Zwischen der Eingangstür des Schnellrestaurants am Friedberger Bahnhof und den Motorhauben zweier wartender Autos ist die Auseinandersetzung eskaliert.
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Zwischen der Eingangstür des Schnellrestaurants am Friedberger Bahnhof und den Motorhauben zweier wartender Autos ist die Auseinandersetzung eskaliert.

Schläge, Tritte, Schnittwunden

Nach Attacke am Bahnhof Friedberg: Zwei Männer auf freiem Fuß

  • vonHedwig Rohde
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Die Tat geschah im November 2019 am Friedberger Bahnhof. Nun sind wei Brüder, 19 und 21 Jahre alt, vom Jugendschöffengericht am Amtsgericht Friedberg auf freien Fuß gesetzt worden.

Zwei Gruppen junger Männer trafen gegen 20.15 Uhr am 23. November 2019 am Friedberger Bahnhof aufeinander: die aus Aleppo stammenden Angeklagten sowie Steven B. (19) aus Hungen und seine Freunde Alex M. (19) und Max O. (17) aus Bad Nauheim, die von einem Eintracht-Spiel zurück kamen. Bei den Angeklagten handelt es sich um den 17-jährigen Mahmoud S. und die Brüder Nihad (19) und Abdullah (21) K. (alle Namen in diesem Artikel sind geändert).

Der Ablauf der Auseinandersetzung sowie der Versuch, einzelne Taten bestimmten Personen zuzuordnen, standen im Mittelpunkt des dritten Verhandlungstages. Außerdem ging es um den zuvor von S. erhobenen Vorwurf, die zwei angeklagten Brüder K. und ihr nicht angeklagter älterer Bruder hätten ihn mit der Androhung von Vergewaltigung unter Druck gesetzt.

Bahnhof Friedberg: Video zeigt Oralsex-Szene

Die Brüder K. leben mit ihrer Familie in Friedberg, S. wohnt von seiner Familie getrennt in einer Jugendeinrichtung in Echzell. Probleme hatte S. bereits vor der Flucht der Familie aus Syrien: Im Alter von elf Jahren hatte er begonnen, sich den Arm zu ritzen. Weil er als Kurde syrischer Nationalität in Friedberg mehrfach Stress mit kurdenfeindlichen Türken gehabt habe, so vor drei Wochen seine Einlassung, habe er seinen Betreuern versprochen, Friedberg und den dortigen Bahnhof zu meiden. Nur auf Druck durch die Brüder K. sei er am 23. November 2019 nach Friedberg gefahren.

Vor Gericht ließ sich S.’ Behauptung, die Brüder K. hätten ihn mit einem Vergewaltigungs-Video und der Ankündigung »das machen wir dann auch mit dir« zum Kommen gezwungen, nun nicht erhärten. Ein auf dem Handy von S. gefundenes Video einer Oralsex-Szene zwischen drei jungen Männern (davon angeblich zwei Brüder K.) habe bei der polizeilichen Auswertung keine Anzeichen von Gewalt erkennen lassen, sondern zeige offensichtlich einvernehmlichen Sex, berichtete ein Vernehmungsbeamter.

Bahnhof Friedberg: Keine Waffe gefunden

Nicht in allen Punkten hielt am Donnerstag des Weiteren die Aussage eines Augenzeugen stand, der vor dem Schnellrestaurant auf seine mit der Bahn kommende Frau gewartet hatte. Vor der Restaurant-Tür war der Schlagabtausch inzwischen gewaltsam geworden. Unvermittelt hatte Nihad K. heftig in den Bauch von Alex M. getreten. Daraufhin stellte sich Steven B. schützend vor den Freund, mit dem Ergebnis, dass alle drei Angreifer nun gemeinsam ihn attackierten. Fäuste seien geflogen, Tritte habe er gesehen, zwei oder drei aus dem »Menschenknäuel« seien auf seiner Motorhaube gelandet, wobei diese mit Blut besudelt worden sei.

Soweit deckte sich die Aussage des Augenzeugen mit den gewonnenen Erkenntnissen. Nicht so aber seine Angabe, er habe neben S. mit seiner Lockenfrisur auch die Brüder K. als Täter erkannt. Auf Nachfragen der Verteidiger Jürgen Häller und Alexander Hauer musste er einräumen, dass ihm die Opfer auf einem bei Instagram geposteten Gruppenfoto, das ein Taxifahrer nach dem Vorfall präsentiert habe, die beiden K.s als Täter genannt hatten, woraufhin er sie bei der Polizei »identifizierte«. Außerdem sah er sich außerstande, bestimmte Schläge oder Tritte einzelnen Personen zuzuordnen. Nachdem der Augenzeuge mit einem aus beruflichen Gründen mitgeführten Schlagstock bewaffnet aus seinem Auto ausgestiegen war, flüchteten die drei Angreifer. Die Polizei traf nach wenigen Minuten ein, ebenso der Rettungswagen, denn Steven B. wies an Gesicht und Hals stark blutende schnittähnliche Verletzungen auf. Eine Waffe wurde nicht gefunden; es blieb auch am dritten Verhandlungstag bei der Vermutung, eine abgebrochene Flasche könne im Spiel gewesen sein. Bei der Fahndung nach den Tätern wurde S. in einem nahe gelegenen Hinterhof gestellt. Durch Zeugenaussagen und mithilfe des bereits erwähnten Instagram-Fotos wurden dann die Brüder K. als weitere Täter ermittelt. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

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