"Da bleibt nicht mehr viel Platz bis zu meinem Haus", sagt Hans Müller (r.), der zusammen mit Nachbar Karl Moch die Neuanlage des Entroncamento-Wegs am Steinern Kreuz kritisiert. Direkt vor dem Steinkreuz treffen mehrere Wege aufeinander, zwischen ihnen werden Hochbeete bepflanzt.
+
»Da bleibt nicht mehr viel Platz bis zu meinem Haus«, sagt Hans Müller (r.), der zusammen mit Nachbar Karl Moch die Neuanlage des Entroncamento-Wegs am Steinern Kreuz kritisiert. Direkt vor dem Steinkreuz treffen mehrere Wege aufeinander, zwischen ihnen werden Hochbeete bepflanzt.

Baugebiet Steinern Kreuz

Nachbarn ärgern sich: Fußweg direkt vorm Esszimmer

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
    schließen

Am Steinern Kreuz in Friedberg gibt es Ärger. Die Stadt lässt den Entroncamento-Weg neu anlegen. Anwohner befürchten, Zaungäste würden ihnen künftig beim Mittagessen zuschauen.

Zwischen dem Baugebiet am Steinern Kreuz und den vor rund 25 Jahren errichteten Einfamilienhäusern in der Ernst-Eduard-Hirsch-Straße verläuft ein Grünzug. Dieser wird momentan von einer Baufirma neu angelegt. Der Fuß- und Radweg dort wurde vor ein paar Jahren auf den Namen Entroncamento-Weg getauft. Der Name der portugiesischen Partnerstadt bedeutet auf Deutsch soviel wie »Verzweigung« und geht auf einen Eisenbahnknoten zurück. Vielleicht brachte dies den Planer auf die Idee, vor dem Steinern Kreuz vier Wege zu verzweigen. In den Dreiecken zwischen den Wegen werden Hochbeete angelegt.

»Tolle Idee, sehr innovativ«, lobt Anwohner Karl Moch. »Aber warum haben die uns nicht gefragt, bevor sie mit der Planung begonnen haben?« »Uns«, das sind Moch und seine Nachbarn. Und »die«, das ist das Rathaus. Was die Anwohner ärgert: Der neue Weg reiche - so zeige es die Auskofferung - bis auf 1,20 Meter an einige Grundstücke heran; bei anderen seien es bis zu 14 Meter. Der neue Weg schlängelt sich durch die Anlage. »Prima, kann man so machen«, sagt Moch. Aber warum schlängelt sich der Weg nicht ein wenig mehr in der Mitte der Anlage? Und warum rückt er ausgerechnet den Grundstücken, deren Häuser näher an der Grundstücksgrenze stehen, am meisten auf die Pelle?

Anwohner ärgern sich über Planung

»Jeder, der vorbei geht, kann mir durchs Fenster ins Haus gucken«, sagt Hans Müller. »Vergangene Woche lag ein Zettel im Briefkasten, dass die Arbeiten beginnen und wir alles wegräumen sollen.« Schön und gut. Aber warum seien die Anwohner nicht vor der Planung informiert worden? »Jetzt lässt sich da nichts mehr ändern«, sagt Müller. Seinen Ärger über diese »planerische Glanzleistung« will er aber trotzdem loswerden.

»Was ist denn mit der immer wieder groß angekündigten Bürgerfreundlichkeit?«, fragt Moch. Als er am ersten Tag der Bauarbeiten abends nichtsahnend seinen Garten durchs Hintertürchen verließ, tappte er in ein 40 Zentimeter tiefes Loch. »Da war nichts abgesperrt.« Dabei hat Moch noch Glück. Zwischen dem Weg und seinem Haus liegt ein mehrere Meter breiter Garten. Die Häuser der Nachbarn direkt vor dem Steinern Kreuz stehen näher an der Grundstücksgrenze, da die Grundstücke kleiner sind. »Ausgerechnet hier verschwenkt der Weg am weitesten nach Osten, direkt vor die Häuser.« Auf dem nächstfolgenden Grundstück steht die Kita »Sonnenschein«, deren Gebäude demnächst erweitert wird, weshalb sie dem letzten Haus in der Ernst-Eduard-Hirsch-Straße ebenfalls auf die Pelle rückt. »Man hätte den Weg an dieser Stelle von den Grundstücken weg- und direkt auf das Steinern Kreuz hinführen können«, sagt Moch.

Fragt man im Rathaus nach, sieht die Sache schon ein klein wenig anders aus. Bei dem heutigen Entroncamentoweg handelt es sich um den historischen Burgweg, eine Verbindung der Burg mit dem Steinern Kreuz. Auf diesem Weg, teilt Michael Leicht vom Amt für Stadtentwicklung mit, seien über 25 Jahre lang Fußgänger gelaufen, direkt an den Hausgärten der Ernst-Eduard-Hirsch-Straße entlang.

Vorgeschriebene Hecke fehlt

Im Bebauungsplan für diese Häuser sei festgesetzt, dass die Anwohner auf ihrem privaten Grund eine zwei Meter breite Hecke zum Entroncamentoweg anlegen müssen. Die meisten Anlieger hätten dies getan, bis auf die beiden südlichen Grundstücke vor der Kita Sonnenschein. »Dort sind keine Pflanzungen vorhanden.« Die Festsetzungen des B-Plans seien von den Eigentümern nicht eingehalten worden.

Die Stadt habe ergänzend angeboten, einen 1,5 Meter breiten Streifen auf öffentlichem Grund zu bepflanzen. Das ergebe eine Heckenbreite von 3,5 Meter und somit ausreichenden Sichtschutz, erläutert Leicht. »Ein Blick ins Esszimmer ist dann nicht mehr möglich.« Dies auch deshalb nicht, weil die Maßangaben, welche die Anwohner nennen, falsch seien. Der Abstand zwischen Weg und Häusern betrage für acht Anlieger mindestens 14,5 Meter, bei zweien seien es 11,5 Meter. Nur bei den beiden südlichen Grundstücken sei der Abstand mit 4,5 Meter geringer. Auf das Angebot der Stadt, die Gecke zu erweitern, habe es »leider keine Rückmeldungen« gegeben.

Bürgerbeteiligung erwünscht

Im Streit um den Entroncamentoweg beklagen die Anwohner, sie seien nicht ausreichend und vor allem viel zu spät von der Stadt über die Baumaßnahme informiert worden . Das Amt für Stadtentwicklung schreibt hierzu, dass »am 24. und 25. März, zehn Tage vor dem Ortstermin mit den Anliegern, ein Anschreiben (130 Exemplare) mit Ankündigung des Baubeginns und Angabe des städtischen Ansprechpartners für Rückfragen im gesamten Baugebiet und bei den Anliegern der Ernst Eduard-Hirsch-Straße verteilt wurde. Während die Neubürger hiervon regen Gebrauch machten (z. B. Anforderung der Planunterlagen per E-Mail), kamen aus der Ernst-Eduard-Hirsch-Straße erst nach Aushub bzw. Schotterung des Wegs zwei Anfragen, wovon eine die besagte Beschwerde ist. Auf Anregungen aus der Bürgerschaft (Berücksichtigung von Allergie n) wurde durch eine Änderung der Pflanzenart eingegangen.«

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare