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Neustart nach turbulenten Wochen: Die pädagogischen Fachkräfte, die an allen Wetterauer Schulen Sozialarbeit verrichten werden, werden von der Ersten Kreisbeigeordneten Stephanie Becker-Bösch (r.) und RDW-Geschäftsführerin Heidi Nitschke (2. v. r), begrüßt.

Neuvergabe

Nach turbulenten Wochen: Sozialarbeit in Schulen geht mit neuem Träger an den Start

  • David Heßler
    VonDavid Heßler
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Mit einem neuen Träger kommt die Schulsozialarbeit aus den Sommerferien. Der Wetteraukreis hat entschieden, das Angebot mit RDW (Regionale Dienstleitungen Wetterau) auf alle Schulen auszuweiten.

Auf die lautstarke Kritik der Gewerkschaft GEW und der Politik am Trägerwechsel geht die Pressemitteilung des Wetteraukreises zum Auftakt der Übernahme nicht mehr ein. Nur so viel: Laut Heidi Nitschke, Geschäftsführerin von RDW, will man »nach den Turbulenzen der letzten Wochen und Monate den Blick mit voller Konzentration auf den erteilten Auftrag und die praktische Arbeit richten: die Beratung von Schülerinnen und Schülern sowie deren Familien und die Ausrichtung von Angeboten im schulischen Alltag«.

»Einst von Modellprojekten ausgehend haben wir erreicht, dass 84 Schulen flächendeckend mit Sozialarbeit in Schulen versorgt sind und diese wertvolle Arbeit durch die finanzielle Ausstattung des Wetteraukreises verstetigt wurde«, resümiert Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch (SPD) bei der Auftaktveranstaltung von RDW, wo sie die pädagogischen Fachkräfte begrüßte.

Insgesamt finanziere der Kreis knapp 40 Vollzeitstellen für die Wetterauer Schulen, die in zwölf Schulverbünden zusammengefasst seien. Von den Grundschulen über die weiterführenden Schulen bis in die Beruflichen Schulen würden Fachkräfte gestellt. Diese Ausrichtung und die Entscheidung, allen Schülern in ihrer gesamten Schullaufbahn ein Beratungsangebot an die Seite zu stellen, sei eine Besonderheit«, betonte Becker-Bösch. Die Weichen für einen guten Start ins neue Schuljahr seien gestellt. RDW habe als regionaler Träger bisher zuverlässige und gute Arbeit geleistet. Becker-Bösch: »Ich bin mir sicher, dass RDW die professionelle und konstruktive Zusammenarbeit mit den Schulen genauso fortsetzen kann.«

In sechs Schulverbünden, die 2017 gestartet waren, ist die Vertragslaufzeit mit dem Träger Jugendberatung und Jugendhilfe (JJ) nach vier Jahren zu Ende gegangen. Zum 1. September übernahm RDW die Verantwortung für den Einsatz der Fachkräfte für die kommenden sechs Jahre. Der Verein hatte das wirtschaftlichste Angebot abgegeben - wobei damit nicht das günstigste Angebot zu verstehen sei, wie Becker-Bösch kürzlich betonte. 2019 hatte RDW bereits die Sozialarbeit in einigen Schulen der westlichen Wetterau übernommen.

Mit dem Start des Angebots habe die Corona-Pandemie sowohl den Träger als auch die Fachkräfte vor eine große Herausforderung gestellt, berichtet Nitschke. Man werde die bereits geschaffenen Strukturen in den östlichen Verbünden aufnehmen und andererseits Impulse setzen, »dass die Arbeit und die Standards aus den westlichen und östlichen Standorten zusammenwachsen«, verspricht sie.

Grüne fordern Akteneinsicht zur Neuvergabe

Beim neuen Träger RDW müssten die Schulsozialarbeiter - sofern sie sich überhaupt beworben haben - Gehaltskürzungen in Kauf nehmen, kritisierte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Neuvergabe. Bei gleicher Arbeit seien das je nach tariflicher Eingruppierung bis zu 800 brutto weniger im Monat, da RDW nach einem anderen Tarif zahle. Nur einigen wenigen sei das gleiche Gehalt wie beim bisherigen Träger JJ angeboten worden. Von den Schulsozialarbeitern selbst war die Kritik gekommen, es würden »Beziehungsbrücken« zu den Kindern eingerissen. Auch zeuge der Trägerwechsel von fehlender Wertschätzung. Die Grünen im Kreistag sprachen von »Lohndumping«; sie haben aktuell einen Akteneinsichtsausschuss zur Neuvergabe beantragt, da die Antworten des Kreisausschusses unbefriedigend geblieben seien.

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