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Nachwuchs im Trafoturm

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Friedberg (pm). Im Sommer 2019 hat die Stadt dem NABU Friedberg den alten Trafoturm am Dorheimer Friedhof zur Nutzung als Tierhotel zur Verfügung gestellt. Nach Gesprächen mit Mitarbeitern der Unteren Naturschutzbehörde und der Staatlichen Vogelschutzwarte entschlossen sich die NABU-Aktiven, vorrangig einen Nistraum für Schleiereulen im Trafoturm einzurichten. Zur großen Überraschung wurde der Nistplatz sehr schnell angenommen, und Ende März legte ein Paar Schleiereulen fünf Eier. Um das weitere Brutgeschehen nicht zu stören, wurden daraufhin die geplanten weiteren Maßnahmen wie zum Beispiel der Bau eines größeren Fledermausquartiers verschoben.

Schleiereulen als Kulturfolger nisten vorwiegend in alten Scheunen, Kirchtürmen oder auch an Nistplätzen wie in solchen Trafotürmen. Die ausgewachsenen Tiere sind etwa 35 Zentimeter groß und 300 bis 400 Gramm schwer. Beachtlich ist ihre Flügelspannweite von circa 90 Zentimetern. Die Hauptnahrung sind Mäuse, aber auch Ratten, kleinere Kaninchen und Insekten werden nicht verschmäht.

Pro Nacht drei Mäuse zum Fressen

Als fleißige nächtliche Mäusejäger sind sie für uns Menschen besonders nützlich: Eine ausgewachsene Schleiereule benötigt im Durchschnitt pro Nacht immerhin drei Mäuse. Ihr Gelege umfasst je nach Nahrungsangebot in der Regel drei bis sieben Eier, die etwas größer als Taubeneier, aber kleiner als Hühnereier sind. Da die Jungen in den Nistkästen auch ihre Flugübungen und den Beutesprung üben, sollten »künstliche Nisträume« ausreichend groß sein, wie das im Dorheimer Trafoturm der Fall ist.

Ende April, nach etwa 30 Tagen Brutzeit, schlüpfte das erste Küken, die anderen vier jungen Schleiereulen folgten bis Anfang Mai. »Für uns vom NABU Friedberg ein besonderes Erlebnis, das wir mit Bildern aus der eigens angeschafften Überwachungskamera ausführlich dokumentieren konnten«, sagt Ruth Müller vom NABU Friedberg. Doch würden alle fünf Jungen aufwachsen?

Ende Mai beringte Diplom-Biologe Gerd Bauschmann die fünf Jungtiere. Für Ruth Müller ebenfalls ein besonderes Erlebnis, denn sie konnte dabei einmal eines der flauschigen Eulenkinder in die Hand nehmen. »Ich hätte nie gedacht, wie warm die kleinen Gesellen sind«, beschreibt sie das Ereignis. Dabei konnte sie sich auch davon überzeugen, dass die Jungen bestens von den Eltern versorgt wurden. Waren die Kleinen bis zu diesem Zeitpunkt noch recht ruhig, wurden sie schließlich immer aktiver. Sie nutzten zunächst die ganze Fläche für »Spaziergänge« aus und begannen mit dem Training der Flugmuskulatur.

Hinweise auf erste Ausflüge

Die Eltern sind seitdem auf Bildern nicht mehr zu sehen, versorgen den Nachwuchs aber weiter regelmäßig mit Nahrung. Inzwischen gibt es Hinweise darauf, dass die Älteren bereits erste Ausflüge unternommen haben. Die Naturschützer wissen: Bald werden alle jungen Schleiereulen den Nistkasten verlassen haben. Der NABU hofft, dass alle auch diesen kritischen Zeitpunkt in ihrem noch jungen Leben gut bewältigen. Wer mehr Einblicke in das Leben im Schleiereulenkasten haben möchte, findet weitere Informationen und Bilder unter www.NABU-Friedberg.de.

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