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Nähe genießen und das Fell spüren

  • vonred Redaktion
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Friedberg/Florstadt(pm). Mona Römer arbeitet für die Lebenshilfe Wetterau, sie ist Teamleiterin der blauen Gruppe in der Wohnstätte Friedberg-Fauerbach. In ihrer Arbeit mit Menschen mit Behinderungen hat sie festgestellt, wie gut diese auf Tiere reagieren und wie gut die Tiere ihnen tun. Sie selbst wohnt auf einem Hof in Florstadt zusammen mit ihren Tieren. Diese sind Malou ein siebenjähriger Australian Shepherd, Eddy, ein zehnjähriger Parson-Russell Terrier, die drei Islandpferde Nanna, Bjarki und Fengur (27, 18 und 6 Jahre alt), die vier Kaninchen Moppel, Molly, Sunny und Lilly sowie die acht Schafe Rosi, Luise, Irma, Mathilda, Emmi, Brunhilde, Karla und Ole.

Vor Corona war Römers Hund Malou gern gesehener Gast in der Wohnstätte. Sobald Malou im Haus auftaucht gibt es ein großes Hallo. Die Bewohner sind vollkommen aus dem Häuschen und wollen alle zu Malou. "Das ist zwar sehr schön, doch auch stressig, wenn alle mit Malou Kontakt haben wollen", sagt Römer. Beim Besuch auf dem Hof ist das anders, denn die Tiere spüren ganz genau, was für jeden Einzelnen das Richtige ist. Die Tiere nehmen die Menschen so an wie sie sind, völlig wertfrei und ohne Vorurteile.

"Die Tiere wissen sofort, wie sie mit jedem Einzelnen umgehen und was sie tun müssen", erläutert Römer. "Manchmal gehen die Tiere mit mir ruppiger um als mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. Da sind sie geradezu liebevoll."

Bei der tierpädagogischen Arbeit gibt es viele positive Erlebnisse - zum Beispiel für Stefan: Er hat im Umgang mit Malou gelernt, wie es ist, einen Hund auszuführen, für ihn Verantwortung zu übernehmen. Wenn die beiden auf dem Hof unterwegs sind, dann überlässt Malou ihm ganz selbstverständlich die Führung. Denn Malou weiß, dass es für Stefan wichtig ist, und das macht ihn stolz. "Er ist dadurch für mich und meine Kollegen viel besser ansprechbar, offener und ausgeglichener. Der Hund gibt ihm Sicherheit, und die nonverbale Kommunikation mit Malou fordert Stefan - er muss dann sehr achtsam sein", berichtet Mona Römer stolz.

In der freien Natur entschleunigen viele Menschen generell, aber bei Jessica, die seit ihrer Geburt blind ist, hilft diese Umgebung ganz besonders. Sie bekommt zwar viele neue Reize, aber sie kann trotzdem etwas von ihrer innere Unruhe ablegen und ist viel entspannter. Dann kann Jessica sogar die Nähe der Schafe gut zulassen. "Das hat einige Besuche gebraucht", erzählt Mona Römer, "aber jetzt kann sie inmitten der Schafe auf der Wiese sitzen, sie ganz nah an sich rankommen lassen, um sie dann zu füttern. Ein großartiges Vertrauen von beiden Seiten."

Auch die Kollegen merken sofort, wenn die Bewohnerinnen und Bewohner die Möglichkeit gehabt haben, die Tiere zu besuchen: "Viele sind ausgeglichener und ansprechbarer für uns und ihre Familien", erzählt Ann-Katrin Blechschmidt, eine Kollegin von Mona Römer. "Bei Jessica fällt auf, dass sie nach dem Ausflug ganz entspannt war und viel mit uns gelacht hat."

Die tierpädagogische Arbeit bringt viele Bewohner in ihrer Entwicklung weiter. Besonders die Einzelbesuche haben eine große Wirkung. Ungestört bei den Tieren zu sein, einfach nur abzuwarten, der Geruch, oder das Fell zu streicheln und das Tier zu spüren, das ist etwas ganz Besonderes. Auch die Erfahrung zu machen, dass ein Tier gerade sie aussucht, zu ihnen kommt, sich füttern lässt, dies ist für beide Seiten ein großer Vertrauensbeweis. Auf dem Hof, findet sich für jeden das richtige Tier und die richtige Umgebung.

"Während Stefan sehr gerne mit anpackt, den Stall säubert, die Pferde putzt, die Schafe füttert oder für Malou den Ball ›kilometerweit‹ wirft, ist es für Jessica einfach schön, den Kontakt und die Nähe zu den Pferden zu haben, ihr Fell zu streicheln, den Kopf auf den Rücken zu legen, die Wärme zu spüren und innezuhalten. Das bringt Jessica sehr viel", erläutert Römer. Die Lebenshilfe Wetterau und Mona Römer sind sich einig, dass die tierpädagogische Arbeit viel bringt. Sehr gerne möchte man das Angebot ausweiten.

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