Vor dem Abladen werden die Autos gewogen, das kostet Zeit. Auf dem neuen Hof soll das anders werden.
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Vor dem Abladen werden die Autos gewogen, das kostet Zeit. Auf dem neuen Hof soll das anders werden.

Wiedereröffnung nach Corona

Nach Corona: Recyclinghöfe Wetterau verzeichnen starkes Plus

  • vonHedwig Rohde
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In den Recyclinghöfen des Abfallwirtschaftsbetriebs Wetterau herrscht drei Monate nach dem Lockdown weitgehend wieder »Business as usual«. Aber einiges hat sich geändert.

Immer wieder hört man die Klage, während des Lockdowns sei in der Wetterau die Menge des illegal wild entsorgten Mülls gestiegen. Dr. Wolfgang Roth, Betriebsleiter des Abfallwirtschaftsbetriebs Wetterau (AWB), und der für die Recyclinghöfe zuständige Sachbearbeiter Dominik Jehring können das nicht bestätigen. »Die Menge ist fast immer gleich«, sagt Jehring. Verstehen können weder er noch sein Chef die Praxis der illegalen Müllentsorgung: »Wenn man den Müll schon mal auf dem Auto hat, kann man ihn, statt ihn in den Wald zu kippen, auch gleich auf den Recyclinghof fahren«, sagt Roth.

Zumal vieles kostenlos ist: Altkleider, Druckerpatronen, Elektrogeräte, Flachglas, Batterien, LED- und Energiesparlampen, Metallschrott sowie Papier, Pappe und Kartonnagen können ohne Gebühr abgegeben werden. Und für kostenpflichtige Abfälle sind die Preise niedrig. Sie bewegen sich zwischen sechs Cent pro Kilo Bauschutt oder Grünabfall über zehn Cent für ein Kilo Altholz aus dem Innenbereich und 18 Cent für ein Kilo Sperrmüll bis zu 20 Cent für das Kilo Altholz aus dem Außenbereich.

Kundenfreundlich sind auch die Annahmezeiten. Wer unter der Woche keine Zeit hat, kann die vier- bis sechsstündigen Öffnungszeiten der Recyclinghöfe am Samstag nutzen.

Und wie war das nun nach dem Lockdown? »Gerade in den ersten Wochen herrschte in einigen Höfen großer Andrang«, berichtet Roth. »Die Leute haben offensichtlich die Zeit zum Räumen genutzt. Außerdem hatten in Hessen die Baumärkte durchgehend geöffnet, viele haben renoviert.« Teilweise habe es in den Höfen etwas längere Wartezeiten gegeben. Roth: »Aber darauf hatten wir vorher in der Presse hingewiesen. Die meisten Leute waren verständnisvoll.«

Recyclinghöfe Wetterau: Bunte Mischung mit mehr Aufwand

Dominik Jehring ist vor allem im Gedächtnis geblieben, dass relativ viele Leute nicht, wie sonst üblich, Müll einer bestimmten Fraktion geladen hatten, sondern »eine bunte Mischung«. Wegen der unterschiedlichen Entsorgungskosten durch mehrmaliges Wiegen brachte das einen erhöhten Aufwand mit sich.

Gut drei Monate nach dem Ende des Lockdowns haben sich die meisten Besonderheiten nach Aussage der AWB-Mitarbeiter wieder gegeben - mit einer Ausnahme: »Wir bekommen nach wie vor exorbitant mehr Elektroaltgeräte. Seit dem 20. April ist die Menge so gestiegen, dass wir ein Plus von 50 Prozent verzeichnen«, sagt Jehring. Wie zur Bestätigung fährt in diesem Moment Manfred Kospach aus Ober-Mörlen vor dem Elektroschrott-Container vor. Sieben oder acht Mal trägt er Arme voller Altgeräte in den Container. Er ist das erste Mal überhaupt in einem Recyclinghof, bringt Elektoschrott aus 20 Jahren. »Wir haben ein großes Haus, da kann man viel sammeln«, erläutert er lachend.

Recyclinghöfe Wetterau: »Es ist hier sehr übersichtlich, gut aufgeräumt.«

Kevin Kanschat, ebenfalls aus Ober-Mörlen, ist Stammgast auf dem Recyclinghof, kommt zwei bis drei Mal jährlich. An diesem Tag hat er Sperrholz geladen - und für den Hof nur Lob: »Es ist hier sehr übersichtlich, gut aufgeräumt, und die Leute sind immer sehr freundlich.«

Das bestätigt Werner Rohlender gerne. Der Rentner aus Butzbach-Wiesenthal hilft an diesem Tag einer in Friedberg wohnenden Bekannten, hat eine Couch auf dem Hänger. Einziger Wermutstropfen aus seiner Sicht: Dass man den schweren Sperrmüll nicht von einer Rampe abkippen kann. Dem Mann wird geholfen werden, denn im neuen Friedberger Recyclinghof, der im Herbst in Dorheim eröffnet werden soll, wird es diese Möglichkeit geben.

Dort wird auch ein anderes Problem beseitigt: der Rückstau wartender Pkw bis zur Bundesstraße, der sich auf dem jetzigen Friedberger Hof bei größerem Andrang schnell mal einstellt.

Wer sich über die Recyclinghöfe des AWB weiter informieren möchte, wird fündig auf www.awb-wetterau.de.

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