In der Nacht auf den 21. Mai 2019 ist in der Friedberger Bismarckstraße ein Geldautomat der Commerzbank gesprengt worden. ARCHIVFOTO: NICI MERZ
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In der Nacht auf den 21. Mai 2019 ist in der Friedberger Bismarckstraße ein Geldautomat der Commerzbank gesprengt worden. ARCHIVFOTO: NICI MERZ

Nach Sprengung Bande vor Gericht

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Friedberg/Gießen(dpa/agl). Die Anwohner dürften sich noch gut an den Knall erinnern, der sie in der Nacht auf den 21. Mai 2019 aus dem Schlaf gerissen hat. In der Bismarckstraße explodierte gegen 3.10 Uhr in der Commerzbank-Filiale ein Geldautomat. Aus Tätersicht war die Aktion ein Reinfall, gelangten sie doch nicht an das Geld. Der Schaden war aber da, die Feuerwehr musste den Brand löschen. Seit Freitag nun muss sich eine Bande mutmaßlicher Geldautomatensprenger vor dem Landgericht Gießen verantworten.

Dabei geht es unter anderem um den Friedberger Fall vom Mai 2019. Die sieben Männer sollen reihenweise Geldautomaten gesprengt haben. Die Verhandlung findet in einem eigens für das Landgericht errichteten Zeltbau statt, damit die wegen der Corona-Pandemie angeordneten Abstandsregelungen eingehalten werden können.

Die 22 bis 36 Jahre alten Verdächtigen sollen nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt im vergangenen Jahr sechs Automaten in Hessen und einen im thüringischen Eisenach gesprengt haben. Dabei sollen sie insgesamt mehr als 400 000 Euro erbeutet haben. In Schlüchtern und Alsfeld gelangen laut Anklage die Taten. In Bad Soden und Friedberg explodierte zwar das in den Geldeingabeschacht eingeleitete Gas, dort kamen die Kriminellen aber nicht an das Geld heran. In Marburg, Hofheim und Eisenach kam es zu keiner Explosion.

"Das Verfahren zeigt die gesamte Bandbreite dessen, was bei einer solchen Tat passieren kann", sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. Die Ermittler werfen den Männern schweren Bandendiebstahl, Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion sowie Sachbeschädigung vor.

Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) in Wiesbaden vom Freitag zählte die Polizei in diesem Jahr hessenweit bislang 16 Automatensprengungen. Allerdings machten die Täter in lediglich zwei Fällen Beute. In drei Fällen gab es eine Explosion, jedoch kamen die Kriminellen nicht ans Geld. Elfmal blieb es bei einem Versuch. 2019 registrierte die Polizei landesweit 53 Fälle, wobei 15-mal Bargeld erbeutet wurde. Dabei wurden nach früheren Angaben des LKA insgesamt zehn Verdächtige in unmittelbarem Zusammenhang mit den Taten vorläufig festgenommen.

Die Sprengungen werden den Ermittlern zufolge üblicherweise mit einem Gasgemisch herbeigeführt. Daher sei die Tatausführung etwa auch für Passanten gefährlich, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. In der Vergangenheit sei es bereits zu erheblichen Sach- und Gebäudeschäden gekommen. Das LKA hat im Frühjahr 2019 eine Ermittlungsgruppe eingerichtet, die sich mit Geldautomatensprengungen befasst.

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