Volle Schulbusse waren schon vor der Pandemie ein Problem - jetzt verschärfen sie die Situation. Das Land Hessen hat dem Wetteraukreis nun Unterstützung zugesagt. SYMBOLFOTO: DPA
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Volle Schulbusse waren schon vor der Pandemie ein Problem - jetzt verschärfen sie die Situation. Das Land Hessen hat dem Wetteraukreis nun Unterstützung zugesagt. SYMBOLFOTO: DPA

Volle Schulbusse

Nach Schreiben von Al-Wazir: Kreistag Wetterau diskutiert über Einsatz von Reisebussen

  • vonJürgen W. Niehoff
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Seit Wochen wird über die Situation in überfüllten Schulbussen diskutiert. Nun scheint eine Lösung in Sicht. Beim Kreistag ging es auch um Reisebusse - zwei Parteien lehnten einen Antrag ab.

Landrat Jan Weckler ist sichtlich zufrieden gewesen. Bei der jüngsten Sitzung des Kreistages konnte der den Abgeordneten die Antwort des hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) auf sein Schreiben vorzeigen. Darin ging es darum, dass der Kreis dringend Unterstützung bei der Beförderung der Schüler in der Corona-Pandemie braucht. Die wurde nun zugesagt, wenn durch eine Entzerrung der Anfangszeiten in der Schule noch keine ausreichende Entlastung für die vollen Bussen erreicht werde.

Natürlich was das Thema auch Gegenstand hitziger Diskussionen bei der Sitzung. Wer hat sich zuerst um eine Lösung bemüht? Genau darum stritten sich Grünen und FDP. Grünen-Sprecher Gerhard Salz etwa sah seine Fraktion als Wegbereiter. Sie sei es gewesen, die das Thema der übervollen Bussen zuerst angesprochen habe. Und, dass die Schüler darin keinen Abstand zueinander halten könnten. Dem jedoch widersprach FDP-Sprecher Peter Heidt. "Als wir das Problem direkt nach Ausbruch der Epidemie zur Diskussion gestellt haben, wollte in der Koalition von CDU und SPD keiner etwas davon hören", erinnerte er. Das Interesse an einer Problemlösung sei bei den regierenden Parteien eher gering gewesen. Obwohl schon damals etliche Reisebusse leer auf den Höfen der Betriebe gestanden hätten.

Volle Schulbusse in Wetterau: AfD und NPD lehnen Antrag ab

An den Schulen wird streng auf die Einhaltung der Corona-Maßnahmen geachtet. In den Bussen dagegen werden sie außer Acht gelassen - auch darüber wurde bei der Sitzung gesprochen. Alle Redner sprachen sich für den zusätzlichen Einsatz von Reisebussen aus. Lediglich die Vertreter von AfD und NPD lehnten den gemeinsamen Antrag von CDU, SPD, Grüne, FWG, FDP und Linke rundweg ab. "Egal, ob im Bus 20 oder 40 Schüler transportiert werden. Das Abstandhalten wird bei ihnen nicht funktionieren", sagte AfD-Fraktionsvorsitzende Michael Kuger. "Selbst die Atemschutzmasken behalten sie nicht einmal auf in den Bussen." Der Einsatz von Reisebussen sei darum "rausgeschmissenes Geld".

Reisebusse für Wetterauer Schüler: Kostenübernahme nicht zugesagt

Hinzukomme, dass das Land bisher nicht einmal zusagen wolle, ob es die Kosten dafür allein übernehmen werde. Die Partei äußerte die Bedenken, dass der Kreis dann möglicherweise auf einem Großteil der Kosten hängenbleiben würde. Auch Daniel Lachmann (NPD) bezweifelt den Sinn der zusätzlichen Reisebusse. Man könne nicht die ganze Gesellschaft in die Pflicht nehmen, wenn der Erfolg nicht einmal garantiert sei.

Auch SPD-Kreistagsmitglied Lisa Gnadl, ebenfalls Mitglied des Hessischen Landtages und Vorsitzender der Wetterauer SPD, fand klare Worte. "Andere Bundesländer haben es uns vorgemacht. Das Problem ist lange bekannt und hätte längst angepackt werden müssen", sagt sie. Auch bei der Kostenübernahme gebe es in anderen Bundesländern längst klare Vorgaben. "Dort wird alles gezahlt. Warum dann nicht auch bei uns in Hessen?" Sie spricht sich darum für eine klare Vorgabe aus Wiesbaden aus.

CDU-Fraktionschef Sebastian Wysocki ging auf den Versuch, die Schuld für das Versäumnis auf die Landesregierung abschieben zu wollen, nicht ein. Er zeigte sich vielmehr froh darüber, dass nun endlich eine Lösung in greifbarer Nähe zu sein scheint. "Schließlich geht es um die Gesundheit unserer Kinder und da sollte Parteipolitik einmal zurücktreten", sagte Bei der anschließenden Abstimmung stimmten nur AfD und NPD mit Nein. Die große Mehrheit befürwortete den Antrag.

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