Ehe für Priester

Nächster Schritt in Ockstadt gegen Zölibat-Zwang

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Der Ockstädter Pfarrer Bernd Weckwerth möchte die Heilige Messe retten. Deshalb will er, dass sich römisch-katholische Priester nicht mehr ans Zölibat halten müssen. Nun hat er Mitstreiter gefunden.

Die Initiative von Pfarrer Bernd Weckwerth und seinem Vorgänger Dr. Horst Gebhard in Sachen Zölibat nimmt weitere Formen an. Bei einem Treffen am Mittwoch im katholischen Jugendheim hat sich eine Initiativgruppe aus den Reihen der Besucher gegründet. Wie die WZ berichtete, setzen sich Weckwerth und Gebhard für die Abschaffung des Zölibat-Zwangs für römisch-katholische Priester ein, um einen eklatanten Priestermangel in bestimmten Regionen zu verhindern und damit den Erhalt der heiligen Messe zu sichern. Zum Treffen am Mittwoch kamen fast 40 Interessierte.

Hoffnung auf regionale Freistellung

Sie seien der Ansicht gewesen, dass die Heilige Messe wichtiger sei als der Zölibat, teilte Weckwerth mit. Außerdem hätten sie seine und Gebhards Sorge geteilt, dass wegen des Zölibat-Zwangs ein deutlicher Priestermangel in bestimmten Regionen drohe.

Wenn die Abschaffung der Zölibat-Pflicht weltweit noch nicht durchsetzbar sei, wäre eine regionale Freistellung die einzige Hoffnung, auch in Zukunft noch eine Sonntagsmesse besuchen zu können und die Qualität der Sakramenten-Pastorale zu erhalten, sind sich beide Pfarrer einig.

"Wir haben ein Recht auf die Spendung der Sakramente, und die Bischöfe sind verpflichtet, alles zu tun, damit das auch in Zukunft so bleibt", habe ein Teilnehmer gesagt und große Zustimmung geerntet, erläuterte Weckwerth.

In Afrika gibt es Länder, da würde dem Pfarrer niemand zuhören, wenn er keine Frau hätte

Pfarrer Bernd Weckwerth

Weit mehr als 90 Prozent der Gläubigen im Bistum Mainz sähen das ebenso. Sie wollten jedoch auf keinen Fall die Vergrößerung der pastoralen Räume wie in anderen Diözesen, weil so die Distanz zur Kirche bei den Christen auch innerlich immer mehr anwachse. Die Freistellung des Zölibats schaffe dagegen keine neuen Probleme, sondern erhöhe vielmehr die Glaubhaftigkeit der katholischen Kirche und schicke nicht gute Leute, die dringend gebraucht würden, in die Wüste. Deshalb bildete sich an diesem Abend eine Initiativgruppe aus den Reihen der Besucher, die nach Wegen suchen wollen, die Sorge der Gläubigen zu Gehör zu bringen und wie man eine vernünftige Lösung realisieren kann. Wer die Gruppe unterstützen möchte, kann eine E-Mail an pfarrer@ockstadt.de senden.

Fakten schaffen

Weckwerth wies am Donnerstag im WZ-Gespräch darauf hin, dass der Papst die Bischöfe dazu aufgefordert habe, mutig und "verwegen" zu sein, wenn es regional von Vorteil sei. Er, Weckwerth, denke, dass der Papst eine Kirchenspaltung im Zuge einer Auflösung des Zölibat-Zwangs fürchte. Deshalb sei es sinnvoll, regional, dort wo ein Priestermangel drohe, Fakten zu schaffen – verbunden mit der Erlaubnis des jeweiligen Bischofs. "Denn wenn man es nicht offiziell erlaubt, gilt es als moralische Verfehlung."

Weckwerth nannte ein Beispiel, bei dem das bereits funktioniert habe: Die Erlaubnis, dass auch Ministrantinnen in Gemeinden ihren Dienst tun dürfen. Nachdem Fakten geschaffen worden seien, habe es auch die generelle Erlaubnis dazu gegeben. Weckwerth: "Durch die Ministrantinnen ist die Kirche nicht unglaubwürdig geworden." Und was das Zölibat angehe, so bestünden bereits jetzt Unterschiede: "In Afrika gibt es Länder, da würde dem Pfarrer niemand zuhören, wenn er keine Frau hätte."

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