1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Friedberg

Nach Sprengung in Friedberg: Weiterer Verdächtiger in U-Haft

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christoph Agel

Kommentare

_3aLOKFBN29-B_100917_4c
Tatort Friedberger Bismarckstraße: Der Geldautomat in der Commerzbank-Filiale ist in der Nacht auf den 21. Mai 2019 gesprengt worden. Die Täter sind nicht ans Geld gekommen, haben aber einen Brand verursacht. In dieser Woche ist nun ein weiterer Verdächtiger festgenommen worden. Er soll damals den Gas-Sprengsatz zur Verfügung gestellt haben. ARCHIVFOTO: NICI MERZ © Nicole Merz

Die Ermittler melden einen Schlag gegen die Geldautomaten-Sprenger-Szene.: Ein 41-jähriger Beschuldigter wurde festgenommen. Er soll mit einer Sprengung in Friedberg zu tun haben.

Fast zwei Jahre nach einer Geldautomaten-Sprengung in Friedberg ist den Ermittlern ein weiterer Verdächtiger ins Netz gegangen. Bereits im vergangenen Jahr mussten sich drei Mitglieder einer Gruppe vor dem Landgericht Gießen verantworten und nach dem Urteil letztlich ins Gefängnis (diese Zeitung berichtete). In dem Verfahren ging es damals nicht nur um den Friedberger Fall, sondern auch um weitere versuchte und vollendete Automaten-Sprengungen in Hessen und Thüringen. Bei dem nun Festgenommenen handelt es sich laut Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und Hessischem Landeskriminalamt (HLKA) um einen 41-jährigen Mann aus Eschborn.

Damals brannte es in Friedberg

Rückblende: In der Nacht auf den 21. Mai 2019 explodierte gegen 3.10 Uhr in der Friedberger Bismarckstraße ein Geldautomat in der Commerzbank-Filiale. Die Täter erbeuteten dabei kein Geld, die Feuerwehr musste aber einen bei der Tat entstandenen Brand löschen.

Was den aktuellen Ermittlungserfolg betrifft, so heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Generalstaatsanwaltschaft und HLKA vom Freitag, am Dienstag sei »ein deutscher Staatsangehöriger wegen des Verdachts des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, des schweren Bandendiebstahls und der Sachbeschädigung festgenommen worden«.

Bei dem 41-jährigen Beschuldigten soll es sich demnach um einen Angehörigen einer Tätergruppierung aus dem Rhein-Main-Gebiet handeln, die sich auf Sprengungen von Geldautomaten spezialisiert habe. Der Beschuldigte stehe im Verdacht, sich an zwei Geldautomaten-Sprengungen dieser Gruppierung beteiligt zu haben, für die er hochexplosive Gas-Sprengsätze vorbereitet haben soll.

Bis zu sechs Jahre Haft für drei Täter

Diese seien, so der Vorwurf, in jener Nacht auf den 21. Mai 2019 bei der Sprengung des besagten Geldautomaten in Friedberg und außerdem in der Nacht auf den 24. Mai 2019 bei der Sprengung eines Geldautomaten in Schlüchtern zum Einsatz gekommen. »Anders als in Friedberg, gelang es den Tätern in Schlüchtern, Bargeld in Höhe von über 230 000 Euro zu entwenden. Bei den Taten entstand ein Sachschaden in Höhe von insgesamt über 70 000 Euro«, informieren Generalstaatsanwaltschaft und HLKA. Wegen der Sprengungen in Friedberg und Schlüchtern sowie weiterer Taten verurteilte das Landgericht Gießen im April und Juni 2021 drei Angehörige der Tätergruppierung zu Freiheitsstrafen in Höhe von einem Jahr bis zu sechs Jahren.

Neulich Festnahmen in Nieder-Mörlen

Am Dienstagmorgen nahmen Ermittler des HLKA den vierten mutmaßlichen Täter in dessen Wohnung in Eschborn fest. Danach wurde er dem Haftrichter beim Amtsgericht Offenbach vorgeführt, der Untersuchungshaft anordnete.

Vor wenigen Wochen, am 30. März, war der Polizei in Nieder-Mörlen ein Schlag gegen mutmaßliche Mitglieder der niederländischen Automatensprenger-Szene gelungen. Wie die WZ berichtete, hatten Polizisten - nach einem Hinweis aus den Niederlanden - von Nordrhein-Westfalen aus die Verfolgung aufgenommen und die drei Männer schließlich in Nieder-Mörlen festgenommen. Diese werden beschuldigt, die Sprengung eines Geldautomaten vorbereitet zu haben. Im Fahrzeug, mit dem das Trio unterwegs war, befanden sich zwei Sprengvorrichtungen und Sprengwerkzeug. Polizisten sprengten daraufhin im Feld bei Nieder-Mörlen kontrolliert das gefährliche Material. Wie Dr. Nils Lund, Pressesprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, am Freitag auf Nachfrage mitteilte, sitzt dieses Trio nach wir vor in U-Haft. Ein Abschluss der Ermittlungen sei noch nicht abzusehen.

Das Phänomen Sprengung

Im Jahr 2021 ist die Anzahl der Geldautomaten-Sprengungen in Hessen gestiegen. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und des Hessischen Landeskriminalamtes (HLKA) wurden 56 solcher Fälle statistisch erfasst, in jedenfalls 27 Fällen konnten Täter an das Bargeld gelangen. Demgegenüber wurden im Jahr 2020 insgesamt 30 Fälle festgestellt, wobei es in 24 beim Versuch blieb. Die Sprengungen von Geldautomaten haben laut Generalstaatsanwaltschaft und HLKA 2021 in Hessen zu einem Sachschaden von insgesamt rund 2,6 Millionen Euro geführt. Die Täter erbeuteten Bargeld in Höhe von über 2,5 Millionen Euro. Im Jahr 2022 kam es in Hessen bislang zu 13 Sprengungen von Geldautomaten.

Auch interessant

Kommentare