waren und das Team nur noch auf das »Go« der Landesregierung wartete, wäre laut Krank auch in Bad Nauheim/Friedberg möglich gewesen. Allerdings: »Das kostet Geld. Und wir haben eine Verpflichtung, es wirtschaftlich zu machen.«

Blick auf die Wasserfläche in Nidda vor der Öffnung. Seit Montag kann dort wieder geschwommen werden.

Schwimmbäder und Corona: Sorge wegen langer Schlangen

Wie der Vorstandsvorsitzende betont, hätte er sich gewünscht, die Meldung der Landesregierung vier Wochen eher zu erhalten. »Es macht mich fast fassungslos, dass wir von heute auf morgen öffnen sollen. Man stelle sich vor, wir haben 28 Grad Hitze und alle wollen ins Schwimmbad. Dann stehen da Schlangen von über 100 Personen, wie will man das machen? Da braucht man Sicherheitspersonal.«

Schwimmbad Ockstadt: Betreiber warten auf Signal 

Im Quellwasser-Schwimmbad Ockstadt ist ebenfalls noch kein Wasser im Bassin, bereit sind die Ehrenamtlichen aber. »Wir würden gerne öffnen«, sagen Vorsitzender Stephan Ewald und sein Stellvertreter Marius Meisinger. Doch auch in Ockstadt steht die Vorgehensweise noch nicht fest. Ewald: »Wir haben gewartet. Das Schwimmbad gehört der Stadt Friedberg, wir sind nur der Betreiber. Deshalb machen wir es abhängig vom Usa-Wellenbad und warten auf die Versammlung am Dienstagabend.« Denn sollte das Usa-Bad zu bleiben, bedeute das für Ockstadt einen Massenansturm, auch da Butzbach zu habe. »Den könnten wir gar nicht aufnehmen.« Ein weiterer Punkt sei das zusätzliche Personal, welches das Quellwasser-Schwimmbad benötige, um das Hygienekonzept zu überwachen. »Und wir leisten es teilweise ehrenamtlich.«

Schwimmbad Rodheim: Betreiber sind vorbereitet und technisch öffnungsbereit 

In Rosbach-Rodheim sind die Pforten des Freibades noch zu. Wie Bürgermeister Steffen Maar erläutert, gebe es in Rosbach eine besondere Situation wegen Corona-Ausbrüchen durch den Besuch eines Gottesdienstes in Frankfurt und im Umfeld eines Kindergartens. »Wir haben die Entscheidung vertagt, bis wir stabile Zahlen haben. Wir sind aber vorbereitet, das Bad ist technisch öffnungsbereit. Es ist Wasser drin, wir haben auch einen relativ weitreichenden Entwurf zum Hygienekonzept.« Sobald das Bad geöffnet habe, würden städtische Mitarbeiter an sehr heißen Tagen kontrollieren, ob die Besucher in der Warteschlange den Abstand einhalten. Maar: »Wir hatten eine ähnliche Situation, als wir den Recyclinghof wieder aufgemacht haben. Das haben wir mit einer Einlasskontrolle und verkehrsregelnden Maßnahmen verbunden.«

Öffnung der Schwimmbäder: Drei Fragen an Dr. Lutz Ehnert

Dr. Lutz Ehnert

Dr. Lutz Ehnert

Sehen Sie ein erhöhtes Ansteckungsrisiko für Covid-19 in Schwimmbädern?

Das Gegenteil ist der Fall. Im Schwimmbad besteht eher weniger Ansteckungsgefahr, wenn man die Abstands- und Hygieneregeln einhält. Wegen des Chlors ist die Ansteckungsgefahr im Wasser geringer als an Land. Chlor tötet Viren und Bakterien ab; das Coronavirus hat wie viele andere Viren eine Kapsel, die durch Chlor aufgebrochen wird. Im Freibad ist die Ansteckungsgefahr geringer als in der Halle, da sich die Aerosole dort eher verflüchtigen. Bei Badeseen verdünnt Wasser das Virus, somit ist die Virenlast geringer.

Welche Regeln sollten Betreiber einhalten?

Die Bäder müssen die Besucherzahlen reglementieren und reduzieren, um die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Das beginnt beim Kauf der Karte, eventuell online. Bei den Duschen könnte man im Sommer vielleicht Außenduschen heranziehen. Außerdem muss man ein Einbahnstraßensystem einhalten, um sich nicht zu begegnen. Auf den Toiletten sollte immer nur eine Person sein. Der Betreiber muss darauf achten, Halterungen und Türklinken regelmäßig in kurzen Abständen zu desinfizieren. Auf den Liegewiesen muss ein Abstand von 1,50 bis zwei Meter gewährleistet sein, auch im Wasser sollte Abstand von mindestens 1,50 Metern eingehalten werden. Das nächste Problem sind die Rutschen und Planschbecken, wenn sich Kinder anspucken und bespritzen. Das muss man möglichst unterlassen.

Worauf müssen Schwimmbadbesucher achten?

Besucher müssen peinlichst die Hygiene- und Abstandsregeln einhalten, beispielsweise im WC die Hände waschen und desinfizieren. Viele denken, das Virus sei nicht mehr da, weil alles gelockert und geöffnet wird, aber das ist nicht der Fall.

Dr. Lutz Ehnert ist Badearzt und Internist mit Praxis in Bad Nauheim und zudem Vorsitzender des Kneippvereins Bad Nauheim/Friedberg/Bad Salzhausen. 

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