Lisa Jaschinski (l.) und Julia Niederau sind für die Jugendmigrationsdienste in Friedberg, Büdingen und Butzbach zuständig. 	FOTO: PM
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Lisa Jaschinski (l.) und Julia Niederau sind für die Jugendmigrationsdienste in Friedberg, Büdingen und Butzbach zuständig. FOTO: PM

»Es muss nicht Note 5 sein«

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Wetteraukreis (pm). Während der Corona-Krise sind Eltern mit Migrationshintergrund besonders gefordert, ihren Kindern schulisch zur Seite zu stehen. Nicht allen Müttern und Vätern fällt das leicht, etwa wenn Sprachbarrieren bestehen. Die Jugendmigrationsdienste Friedberg und Büdingen (JMD) wollen neben ihren Beratungstätigkeiten auch an dieser Stelle aktiv werden. »Wir bieten an, dass man uns anrufen kann, wenn Eltern den Schulstoff nicht verstehen. Sie können die Aufgabe abfotografieren, einscannen und uns über WhatsApp oder E-Mail schicken«, sagt Teamleiterin Julia Niederau. Träger der JMD ist die gemeinnützige Gesellschaft Internationaler Bund Südwest, die in Friedberg angesiedelt ist. An Nachhilfe für alle Fächer bestehe ein hoher Bedarf, so Niederau.

Um diese Offerte für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus- und aufzubauen, würden sich die JMD gerne mit Ehrenamtlichen vernetzen, beispielsweise pensionierten Lehrern. Denn den Bedarf könne die Organisation noch nicht abdecken. »Auch nach der Krise wird Nachhilfe ein großes Thema sein«, stellt Niederau fest. Diese müsse auch Familien zugänglich sein, die sich Nachhilfe nicht leisten können. Die Möglichkeiten des Bildungs- und Teilhabepakets griffen diesbezüglich aber erst, wenn ein Kind auf Note 5 gerutscht ist. »So weit muss es ja nicht kommen«, betont Niederau. Um ein Angebot sicherzustellen, würde der JMD gegebenenfalls einen Raum zur Verfügung stellen, etwa für eine Kleingruppe.

Hauptaufgabe der JMD ist es, junge Menschen zwischen 12 und 27 Jahren zu beraten, die ihre Wurzeln in einem anderen Land haben, ob Geflüchtete oder EU-Bürger. »Dabei geht es um die sprachliche, berufliche, schulische und soziale Integration in unsere Gesellschaft.« Die Mitarbeiter beraten aber auch Eltern, Bürger und Institutionen, die am näheren Lebensumfeld der jungen Menschen teilhaben.

Stark gefragt bei der täglichen Arbeit ist laut Niederau und ihrer Kollegin Lisa Jaschinski, beim Schreiben von Bewerbungen zu helfen. Denn die jungen Leute hätten meist keinen Zugang zum Internet, es sei denn über ihr Handy. Laptop oder PC-Arbeitsplatz seien in der Regel nicht vorhanden. Die JMD sind auch an Kontakten zu Firmen interessiert, die ausbilden wollen.

»Weitere häufige Fragen unserer Klienten sind, wie man Abschlüsse übersetzen und anerkennen lassen kann oder was zu tun ist, wenn der Asylantrag abgelehnt wurde«, erklärt Jaschinski, die für Büdingen zuständig ist.

Die 30-Jährige baut den Standort seit einigen Monaten auf; zu den Zielen gehört, ein Netzwerk zu knüpfen. Gespräche mit Organisationen wie der Ehrenamtsagentur »Aktiv in Büdingen«, dem Rotkreuz, der Migrationsberatung, Jobcenter und Arbeitsagentur führte sie bereits. Auch in Butzbach gibt es eine Dependance: Sie liegt am Marktplatz; Niederau betreut diesen und den Standort Friedberg.

Als weiteres Projekt hat der JMD Einrichtungen angeschrieben, die in der stationären Jugendbetreuung aktiv sind, verbunden mit der Bitte, Bilder mit den Kindern zu malen. Entstehen soll eine Collage als Zeichen für mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft. Dies gelte auch im Hinblick auf die Corona-Krise, wie die 26-jährige Niederau betont: »Wir wollen zeigen, dass es uns allen ähnlich geht.«

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