Sie wünschen sich, dass bald wieder Bier aus dem Zapfhahn fließt (v. l.): Pina, Dennis, Salvatore und Domenico Ferraro.	FOTOS: LOD
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Sie wünschen sich, dass bald wieder Bier aus dem Zapfhahn fließt (v. l.): Pina, Dennis, Salvatore und Domenico Ferraro.

Wirte in der Krise

Nach sieben Wochen Zwangspause: Wetterauer Gastronomen stehen in den Startlöchern

  • vonHarald Schuchardt
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Vielen Wirten steht das Wasser bis zum Hals. Noch dürfen sie ihre Lokale nicht öffnen, dabei wären sie bereit.

So manchem Gastwirt steht nach sieben Wochen Zwangspause wohl das Wasser bis zum Hals - darüber sprechen wollen aber nur wenige. Im Vorfeld der WZ-Umfrage gab es etliche Absagen. »Wir möchten in der augenblicklichen Situation lieber kein Bestandteil einer Reportage sein«, schrieb uns ein Wirt. Ein anderer erklärte am Telefon: »Lieber nicht, wir wissen nicht, was kommt.« Und auf den Rückruf eines dritten Wirtes warten wir noch immer. Barbara und Jörg Schulzeck haben kein Problem damit, über ihre aktuelle Situation zu sprechen. Die beiden Geschwister eröffneten im Mai 2003 das Café Novum am Friedberger Stadtkirchenplatz. »Wir haben erst mal pragmatisch gedacht, die Zeit genutzt, um gründlich zu renovieren, was wir sonst im Sommer gemacht haben«, erklärt Barbara Schulzeck. Noch können die Geschwister den Einnahmeausfall stemmen, nicht zuletzt dank der gewährten Soforthilfe des Bundes. »Das ging ganz problemlos und schnell. Das Geld langt für drei Monate, dann wird es richtig eng«, sagt Jörg Schulzeck und zählt die laufenden Kosten auf: Pacht, Steuer, Versicherung, Strom und anderes mehr. »Wir Mittelständler unterstützen mit unseren Zahlungen quasi andere Mittelständler«, sagt Jörg Schulzeck.

Café Novum Friedberg: Abstandsregeln erschweren Umsatz

Die Geschwister hoffen nun, dass sie möglichst bald wieder ihr Café öffnen können, haben aber auch Bedenken: »Wenn die Abstandsregeln so bleiben, kommen wir nicht auf den nötigen Umsatz.« Barbara Schulzeck denkt auch an die Mitarbeiter: »Unsere Festangestellten kommen mit dem Kurzarbeitergeld kaum über die Runden, die Aushilfen bekommen gar nichts.«

Auf eine baldige Öffnung ihres Restaurants Adria in der Bad Nauheimer Parkstraße hofft die Familie Ferraro. Mit der Soforthilfe sowie ihrem Bestell- und Lieferservice kamen sie bisher über die Runden. »Die laufenden Kosten können wir zahlen«, sagt Salvatore Domenico, der zusammen mit Ehefrau Pina in der Küche arbeitet. Die Familie stemmt diese Zeit momentan alleine, ihre beiden Angestellten erhalten Kurzarbeitergeld. Sohn Dennis gibt die bestellten Speisen heraus, und sein Bruder Domenico ist zum Auslieferungsfahrer geworden. »Das einzig Gute an Corona ist, dass ihr jetzt liefert«, habe ein Kunde zu ihm gesagt, erzählt Domenico Ferraro, der bis zu 30 Prozent der Bestellungen ausliefert. Nun denkt Papa Salvatore darüber nach, den Lieferservice nach der Wiedereröffnung beizubehalten. »Ich will aber wieder unsere Stammkunden bedienen«, entgegnet sein Sohn Domenico. »Wir hier haben es noch gut, im Gegensatz zu Kalabrien, unserer italienischen Heimat«, sagt der Vater. Immerhin sind alle Verwandten bisher vom Virus verschont geblieben. »Es muss bald wieder losgehen, egal wie viele Leute dann in unser Lokal dürfen«, sagt der Familienvater.

Restaurant Adria Bad Nauheim: 30 Prozent der Bestellungen werden ausgeliefert 

Einen baldigen Neustart wünscht sich auch Beate Mrozek, seit 30 Jahren Pächterin des Hüttchen, der öffentlichen Gaststätte auf dem Gelände der Turngemeinde Friedberg in der Ockstädter Straße. Auch ihr und Ehemann Ludger Baha half die Soforthilfe des Bundes. Dazukam schon in der ersten Woche des Shutdowns das Angebot des TG-Vorstandes, ihr zu helfen, falls dies nötig sei. Mrozek: »Darüber habe ich mich wirklich gefreut.« Da das zweite Quartal normalerweise ihr umsatzstärkster Zeitraum im Jahr ist, trifft sie die Schließung hart. »Wir haben viele Familienfeiern«, sagt die Wirtin, verweist aber auf die bisher ein Dutzend Absagen. Die gewonnene Zeit hat das Paar zum Aufräumen in der Gaststätte und zu Hause, aber auch für gemeinsame Aktivitäten wie Rad fahren und Gartenarbeit genutzt. Hinsichtlich einer Wiedereröffnung setzt Mrozek vor allem auf die Außenbewirtschaftung. »Wir haben auf dem Gelände viel Platz. Abstandsregeln sind dann kein Problem«, sagt die Pächterin, die gerne ihr 30-jähriges Pachtjubiläum feiern möchte. Ob das was wird, steht allerdings - wie so vieles derzeit - in den Sternen.

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